Zuchwil
Im Freibad nur Status Quo sanieren oder offen sein für Innovationen?

Das Freibad des Sportzentrums Zuchwil muss saniert werden. Der Zuchwiler prüft dafür zwei Varianten; eine Sanierung, die den Status Quo erhält, oder eine, die zusätzliche Möglichkeiten bietet.

Lea Reimann
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Die günstigere Variante kostet rund 7,6 Millionen Franken und beinhaltet eine Sanierung zur Erhaltung des Status Quo, analog des bisherigen Konzepts mit Kinder-, Familien- und Schwimmbecken.

Die günstigere Variante kostet rund 7,6 Millionen Franken und beinhaltet eine Sanierung zur Erhaltung des Status Quo, analog des bisherigen Konzepts mit Kinder-, Familien- und Schwimmbecken.

Felix Gerber

Das Freibad im Sportzentrum Zuchwil, dessen Hauptaktionärin die Gemeinde ist, muss dringend saniert werden, spätestens nach der Sommersaison 2017. Nachdem die Task Force Sportzentrum verschiedene Varianten – darunter auch ein Rückbau des Freibades oder einen Ausbau zum reinen Sportbad – geprüft hat, favorisiert sie zwei Varianten.

Die günstigere Variante kostet rund 7,6 Millionen Franken und beinhaltet eine Sanierung zur Erhaltung des Status Quo, analog des bisherigen Konzepts mit Kinder-, Familien- und Schwimmbecken. Aus der Sicht der Task Force ist dies eine gute Variante, die dem machbaren Minimum entspricht. «Allerdings», so der Task-Force-Leiter Gilbert Ambühl, «ist diese Variante wenig innovativ.»

Man gebe sehr viel Geld aus, erhalte aber trotzdem keine Möglichkeit für zusätzliche Innovationen. Aus diesem Grund favorisiere die Task Force grossmehrheitlich die Variante Status Quo optimiert, welche ebenfalls aus einem Schwimmbecken mit sechs Bahnen, allerdings mit separatem Sprungbecken (bis drei Meter Höhe) bestünde. Damit könnte das Schwimmbecken später einmal durch eine Traglufthalle ganzjahrestauglich gemacht werden. Diese Variante würde allerdings nochmals 800'000 Franken mehr kosten, etwa weil zwei Wasseraufbereitungsanlagen nötig wären.

Nach einigen Diskussionen erteilte der Gemeinderat der Task Force mit deutlicher Mehrheit grünes Licht, die beiden Varianten weiter auszuarbeiten. Im November entscheidet der Rat dann, ob der Gemeindeversammlung beide Varianten oder nur eine von beiden vorgelegt werden.

Jürg Kilchenmann, Präsident des Verwaltungsrates des Sportzentrums, betonte, dass die Zeit dränge und ein plötzlicher Ausfall nicht ausgeschlossen werden könne. «Laut Fachleuten beträgt die Lebensdauer eines Freibades rund 35 Jahre – unseres ist aber bereits seit 1974 in Betrieb», so Kilchenmann. In Anbetracht der Bauvorhaben in der Region wäre ein Freibad sicher ein Bedürfnis. Auch Schulleiter Stephan Hug machte in seiner Funktion als Präsident der Swim Regio Solothurn, der Schwimmstartgemeinschaft für Eliteschwimmerinnen und –schwimmer, den Bedarf deutlich: «Es gibt in der Region Nordwestschweiz kein gedecktes 50-Meter-Becken.»

Karen Bennett Cadola (FDP) äusserte sich hingegen kritisch, die betriebswirtschaftlichen Aspekte würden zu wenig erläutert. Allenfalls tätige man nun zusätzliche Vorinvestitionen für ein Luftschloss – eine Traglufthalle, die womöglich nie gebaut werden könne oder den Deckungsgrad nicht verbessere. Voraussetzung für die Halle wäre nämlich, dass ein Investor gefunden würde.

Anderer Meinung als die Task Force war Silvio Auderset (SVP): «Das Sportzentrum ist eine gute Sache, aber als Ganzes in dieser Form und mit diesem Konstrukt nicht eine Aufgabe für eine Gemeinde.» Nach den Steuereinbrüchen der juristischen Personen sei die Belastung zu gross und das Volk solle deshalb neben den beiden Varianten noch über eine dritte Möglichkeit abstimmen können, nämlich den geordneten Ausstieg aus dem Freibad.

Bei dieser Variante, die von der Task Force ebenfalls überprüft wurde, würden Notmassnahmen ergriffen, so dass die aktuelle Anlage während der nächsten drei bis fünf Jahre weiterbetrieben werden könnte. Dann begänne der Rückbau. Audersets Antrag, dass die Task Force auch diese Variante weiterverfolgen solle, wurde allerdings mit zwölf zu sieben abgelehnt. Drei Personen waren aufgrund ihrer Funktion als Verwaltungsratsmitglied im Ausstand.

Kommt ein Kauf in Frage?

Ausserdem hat der Gemeinderat das weitere Vorgehen betreffend Liegenschaft Noldy’s diskutiert und mit 14 Befürwortungen beschlossen, in die Kaufverhandlungen einzutreten und weitere Abklärungen zu treffen. Die Meinungen drifteten stark auseinander. Einerseits wurde immer wieder auf die schlechte finanzielle Situation Zuchwils hingewiesen, die einen solchen Kauf gar nicht erlaube. Bei über vierzig Millionen Franken Schulden und einem hohen Steuersatz könne man sich nicht auf neue Risiken einlassen.

Zudem wünsche man sich dort weiterhin ein Restaurant, was klar gegen einen Kauf und die anschliessende Umnutzung durch die Gemeinde spräche. Andere brachten das Argument ein, dass es schade wäre, wenn die Gemeinde dieses Filetstück an guter Lage nicht übernehmen würde. «Wäre ich als Privatperson in dieser finanziellen Lage, würde ich wohl von einem Kauf absehen – aber hier haben wir es mit einem Stück Zuchwil zu tun», betonte der Gemeindepräsident Stefan Hug (SP). Bei einem Kauf könne man die Kernzone mitgestalten, ansonsten müsse man dann halt «nehmen was kommt».

Gleich zu Beginn der Sitzung teilte Gemeindepräsident Stefan Hug ausserdem mit, dass er seine Schaffens- und Arbeitskraft gerne für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung stellen möchte, was vom Rat mit einem Applaus quittiert wurde.

Verschuldung steigt stark an

Die Kennzahlen des Finanzplans sind in für die nächsten vier Jahre nicht gerade vielversprechend: Bis 2021 sind keine Ertragsüberschüsse zu verzeichnen und auch ein Selbstfinanzierungsgrad von 100 Prozent wird nie erreicht. Entsprechend steigt der Nettoverschuldungsquotient. Das Fremdkapital erhöht sich von aktuell 41 Millionen Franken Schulden auf 70 Millionen Franken im Jahr 2021. Die Gemeinde kann damit ihre finanzpolitischen Ziele nicht einhalten. Diese bestünden darin, Ertragsüberschüsse zu generieren, Nettoinvestitionen auf vier Millionen Franken zu begrenzen und einen Selbstfinanzierungsgrad von 100 Prozent zu erreichen. Für das Jahr 2017 werden aber Nettoinvestitionen von rund 11 Millionen Franken budgetiert, was einen Selbstfinanzierungsgrad von 32 Prozent zur Folge hat.

Problematisch wird möglicherweise, dass die im Gemeindegesetz vorgesehene Schuldenbremse zum Tragen käme und das Budget 2020 nicht mehr genehmigungsfähig wäre. Der Selbstfinanzierungsgrad müsste nämlich mindestens 80 Prozent betragen, sofern der Nettoverschuldungsquotient in der vorherigen Jahresrechnung 150 Prozent überschreitet. Diese 150 Prozent werden – gemäss Prognosen – im Jahr 2019 überschritten.

Leiter Finanzen Michael Marti machte deutlich, dass der Finanzplan eine grosse Streubreite aufweise und auf Hochrechnungen beruhe. Kaum vorhersehbar seien Auswirkungen des Finanzausgleichs. Zudem betonte er, dass die Gemeinde stark von nicht beeinflussbaren Grössen abhängig sei, insbesondere von Juristischen Personen. Die Wirtschaftslage sei schwierig abzuschätzen. Käme es zu Ertragsausfällen bei den Juristischen Personen, würde dies die Einwohnergemeinde Zuchwil existentiell bedrohen, so Gemeindepräsident Stefan Hug in seinem Bericht.

Deshalb müsse zwingend ein wachsender Ertrag aus den Steuern der Natürlichen Personen generiert werden, was mit der städtebaulichen Entwicklung des Riversideareals in die Wege geleitet wurde. Zudem gelte es, bei Investitionen Mass zu halten, wobei das Freibad ein eindrückliches Beispiel dafür sei, dass bestimmte Investitionen nicht beliebig verschoben werden können.

Finanzchef Michael Marti präsentierte aber auch ein Best-Case-Szenario, in dem die Zahlen deutlich besser aussehen. Die Gemeinde müsste dann nur zwölf Millionen zusätzliches Fremdkapital aufnehmen und der Nettoverschuldungsquotient würde 120 Prozent nicht übersteigen. Deutlich wurde aber, dass die nächsten Jahre auch im bestmöglichen Fall eine grosse Herausforderung darstellen werden.