Derendingen
Im Gartenleitbild bleiben die Qualitäten des «Elsässli» erhalten

Das Derendingen Gartenleitbild soll mithelfen, das heutige Erscheinungsbild des «Elsässli» auch nach den Bodensanierungen zu erhalten. Es wurde von zwei Fachfrauen entwickelt werden und am Montag der interessierten Gemeinde vorgestellt.

Rahel Meier
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Ein Gestaltungsplan regelt die Nutzung im «Elsässli».

Ein Gestaltungsplan regelt die Nutzung im «Elsässli».

Sogis

Die Interessengemeinschaft Elsässli (IG) hat zwei Fachfrauen beauftragt, ein Gartenleitbild zu entwickeln. Damit reagiert die IG auf die durch die kantonalen Behörden verfügten Nutzungseinschränkungen für die Gärten.

Diese sind unter anderem mit PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) belastet. Das Leitbild soll eine Handhabe dafür bieten, wie die spezifischen Qualitäten des «Elsässli» trotz der anstehenden Bodensanierungen erhalten werden sollen.

Klarheit nach vier Jahren Wartezeit

Ende Mai 2011 wurde bekannt, dass die Böden der Gärten im Derendinger «Elsässli» mit organischen Schadstoffen und Schwermetallen belastet sind.

Bodenuntersuchungen wiesen nach, dass vor allem die Belastung durch organische Schadstoffe PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) problematisch ist.

Da sich die Werte in problematischen Bereichen befinden, wurden Nutzungseinschränkungen verfügt. Die einzig wirksame Massnahme ist, den Boden austauschen zu lassen. (RM)

«Wer nicht kommen konnte, hat sich entschuldigt», so IG-Präsident Hansruedi Meyer. «Die Diskussionen waren lebendig. Die Bewohner sind sehr interessiert.»

Über 20-jährigen Gestaltungsplan zeitgemäss umsetzen

Das «Elsässli» steht seit 1989 unter Denkmalschutz. Es ist schweizweit eine der letzten vorhandenen Arbeitersiedlungen. Die grossen Gärten sind charakteristisch für das Quartier.

Deshalb ist auch die kantonale Denkmalpflege daran interessiert, dass die Gärten erhalten bleiben. Und seit 1991 liegt ein Gestaltungsplan über dem Quartier, der Richtlinien erlässt. Das neue Gartenleitbild nimmt den Gestaltungsplan auf und zeigt, wie dieser zeitgemäss umgesetzt werden könnte.

Mit dem Gestaltungsplan werden nicht nur die Baubereiche im Quartier definiert. Wichtig ist auch, dass die Gärten und die Vorplätze in ihrer heutigen Art erhalten bleiben. Veloabstellplätze und Carports sind nur an zugewiesenen Orten möglich. Sogar die Art der Umzäunung der Gärten ist klar definiert.

Im Gegensatz zu früher werden die Gärten nicht mehr nur als Nutzgärten, sondern vor allem als zusätzlicher Wohnraum und zur Erholung genützt. Deshalb soll den Wünschen nach einem gewissen Sichtschutz, nach Windschutz, die Möglichkeiten eine Feuerstelle oder einen Spielplatz anzulegen, ein Garten- oder Gerätehaus aufzustellen, Rechnung getragen werden.

Die heute bestehende Artenvielfalt bei der Bepflanzung soll auch nach der Sanierung der Böden erhalten und gefördert werden. Neuanpflanzungen von invasiven Sorten (Neophyten) sind nicht erwünscht.

Es sollten lieber einheimische und standortgerechte Pflanzen sein. Das Leitbild zeigt auf, dass Bereiche mit gewachsenen Bepflanzungen (Bäumen und Sträuchern) mit gartendenkmalpflegerisch wertvollem Charakter nicht automatisch saniert werden müssen.

Eine Sanierung empfiehlt sich aber dort, wo invasive Neophyten oder standortfremde Pflanzen ohne wertvollen Charakter wachsen.

Das Gartenleitbild ist gemeinsam mit den kantonalen und den Gemeindebehörden erarbeitet worden. Vor allem Markus Schmid vom kantonalen Denkmalschutz habe sich stark engagiert. Aber auch der Schweizer Heimatschutz habe sich eingebracht.

Viele praktische Fragen

Die Quartierbewohner hatten an der Informationsveranstaltung vor allem praktische Fragen. «Ist das Gartenleitbild rechtsverbindlich?» «Wer muss die Sanierung des Bodens zahlen?» «Wie schnell können wir die Sanierung angehen?»

Alle Fragen konnten die Anwesenden nicht beantworten. Vor allem die Frage nach der Finanzierung ist noch ungeklärt. Die IG Elsässli hat ein Gesuch beim Lotteriefonds des Kantons Solothurn um Mitfinanzierung der Bodensanierung gestellt. Auch der Schweizer Heimatschutz wurde um einen Betrag angesucht.

«Wir sind zudem weiter auf der Suche nach Stiftungen, die mithelfen könnten, dass die Sanierungen durchgeführt werden können», erklärt Hansruedi Meyer.

Wer den Boden in seinem Garten asutauschen lassen möchte, muss mit Kosten von 50 000 bis 70 000 rechnen. Den grössten Teil macht die Entsorgung des belasteten Bodens aus.

Dieser muss in einer Reaktordeponie entsorgt werden. Das kostet zwischen 120 bis 130 Franken pro Tonne. Bis zu 350 Tonnen können in einem einzigen Garten anfallen.

Die Vorgaben sind strikt

Die kantonalen Behörden stellen Anforderungen an die Bodensanierung. Damit die Nutzungseinschränkung aufgehoben werden kann, muss der belastete Boden bis zu einer Tiefe von 40 Zentimeter ausgetauscht werden. Zwingend nötig ist auch, alle Teerplatten zu entfernen. Danach folgt die korrekte Entsorgung des belasteten Materiales.

Für die Neugestaltung des Gartens darf nur unbelastetes Material verwendet werden. Vorgeschrieben ist zudem die Begleitung und Überwachung der Sanierungsarbeiten durch eine Fachperson. Sind diese Vorgaben eingehalten, wird der Eintrag im Grundbuch gelöscht.

Die Gemeinde Derendingen wird ein Musterbaugesuch entwerfen, das es den «Elsässli»-Bewohnern vereinfachen soll, ein Sanierungs-Baugesuch einzureichen. Verlangt wird ein Grundstücksplan, auf dem die verschiedenen Gartenbereiche und die geplanten Massnahmen aufgezeichnet werden. Auch das Entsorgungskonzept gehört zum Baugesuch. (rm)

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