Biberist
Im Lager wird an den einzelnen Stimmen nur noch poliert

Während zweier Wochen wurde im Diemtigtal dem Zusammenspiel der letzte Schliff verpasst. Im Schlösschen Vorder-Bleichenberg zeigte die Sommer Big Band, was sie drauf hat.

Hans Blaser
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Das ist die Sommerbigband 2016.

Das ist die Sommerbigband 2016.

zvg

Die Sommer Big Band gibt es Jahr für Jahr. Aber immer nur für zwei Wochen. Dann ist sie nur noch ein Blatt mehr im Album der Erinnerungen. Sie erinnert etwas an Phoenix, der aus der Asche aufersteht. Jahr für Jahr scharte Patrick Kappeler eine Schar meist junger Musikanten um sich, die sich in den Ferien gerne mal in einer Big Band versuchen wollten. Nach 21 Jahren hatte er jedoch genug. Den kaum vorstellbaren Aufwand mochte er sich nicht mehr antun. Vier junge Leute seiner letzten Big Band fanden jedoch, diese Idee dürfe nicht sterben. Sie übernahmen sie einfach selber.

Die bisherige Arbeit von Kappeler verteilen sie unter sich auf. Nun kann Kappeler endlich wieder als normaler Saxofonist in der Reed Section sitzen.

Die Vier haben bereits ihre zweite Sommer Big Band auf die Beine gestellt. Es ist aber nicht so, dass im Lager im Diemtigtal das Programm erarbeitet wurde. Dort erhielt es im harten, täglichen Vollprogramm nur noch seine finale Form. Ihre Stimmen müssen die Musiker bereits beherrschen, wenn sie dort eintreffen. Im Zusammenspiel wird an den einzelnen Stimmen kaum mehr gefeilt, es wird nur noch poliert. Geschliffen wird nur da, wo es der Interpretation dient.

Die musikalische Leitung oblag zum zweiten Mal Jonas Beck, der eben die Jazzschule abgeschlossen hat. Das Führungsquartett wird komplettiert durch Fabienne Birchmeier, Christine Flury und David Senn. In ihren Köpfen begannen sich schon kurz nach dem letzten Konzert des vorigen Jahres die Gedanken um Big Band-Literatur zu drehen. Da die Besetzung bei einer Big Band feststeht, galt es bald darauf auch an die zu denken.

Die Sommer Big Band wird jedes Jahr neu zusammengestellt. Im Prinzip kann jeder der das möchte, dort mitspielen. Es ist aber so, dass die Bisherigen immer bevorzugt werden. Eine frei werdende Position wird bevorzugt durch eine Person besetzt, die bereits Big Band–Erfahrung hat. In diesem Jahr wurden gleich mehrere Positionen neu besetzt. Das ist ohne Bedeutung, weil bei der SBB die Gleichberechtigung als absolute Maxime gilt. Deshalb möchte sie auch nicht einzelne Solisten hervorgehoben haben. Es ist so, dass praktisch alle Mitglieder irgendwann im fast zweistündigen Konzert ein Solo spielten. Es sind also alles Solisten.

Das hörte man auch diesmal im Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist – es war eine tolle Big Band. Mindestens zwei Nummern spielte der ganze fünfköpfige Trompeten-Satz auf Flügelhörnern. Big Band muss durchaus nicht immer strahlend-knallig klingen. Passend zur Band erwies sich auch das Programm. Dazu gehörten Jazz-Klassiker wie «Birdland» oder Dizzy Gillespies «A Night in Tunesia».

Nicht fehlen durften Big Band-Nummern, die aus Broadway Musicals stammen. Aus «Brigadoon» von Frederick Loewe aus dem Jahr 1947 stammt «Almost like being in love». «All the things you are» von Jerome Kern schaffte es schon 1939 auf die Bühne. Die SBB spielt aus Prinzip aber einfach, zu was sie Lust hat.