Lüsslingen-Nennigkofen
Illegale Drogen verwendet? Sekten-Guru bestreitet Vorwürfe

Die Solothurner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Samuel Widmer, Leiter der sektenartigen Kirschblütengemeinschaft in Lüsslingen-Nennigkofen wegen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der 66-Jährige weist alle Vorwürfe von sich.

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Samuel Widmer, Psychiater und Leiter der Kirschblütengemeinschaft. (Archiv)

Samuel Widmer, Psychiater und Leiter der Kirschblütengemeinschaft. (Archiv)

Hansjörg Sahli

Dem Arzt, Psychiater, Psychotherapeut und Buchautor wird von ehemaligen Anhängern vorgeworfen, bei seinen Therapien und Seminaren illegale Drogen wie LSD und Ecstasy einzusetzen. Die im Fachjargon als Psycholyse bezeichnete Methode soll bei mehreren Hundert Personen angewendet worden sein, schreibt Hugo Stamm, Sektenexperte und Redaktor des «Tages-Anzeigers».

Einige Drogen-Therapien verboten

Samuel Widmer hatte zwischen 1988 und 1994 eine Bewilligung, um zu Forschungszwecken Ecstasy und LSD einzusetzen. Das Bundesamt für Gesundheit hatte 1993 nach einem Todesfall sämtliche Bewilligungen für psycholytische Therapien zurückgezogen. Auch Widmer durfte fortan nicht mehr damit experimentieren. Einige Substanzen wie LSD, Meskalin, MDMA (Ecstasy) und Psilocybin sind gemäss Betäubungsmittelgesetz verboten.

Samuel Widmer bestreitet die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden. In seinen Therapiesitzungen sei alles korrekt gelaufen, sagt der 66-Jährige auf Anfrage der Solothurner Zeitung.

Neid oder Rachefeldzug?

Letzte Woche wurden mehrere Häuser in Lüsslingen-Nennigkofen durchsucht, wie Cony Zubler, Medienbeauftragte der Solothurner Staatsanwaltschaft, bestätigt. Der «Tages-Anzeiger» spricht von drei Hausdurchsuchungen am Donnerstagmorgen. Die Staatsanwaltschaft will weder die genaue Zahl der Hausdurchsuchungen noch den Zeitpunkt bestätigen.

In der Folge seien laut Staatsanwaltschaft gegen mehrere Personen Strafverfahren wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz eröffnet worden. Befragungen hätten stattgefunden. Ob Drogen sichergestellt wurden, teilt die Staatsanwaltschaft nicht mit.

Diese Frage beantwortet der angeschuldigte Samuel Widmer auf Anfrage jedoch gleich selbst, auch wenn er zum Zeitpunkt der Durchsuchung nicht in einem der Häuser war. «Polizei und Staatsanwaltschaft haben keine illegalen Substanzen gefunden», erklärt der 66-jährige Arzt. Schliesslich gebe es auch nichts zu finden.

Er vermutet hinter der Anzeige eine «Neid»-Geschichte oder einen persönlichen Rachefeldzug. Wer ihm die Vorwürfe macht, weiss er allerdings nicht genau.

Eingereicht wurde die Strafanzeige gegen Samuel Widmer von der Fachstelle für Sektenfragen, Infosekta.

«Illegaler Rahmen»

Widmer gab in der Vergangenheit immer an, die verbotenen Drogen nicht mehr zu benutzen und nur noch Ketamin (Anästhesiemittel) und Ephedrin (bewirkt Rauschzustand) einzusetzen. Die Recherchen des «Tages-Anzeigers» lassen nun die Vermutung aufkommen, Widmer habe auch weiterhin LSD oder Ecstasy eingesetzt.

Darauf weist ein Schreiben, das Teilnehmer eines Kurses von Widmer bekommen und aus welchem die Zeitung zitiert. Darin steht unter anderem: «Sitzungsleiter und Teilnehmende bewegen sich also während eines Seminars in einem illegalen Rahmen, weil die meisten von uns verwendeten Substanzen verboten sind.»

Die Anhänger werden vor Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen und U-Haft gewarnt und gebeten, sich keinenfalls zur Sache zu äussern. «Auch lügen (als Angeklagter) ist im Straf­prozess gesetzlich nicht sanktioniert.»

Psycholyse und Tantra-Kurse

Seit Jahren sorgt Widmer immer wieder für Schlagezeilen. Die Psycholyse, bei welcher der Therapeut den Patienten psychoaktive Substanzen abgibt, um psychische Blockaden zu lösen, ist dabei nur eines seiner Steckenpferde. Innerhalb seiner «Kirschblütengemeinschaft» führt er Tantra-Kurse durch, wo gruppenweise «neue Formen der Sexualität» gepflegt werden.

Widmer lebt offen mit zwei Frauen zusammen, wobei er mit beiden Kinder hat. Für Unverständnis sorgte ferner das Buch «Von der unerlösten Liebe zwischen Vater und Tochter - vom Inzesttabu und seinen Folgen».

Die Kirschblütengemeinschaft wurde 1996 gegründet. (ldu/lfl)

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