In den kommenden Juni-Tagen wird in Solothurns Gassen wieder einmal ein Film gedreht. Und zwar stehen die Dreharbeiten für den zweiten Kurzfilm des Gerlafinger Jungregisseurs Frederik Maarsen (20) an.

«Albert» ist der Arbeitstitel des rund 30 Minuten dauernden Spielfilmes, für den der junge Regisseur keinen Geringeren als den bekannten Schauspieler Anatole Taubman als Hauptdarsteller engagieren konnte. Erzählt wird die Geschichte des Gewohnheitsmenschen «Albert», die sich Frederik Maarsen selbst ausgedacht hat.

Albert ist ein arbeitsloser Mann, der sich gerne zu Begräbnisessen von Fremden einschleicht und schliesslich deshalb im Gefängnis landet. Jetzt muss er sich mit neuen, ungewohnten Lebenssituationen zurechtfinden, was dem «Gewohnheitstier» zunächst auch gar schwer fällt…

Gerne die Zügel in der Hand

Frederik Maarsens Grossvater ist aus Holland in die Schweiz ausgewandert, erklärt Frederik seinen ungewöhnlichen Familiennamen. In Bern habe sich der Grossvater niedergelassen und ein Blumengeschäft gegründet, welches heute noch von Verwandten geführt wird. Seit 17 Jahren lebe seine Familie aber in Gerlafingen.

Der junge Mann erzählt, dass er zunächst Schauspieler habe werden wollen. Doch dann erschien es ihm spannender, Regisseur zu werden. «Als Regisseur kann ich meine eigenen Geschichten erzählen und das so, wie ich mir das vorstelle.»

So hat der 1997 Geborene 2015 eine Schule für Regie in Berlin besucht, um sich die Grundkenntnisse dieses Berufes anzueignen. «Während der Schulzeit habe ich dann eine Zeit lang noch zwischen den Disziplinen Regie und Kamera abgewogen, doch schliesslich blieb ich meiner ersten Berufswahl treu. Ich habe gerne die Zügel in der Hand», sinniert Maarsen.

Ein Jahr in der Einsamkeit

2016 konnte er seinen ersten Kurzfilm vorlegen. «Auf der Flucht» ist ziemlich erfolgreich und wird derzeit noch auf Festivals gezeigt. Maarsen sammelt Geschichten, die ihm im Alltag begegnen. Immer sei er mit dem Notizblock unterwegs, beobachte und skizziere fortwährend.

«Für ‹Albert› habe ich mich dann aber für ein Jahr nach Holland, in die Einsamkeit verabschiedet und konsequent am Drehbuch gearbeitet.» Dieser Zeitaufwand habe sich gelohnt.

Befragt nach seinen cineastischen Vorbildern nennt der junge Mann Regie-Ikonen wie Jacques Tati, Billy Wilder oder auch Danny Boyle (Slumdog Millionaire). «Es sind die guten Geschichten, die mit Leichtigkeit erzählt werden. Dazu der präzise und sinnmachende Humor, das gefällt mir.» Übertriebenes, Brachiales sei nicht seine Sache.

Ständig on the road

Dennoch betont Maarsen, muss ein Film neben dem künstlerischen und seinem unterhaltenden Aspekt auch kommerziell erfolgreich sein. Solches in der Schweiz zu schaffen, sei schwierig, meint er.

«Ich bin deshalb auch ständig auf Reisen und erarbeite mir ein Netzwerk, denn ich denke, dass ich mich in Zukunft eher auf den englischsprachigen Raum konzentrieren werde.» Gerade sei er von einer Besprechung mit seinem Kameramann aus Hannover zurück; unterwegs sein, das gehört zum Beruf.

Finanzierung geregelt

Die Finanzierung für seinen kommenden Film hat der junge Regisseur, der gleichzeitig die Produktion verantwortet, fast beisammen. «Ich bin froh, dass bis hierher alles glatt gelaufen ist.» Der Film soll mit einem Budget von 65'000 Franken auskommen, eine relativ geringe Summe für einen 30-minütigen Spielfilm.

«Die Finanzierung wurde möglich, weil mir viele Leute Eigenmittel, einige Spenden von Gönnern, sowie Sponsorenbeiträge von Stiftungen und Förderinstitutionen zugesprochen wurden und weil wir die Kosten tief halten. Viele, die mithelfen verzichten auf eine Entlöhnung.»

Einfach bei Taubman probiert

Wie er denn den Schauspieler Anatole Taubman zum Übernehmen der Hauptrolle hat bewegen können? «Ich habs einfach probiert und ihn direkt angeschrieben. Sein Management hat sich dann gemeldet, ihm das Drehbuch weitergereicht und er fand es extrem spannend. So einfach war das.» Maarsen lacht.

Inzwischen sei die gesamte Film-Crew beisammen. «Seit November vergangenen Jahres bin ich an der Organisation dieses Films. Im Juni werden die Drehs in Solothurn beginnen.» Voraussichtlich wird die St. Urbangasse einer der Drehorte sein. Mehr will er jetzt noch nicht verraten.

Premiere in Solothurn

Ist der Film fertiggestellt, soll er auch in die Kinosäle kommen. «Die Premiere soll in Solothurn stattfinden», sagt Maarsen. Weitere Ziele wären dann wiederum Starts an verschiedenen Festivals, erst mal im deutschsprachigen Raum.

Frederik Maarsen ist zielstrebig und er sagt: «Wenn man von einer Sache überzeugt ist, kann man sie auch anderen voller Überzeugung vermitteln. Man kann sehr viel bewirken, wenn man sich wirklich einsetzt. Die Frage nach dem Scheitern stelle ich mir gar nicht.»