Obergerlafingen

Idealer Ort fürs Olympia-Training: Im Reitstall «Lindenhof» wird mit Star-Coach für Tokio trainiert

Andrew Nicholson trainiert die Schweizer Vielseitigkeitsreiter. Hier wird in Obergerlafingen geübt.

Andrew Nicholson trainiert die Schweizer Vielseitigkeitsreiter. Hier wird in Obergerlafingen geübt.

Die Vielseitigkeitsreiter trainieren unter Coach Andrew Nicholson im «Lindenhof» in Obergerlafingen.

Dort, wo man in Obergerlafingen nur einmal stolpern muss, um den Fuss ins bernische Zielenbach zu setzen, ist der Lindenhof. Normalerweise herrscht im und um den modern eingerichteten Reitstall eine ruhige, ländliche Idylle. Aber am vergangenen Samstag verwandelte sich der Lindenhof in einen emsigen Bienenstock: Zur Vorbereitung auf die kommenden Olympischen Spiele in Tokyo trainierte das Nationalteam der Vielseitigkeitsreiter hier und der Star war für einmal der Coach: Andrew Nicholson hat sechsmal an Olympischen Spielen teilgenommen, gewann 1992 in Barcelona auf Spinning Rhombus mit dem Team Neuseeland die Silbermedaille sowie in Atlanta 1996 und London 2012 jeweils die Bronzemedaille.

Hier gibt es alles Gewünschte für die Pferde

Schöne Pferde gibt es in den 32 Boxen immer zu bewundern. Vater Urs Steiner hat den Lindenhof in einen modernen, komplett ausgerüsteten Reitstall ausgebaut und seit 10 Jahren betreiben ihn Tochter Andrea Steiner und ihr Mann Philip Ryan als Pächter. Reithalle, Aussenplatz, Führanlage, Solarium, Longierkreis. Hier gibt es alles, was sich das Reiterherz für die Tiere wünschen kann. Hier entscheidet das Tier, ob es drinnen oder draussen sein will, denn zu jeder Box gehört ein kleiner Auslauf. «Der Lindenhof ist ideal für uns, denn im Winter ist es sehr schwierig, in der Schweiz Cross-Country zu trainieren. Die Halle ist sehr gross und der Boden perfekt für unsere Pferde», lobt Nicholson die Infrastruktur in Obergerlafingen.

Das Vielseitigkeitsreiten, früher Military genannt, verlangt von Pferd und Reiter alles ab, und das sieht man den durchtrainierten, vierbeinigen Athleten auf den ersten Blick an. «Seit einem Jahr beobachte ich nun das Schweizer Team», sagt Andrew Nicholson zum Formstand. «An den Pferden gibt es nichts zu bemängeln, aber bei den Reiterinnen und Reitern fehlte zuerst etwas das Bewusstsein, dass sie körperlich genauso fit sein müssen wie die Pferde, wenn sie Erfolg haben wollen. Man muss sich dem Sport total verschreiben. Zuerst muss man durch harte Zeiten gehen, bevor man hinaus gehen und glorreiche Zeiten erleben kann. Jetzt bin ich daran, die kleinen Dinge zu finden, die jeder Reiter noch verbessern muss und die dann im Wettkampf einen grossen Unterschied machen werden.»

Fachsimpeln unter internationalen Kennern

Der 58-jährige Neuseeländer lebt seit vielen Jahren in England und gilt in der Reiterszene als absolute Koryphäe. «Mit ihm hat Schweiz eine Chance, in Tokyo eine Medaille zu gewinnen», sagt der Ire Philip Ryan, «aber Irland ist besser.» So entlockt er dem Coach ein herzhaftes Lachen. «Damit liegt er nur teilweise richtig. Die Schweiz hat eine Chance, aber ich bin mir nicht so sicher, ob Irland wirklich besser ist. Die Favoriten sind die Deutschen und die Engländer. Aber das Feld wird sehr kompetitiv und ausgeglichen sein.» Es sei eine grosse Ehre, nun als Coach des Schweizer Teams an die Olympischen Spiele reisen zu dürfen. Ob Tokyo 2020 dereinst als seine siebte Teilnahme in die Statistik eingehen wird, weiss Andrew Nicholson zurzeit noch nicht.

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