Hinter den Kulissen wird eifrig diskutiert, analysiert, lobbyiert und nicht zuletzt gestritten. Der Fahrplan sieht laut Gemeindepräsident Stefan Hug vor, dass im März an einem Workshop alle Parteien ihre Fragen und Forderungen kundtun.

Ein erstes Vorgespräch hat bereits im Januar stattgefunden. «Es diente der Bestandesaufnahme und der Frage, wie es weitergehen könnte», berichtet Hug. Nicht dabei waren die Promotoren des Projektes Riverside. Diese werden am März-Workshop mit dabei sein, ebenso wie die Tennisspieler, die Fussballer, die Eisstockschützen und die Vertreter von Pro Widi. Weiter werden neu auch die Anwohner, vertreten durch die IGU (Interessengemeinschaft Unterfeld) mitreden. «Am Workshop suchen wir einen möglichst grossen Konsens aller Parteien», erklärt Hug.

Maximalforderung des FCZ

Michael Marti ist mittendrin in der Widi-Geschichte. Als Leiter der Abteilung Finanzen der Gemeinde könnte er zusätzliche Steuereinnahmen gebrauchen. Er ist auch Präsident der Fussballclubs. Hier muss er die Interessen der Mitglieder wahren. «Plötzlich haben wir Zeit, alle Fragen rund um das Geschäft zu klären», kommentiert er die Situation. «Geklärt werden soll, was es noch braucht, dass das Geschäft glatt über die Bühne gehen kann», erklärt er das Ziel der Sitzung im März. 

Für seinen Club will er möglichst viele Rechte herausholen. «So wie wir sie heute haben.» Konkret lautet die Maximalforderung, dass der FC Zuchwil über die Plätze am vorgesehenen Standort östlich vom Sportzentrum von 17 bis 22 Uhr uneingeschränkt bestimmen und an den Wochenenden seine Spiele austragen kann. «Dann muss mir beim FC Zuchwil noch einer erklären, was es mehr braucht. Heute könnten wir beispielsweise trotz Schnee trainieren», spricht er die Trainingsbedingungen mit einem Kunstrasen an. «Natürlich habe ich aber auch Verständnis, wenn jemand aus emotionalen Gründen das Widi nicht hergeben will.»

Anders denkt Marti als Bürger. «Ich wohne dort und fühle mich in einem Zwiespalt.» Er habe noch viele Fragen
in Bezug auf den Verkehr. «Oder was
passiert, wenn der Markt die neuen Wohnungen nicht schluckt? Und müssen wir unbedingt unsere Perle an der Aare verkaufen? Andererseits ist es eine Chance für Zuchwil.»

Tennisclub sucht Alternativen

Beim Tennisclub Widi gehen die Überlegungen inzwischen in mehrere Richtungen. Dies, obwohl eine Absichtserklärung der Gemeinde besteht, die den Wechsel des Clubs auf das Gelände der Scintilla-Tennisanlage ermöglicht, mit ein bis zwei neuen Tennisplätzen und einem neuen Klubhaus. Im Raum steht dann auch eine Fusion der beiden Tennisclubs. Weil aber intern Widerstand gegen den neuen Standort gleich neben der Bahnstrecke vorhanden ist, hat Klubpräsident Hans Lüthi die Möglichkeit von Alternativen noch nicht aufgegeben. Im Visier hat er den ursprünglich vorgesehenen Standort ebenfalls beim Sportzentrum. «Auf diesen hatten wir aber zugunsten zusätzlicher Trainingsplätze für den FC verzichtet.» Nun suche er wieder das Gespräch mit den Verantwortlichen des Sportzentrums. Spruchreif sei aber noch nichts. «Wir haben im März unsere Generalversammlung. Dort werde ich informieren und die Meinung der Mitglieder abholen.»

Nicht vergessen gehen dürfe, dass der Verein abhängig vom Goodwill der Gemeinde ist. «Ein neues Klubhaus, und das brauchen wir so oder so, kostet 350 000 Franken. Das können wir nicht im Verein alleine stemmen.» Die Mehrheit des Klubs werde bei einer neuen Lösung mitmachen, ist er überzeugt, aber skeptisch beurteilt Hans Lüthi die Möglichkeit einer Fusion mit dem Tennisclub der Scintilla ein.

Lässt sich Pro Widi einspannen?

Moderat kommentiert Patrick Marti für Pro Widi das Vorgehen. «Wir hatten eine erste Aussprache. Es freut mich, dass wir nun Zeit haben, die Fragen zu klären.» Aber auch Patrick Marti trägt mehrere Hüte. «Ich habe immer erwähnt, dass ich nicht fundamental gegen das Projekt bin, aber dass viele Fragen offen sind.» Es gelte nun, und dies sage er als Privatperson und Gemeinderat, seriöse Entscheidungsgrundlagen zu erarbeiten. «Dann kann man auch seriös entscheiden. Aber der Entscheid kann dann immer noch negativ sein.» Von vielen Pro-Widi-Anhängern wisse er, dass diese niemals das Widi hergeben möchten. «Das ist schliesslich auch eine Haltung», sagt Patrick Marti.

Dem Workshop anfangs März kommt eine grosse Bedeutung zu. An der anschliessenden Gemeinderatssitzung wird bereits die Auswertung des Workshops diskutiert. Im Anschluss daran werden die Gemeinde Zuchwil und die Promotoren von Swiss Prime Site über das weitere Vorgehen kommunizieren. Beispielsweise über den Studienauftrag, mit dem das Projekt Riverside erstmals schärfere Konturen erhalten soll. Den Starttermin für die Studie haben die Promotoren mal um drei Monate verschoben. Die Frage stellt sich, wird Swiss Prime Site das Widi im Studienauftrag mitentwickeln, obwohl ein Kauf erst später entschieden werden kann? Denn an der Juni-Gemeindeversammlung reiche es nur zu einer Information, erklärt der Gemeindepräsident. Einen allfälligen Entscheid erwartet Stefan Hug erst an der Gemeindeversammlung im Dezember.