Biberist
Im Dienste der industriellen Elektronik: «Wir verkaufen keine Marken-und Konsumprodukte»

Die Teltronic AG ist spezialisiert auf die Bestückung von Leiterplatten – das vor 40 Jahren gegründete Unternehmen bleibt auf Wachstumskurs und plant den Aufbau eines zweiten Standorts in Langendorf.

Franz Schaible
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Jeff Wakeman ist Alleininhaber und Geschäftsführer der Teltronic AG.

Jeff Wakeman ist Alleininhaber und Geschäftsführer der Teltronic AG.

Hanspeter Bärtschi

Das markante Industriegebäude mit der klaren Geometrie und der modernistischen Stahl-Glas-Fassade am Dorfeingang von Biberist fällt auf. Doch was die Teltronic AG produziert und verkauft, ist in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Dabei kommen im Alltag wohl alle mit den Produkten in Kontakt, zumindest indirekt. «Wir verkaufen keine Marken-und Konsumprodukte und treten am Markt auch nicht mit unserem Namen auf», versucht Jeff Wakeman, CEO und Inhaber der vor 40 Jahren gegründeten Unternehmung, den Umstand zu begründen. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung und Produktion von Baugruppen und ganzen Produkten für die industrielle Elektronik spezialisiert.

Bis zu 7000 Komponenten

«Unsere Kunden stammen aus unterschiedlichsten Branchen. Kurz, unsere Produkte werden überall dort eingebaut, wo elektronische Bauteile und Komponenten benötigt werden», sagt Wakeman. Genauer gesagt, bestückt die Teltronic Leiterplatten. Je nach Produkt muss eine solche Leiterplatte mit bis zu 7000 Komponenten bestückt werden.

Das verlangt hochpräzises Arbeiten, denn die fortschreitende Miniaturisierung führt gerade in der Elektronik zu immer mehr Funktionen und zu immer kleineren Teilen. Je die Hälfte der Kunden aus der Medizinaltechnik, der Uhrenindustrie, der Automobilwelt, der Gebäudeautomation oder der Bahntechnik sind in der Schweiz oder im nahen Ausland angesiedelt.

Vom Radio/TV-Geschäft zum Industrielieferanten

Die heutige Teltronic AG wurde 1978 in Buchegg gegründet. Ursprünglich noch im Radio/TV-Geschäft tätig, konzentrierte sich die Firma rasch auf die industrielle Elektronik. Für Firmen aus der Region wurden Entwicklungs- und Produktionsaufträge abgewickelt. In kurzer Zeit wuchs der ursprüngliche Drei-Mannbetrieb zu einer Firma mit zehn Angestellten und fünf Heimarbeiterinnen. 1987 erfolgte der Umzug in einen Neubau in Lohn. 2001 wurde dann der Neubau am heutigen Standort in Biberist in Betrieb genommen. 2007 trat der Geschäftsführer und Inhaber Fritz Leisi in den Ruhestand. Mit einem Management-Buy-out haben vier Mitarbeitende die Firma auf diesen Zeitpunkt hin übernommen, Jeff Wakeman wurde Geschäftsführer. Inzwischen ist der Elektroingenieur Alleininhaber und weiterhin CEO der Teltronic AG. (FS)

In der grosszügigen und hellen Produktionshalle stehen modernste Anlagen in zwei Reihen. Darauf werden die elektronischen Bauteile vollautomatisch auf die Träger – eben die Leiterplatten – bestückt. Praktisch jedes elektronische Gerät enthält eine oder mehrere solcher Träger. Die Beschaffung der Komponenten erfolge, so Wakeman, in Eigenregie, und die elektronischen Teile stammten aus der ganzen Welt. Dagegen kaufe man nahezu alle benötigten mechanischen Teile in der Schweiz ein, ergänzt der Teltronic-Chef. Mit welchen Teilen die Leiterplatten bestückt werden muss, bestimmt der Kunde.

Entweder bringt dieser ein fertiges Konzept oder nur eine Idee mit, was die Leiterplatte leisten muss. «Gerade im letzteren Bereich können wir uns von der Konkurrenz abheben, weil wir aus dieser Idee ein fertiges Produkt entwickeln können. Wir erarbeiten für den Kunden optimal ausgerichtete Lösungen, sowohl im Hard- wie im Softwarebereich», hält der 42-jährige Unternehmer fest. Das Spektrum reicht von der Machbarkeitsstudie über das Leiterplatten-Design bis hin zum Prototypenbau. Es gebe keine Standardaufträge, sondern nur kundenbezogene.

Funkschlüssel für Autoheizung

Daneben entwickelt und baut Teltronic auch Endgeräte, genauer Funkfernbedienungen. «Unser Hauptprodukt ist ein Funkschlüssel für die Inbetriebnahme der Standheizung in den Autos», erläutert Wakeman auf dem Betriebsrundgang. Dieser habe eine Reichweite von drei Kilometern. Kunden seien vor allem die grossen deutschen Autohersteller. Die Nachfrage nach der Funktechnologie sei generell am Steigen. Deshalb baue man das Geschäft in der Long Range-Technologie aus. Damit könnten kleinere Datenmengen drahtlos bis zu 20 Kilometer übertragen werden. «Beispielsweise kann damit der Kontrollaufwand für Produktionsanlagen deutlich reduziert werden.»

Der Wettbewerb in den Geschäftsfeldern sei zwar ausgeprägt, allein in der Schweiz gebe es rund 100 Mitbewerber. Mit dem Geschäftsgang sei man aber zufrieden. Der Umsatz liege im zweistelligen Millionenbereich. In den vergangenen zehn Jahren seien die Verkäufe jährlich im einstelligen Prozentbereich gewachsen. Auch im laufenden Jahr sei man sehr gut unterwegs. Der gute Geschäftsgang führt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. Inzwischen beschäftigt Teltronic in Biberist 58 Mitarbeitende, Tendenz steigend.

Trotz des auf Anfang 2015 erweiterten Firmengebäudes wird der Platz schon wieder knapp. Nicht zuletzt deshalb plant das Unternehmen im kommenden Jahr den Aufbau eines zweiten Standortes in Langendorf. Hauptgrund dazu sei aber, um selbst im Katastrophenfall – zum Beispiel ein Brand in der Biberister Produktion – die Lieferfähigkeit aufrechterhalten zu können. «Das ist eine wertvolle Dienstleistung und bedeutet Mehrwert für den Kunden», ist Wakeman überzeugt.

«Was der Markt will»

Insbesondere dank der hohen Automatisation gelinge es dem Unternehmen, sich auch mit dem Standort Biberist gegenüber der globalen Konkurrenz zu behaupten. Entscheidend seien nämlich nicht nur der Preis, sondern auch die Lieferfähigkeit und die Qualität. «Und da können wir punkten. Unsere Flexibilität ist sehr hoch. Wir können auch Kleinstaufträge in der verlangten Qualität zeitgerecht erfüllen», so Wakeman.

Basis für den Erfolg seien stetige Investitionen in den Maschinenpark, um technologisch an der Spitze zu sein – und die Offenheit, neue Dienstleistungen anzubieten. «Wir richten uns danach aus, was der Markt will und nicht, was wir können.» Als Beispiel nennt er die Investition in eine Beschichtungsanlage, um die fertig bestückten Baugruppen je nach Wunsch mit verschiedensten Lacken beschichten können.