An einem Samstag in Zuchwil. Auf dem Parkplatz eines Grossverteilers. Ein eher kleiner Mann steht hinter einem eher grossen Geländewagen Deutscher Provenienz. Ist er der Besitzer? Er ist der Besitzer!

Er schüttelt den Kopf und murmelt etwas vor sich hin. Scheint interessant zu sein. Ist es auch, wie sich kurz darauf herausstellt. Er zeigt auf die Stossstange und will wissen, ob was auffalle. Nein, tut es nicht. Einfach ein Heckabschluss aus Kunststoff oder Blech oder was auch immer. «Eben, das ist es ja. Man sieht rein gar nichts», echauffiert er sich.

Und dann erzählt er nicht minder aufgebracht die Geschichte von einem Ausflug nach Basel, wie er dabei kriminalisiert wurde und zu guter Letzt tief ins Portemonnaie greifen musste. Wir wollen es genau wissen. Vereinbart wird ein Treffen in Solothurn.

Die Unterlagen dieses «himmelschreienden» Falles sind gefälligst vorzulegen, Geschichten erfinden kann schliesslich jeder. Er sei nicht jeder. Ein Robert Wagner habe das nicht nötig. Hat er nicht: Wagner legt wie vereinbart einen Stoss Papiere auf den Tisch, die seinen Frust nach dem Baselaufenthalt nachvollziehen lassen und letztlich in allen Punkten bestätigen.

Dann sprudelt der Handwerker los. Tatort: Ein Parkhaus in der Basler Innenstadt. Nach der Schranke führt die Ausfahrt direkt auf eine Fussgängerpassage hinaus. Um herannahende Passanten nicht zu tangieren, lässt Wagner sein Fahrzeug leicht zurückrollen. Huch, was war denn das? Ein leichtes Ruckeln. Wagner steigt aus, marschiert um den wuchtigen Geländewagen herum und… kann nichts Auffälliges entdecken. Erleichtert nimmt er den Weg zurück an den Jurasüdfuss unter die Räder.

«Kommen Sie auf den Posten»

«Kurz darauf beginnt ein Horrorszenario, wie ich es mir nicht vorstellen konnte», schwenkt Wagner auf die Details ein. Die gehen so: Eine Basler Polizeidienststelle ruft an und erkundigt sich nach seinem Fahrmanöver im Parkhaus. Man eröffnet ihm, dass er eine Blechverkleidung touchiert habe. «Ich sagte darauf, ich sei mir zwar keiner Schuld bewusst, aber wenn das so sei, sollen sie halt eine Rechnung schicken. Doch davon wollte der Herr Kommissar nichts wissen, ich habe doch gefälligst auf dem Posten zu erscheinen.»

Gemäss Robert Wagner wurde es dort richtig happig: «Mir wurde das Delikt Fahrerflucht an den Kopf geworfen. Ich wurde gefragt, ob ich überhaupt fähig sei, ein solches Fahrzeug zu lenken und da die Videoaufnahmen die Zeit 19.19 Uhr festhielten, fragte doch tatsächlich einer, ob ich betrunken gewesen sei.»

Wie Wagner auf diese dicke Post vor Ort reagiert hat, ist nirgends festgehalten. Aufs Maul gesessen wird er wohl kaum sein. Dass so etwas einen, der es gewohnt ist, sich zu verteidigen, und der kaum Alkohol trinkt, auf die Palme bringt, das versteht sich von selbst. Wagners Augen funkeln beim Erzählen der Vorkommnisse noch heute. «Wie einen Schwerkriminellen haben die mich hinter Glas in die Mangel genommen. Draussen sind ständig allerlei Leute herumspaziert und haben mich blöd angeglotzt. Ich kam mir vor wie ein Massenmörder auf dem Silbertablett».

Nun, der Ausflug ans Rheinknie brachte ihm einen Strafbefehl ein mit X Artikeln und einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu… «nein, bitte nicht schreiben». Die Busse mit allem Drum und Dran belief sich auf 2590 Franken und 30 Rappen. Hinzu kam eine Anwaltsrechnung von knapp 1000 Franken.

Und als wäre das nicht schon genug, flatterte vom Strassenverkehrsamt ein Schreiben herein, mit der unmissverständlichen Botschaft: Ihren Führerausweis sind Sie für 3 Monate los. Immerhin durfte er noch Traktor fahren oder ein Töffli lenken. Sich auf ein Elektrovelo schwingen ging ebenfalls, was er tatsächlich tat.

Und wie teuer war das angeblich beschädigte Parkhausblech? «Keine Ahnung, das hat die Versicherung bezahlt. Wahrscheinlich wurde gleich ein neues Parkhaus auf die Rechnung gesetzt», sagt er und schmunzelt schelmisch. Erst im Nachhinein wurde dem 64-Jährigen klar, dass er nicht zwangsläufig derart hart angefasst hätte werden müssen. Das sei durchaus im Ermessen der Polizisten gewesen. So gesehen wäre es schlauer gewesen, die Schuld nicht einfach so zu akzeptieren.

Robert Wagner ist nach eigenen Angaben Jahrzehnte unfallfrei unterwegs gewesen «und dann so etwas. Da schüttelt mein Kopf einfach den Gring. Das ist unverhältnismässig, wenn ich sehe, was auf unseren Strassen sonst alles angestellt wird, ohne dass es gröbere Konsequenzen hat». Nach dem Verlassen des Solothurner Restaurants will er nochmals die Heckpartie seines SUV Mercedes präsentieren. In der Tat, vielleicht liesse sich allenfalls mit der Lupe ein Kratzerli entdecken.