Derendingen/Russland
«Ich arbeite jetzt für die Fifa» – Er hilft als Freiwilliger an der WM mit

Nächste Woche wird Leonardo Baschung an die Fussball-Weltmeisterschaft in Russland reisen, um als Freiwilliger mitzuhelfen. Für den 22-Jährigen aus Derendingen wird ein Bubentraum wahr.

Noëlle Karpf
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In einer Lernpause zwischen seinen Abschlussprüfungen gibt Leonardo Baschung am Solothurner Aaremürli ein Interview: Nächsten Donnerstag wird er an die Fussball-Weltmeisterschaft in Russland fliegen und dort drei Wochen lang arbeiten.

In einer Lernpause zwischen seinen Abschlussprüfungen gibt Leonardo Baschung am Solothurner Aaremürli ein Interview: Nächsten Donnerstag wird er an die Fussball-Weltmeisterschaft in Russland fliegen und dort drei Wochen lang arbeiten.

Thomas Ulrich

Noch fünf Tage. Dann geht sie los: Die Fussball-Weltmeisterschaft in Russland. Die erste WM für Leonardo Baschung – zumindest die erste, die er live miterlebt. Der 22-Jährige aus Derendingen wird drei Wochen lang als freiwilliger Helfer am Grossevent arbeiten. In Rostow – einer Metropole im Süden Russlands. Normalerweise verfolgt der Student Fussball am Fernsehen. Die «vier oder fünf wichtigsten europäischen Ligen», wie er erklärt.

Oder aber er steht selbst auf dem Platz: Baschung ist Mittelfeld-Spieler beim FC Subingen und spielt ab kommender Saison nach dem Aufstieg der Mannschaft in der zweiten Liga interregional. «Ich bin mit Fussball aufgewachsen», erzählt er. Sein Vater ist Sportlehrer an der Kantonsschule Solothurn. Schon als Junior spielte Baschung Fussball. Ein Einsatz an der WM – ein Bubentraum, der wahr wird? Baschung nickt. Er sei schon aufgeregt. Wenn auch im Moment noch eher wegen der Uni als wegen der WM.

Leonardo Baschung im Dress der Subinger.

Leonardo Baschung im Dress der Subinger.

Hans Peter Schläfli

Erster Einsatz: Schweiz - Brasilien

Der 22-Jährige studiert Sport und Spanische Literatur in Bern. Vor dem WM-Fieber ist Prüfungsstress angesagt. Kommenden Donnerstag hat er seine letzte Prüfung. Und am Donnerstag fliegt er nach Russland. Um 17.30 Uhr endet die letzte Prüfung. Um 18 Uhr geht der Zug nach Genf. Ein etwas «enger Zeitplan», wie er schildert. Am Freitagmorgen ist Baschung dann bereits in Rostow.

Sein erster Einsatz findet am Sonntag statt. Die Partie: Schweiz - Brasilien. «Wahnsinns-Glück», kommentiert der Derendinger, dass das erste Spiel der Schweiz während seiner Schicht stattfindet. Er wisse allerdings gar nicht, ob er von seinem Posten aus auf das Spielfeld sehe. Geschweige denn, wie sein Einsatz genau aussieht. Das erfährt er nach seiner Ankunft in einer Schulung vor Ort.

Fest steht: Er ist für «Markenschutz» zuständig. Einfach erklärt: Die Fifa arbeitet mit Grosskonzernen, offiziellen Partnern, zusammen. Die «brand protectors» sollen dafür sorgen, dass an der WM auch nur die Firmen Werbung machen, die auch offiziell Partner sind. Laut Arbeitsplan sei er auf jedem Fall im Stadion, erzählt der Student. «Darauf freue ich mich schon» – ob er dann Spiele sehe oder nicht. «Das WM-Fieber packt mich dort auf jeden Fall.»

Tests und Aufnahmeinterview

Drei Wochen in einer russischen Metropole, Unterkunft in einem Studentenwohnheim, Arbeitsort in einem Fussballstadion mit über 45'000 Plätzen. Um ins Freiwilligenteam der Fifa aufgenommen zu werden, musste sich Baschung schon vor einem Jahr bewerben.

Darauf gekommen ist er übrigens dank einem Kollegen, über den diese Zeitung auch schon berichtet hat. Ein Klassenkamerad, mit dem Baschung die Kanti absolvierte, half 2014 als Freiwilliger an den Olympischen Spielen in Sotschi mit. So sei die Idee entstanden, sich selbst für so einen Einsatz zu bewerben, sagt der 22-Jährige.

Das tat er dann im Frühling letzten Jahres. Nebst einem kognitiven Test am Computer musste Baschung auch beweisen, dass er alle Sprachen beherrscht, die er bei der Bewerbung angegeben hatte: Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Englisch. Spanisch hatte er als Schwerpunkt in der Kanti. Italienisch spricht er fliessend, weil er zweisprachig aufgewachsen ist. Und Russisch? Das kyrillische Alphabet habe er so weit studiert, dass er Begriffe wie «Toilette» oder «Spital» verstehe. Die meiste Zeit werde er an der WM aber wohl Englisch sprechen.

So auch in seinem Skype-Interview nach Russland im letzten Jahr. Das war die letzte Stufe im Aufnahmeverfahren. Kurz vor Weihnachten kam dann der Entscheid: Baschung kann an die WM.

«Viel Unterstützung» vom Umfeld

Etwas angegeben habe er damit dann schon auch, sagt Baschung. «Ich arbeite jetzt für die Fifa», habe er Leuten aus seinem Umfeld scherzhaft erzählt. Daraus habe er viel Unterstützung erhalten. Und als Italien–Fan – die Italiener haben sich nicht für diese WM qualifizieren können – auch die eine oder andere Stichelei hinnehmen müssen: «Der Leo geit uf Russland – Italie leider nid».

Nun fiebert der Derendinger mit der Schweizer Nationalmannschaft mit. In ihrem ersten Match sogar live, in einer Woche, wenn die Schweiz auf Brasilien trifft – und Baschung irgendwo im Stadion mit über 45'000 Zuschauern im Einsatz ist.