Lohn-Ammannsegg
Hubel-Meteorologen sind sich fast einig: Es gibt keine weissen Weihnachten

Die fünf Hubel-Meteorologen fühlten am Samstag in Lohn-Ammannsegg dem Wetter den Puls, beobachtet von 60 Generalversammlungs-Besucherinnen und -Besuchern.

Hans Peter Schläfli
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Schon wieder hat Ruedi Luterbacher (links) einen Treffer gelandet, Manfred Burki und Paul Halter (rechts) können nur zustimmen.

Schon wieder hat Ruedi Luterbacher (links) einen Treffer gelandet, Manfred Burki und Paul Halter (rechts) können nur zustimmen.

Hans Peter Schläfli

Eines können die Hubel-Meteorologen mit absolut garantierter Sicherheit voraussagen: Kräht der Hahn auf dem Mist, so stinkt danach sein Gefieder. Bei der existenziellen Frage, ob es dieses Jahr eine weisse Weihnacht geben wird, waren sie sich auch fast einig: Vier der fünf Lohner Propheten sagen Nein, es wird diesmal keinen Schnee haben, wenn «s’Christkindli» kommt.

Als es dann aber um Ostern ging, begannen die grossen Diskussionen. «Von kalt und nass» bis «unbedingt zu Hause bleiben, es wird wunderbares Wetter geben», gingen die Prognosen für dieses Wochenende, das in der Schlussabrechnung der Hubel-Meteorologen jeweils wertvolle Zusatzpunkte liefert.

Es ging wieder einmal hoch zu und her in der mit über 60 Personen randvollen Waldstube auf dem Lohner Hubel. «Niemand will mehr die Landfrauenküche sehen», begrüsste der mediengewandte «Tätschmeister» Ruedi Luterbacher den Kameramann, «Tele M1 bi de Lüüt, das isch jetzt in». Eine Anekdote jagte die andere, es wurden Waldhimbeersirup und Honig verzwirbelt, das Los kostete sensationell nur einen Franken. Hauptpreis war eine Holzspaltmaschine, Suva-geprüft und stromsparend, die Ruedi Luterbacher in elf schlaflosen Nächten erfunden hatte. Herausgekommen ist bei diesem Geniestreich ein kleines Beil ...

Ein Kauz ruft stundenlang

Der Vater der Hubel-Meteorologen heisst Lothar: Der Orkan legte 1999 den Wald auf dem Lohner Hubel flach. Da die Bürgergemeinde mit dem Schaden finanziell überfordert war, wurde zur finanziellen Unterstützung ein Verein gegründet, aus dem ein paar Jahre später die Hubel-Meteorologen hervorgingen.

Der Sage nach habe ein Kauz im Wald stundenlang gerufen, was zu den wildesten Spekulationen über das zukünftige Wetter geführt habe. So ist auch der «Hubel-Chutz» als Maskottchen der Meteorologen entstanden. Wie man im Waldhaus erfahren könnte, wird der Uhu jetzt sogar schon von den Chinesen kopiert.

1. Paul Halter, Holzbildhauer. Co-Gewinner Paul Halter sagt das Wetter anhand von Holzstrukturen voraus, indem er ähnliche Muster sucht. Er sagt diesmal als als einziger weisse Weihnacht voraus.
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2. Ruedi Luterbacher, Regent-Wetterforscher. Co-Sieger Ruedi Luterbacher stützt sich wie einst Abt Knauer auf den biblischen Rhythmus von sieben guten und sieben schlechten Jahren. Er prophezeiht einen verregneten, miden Winter.
3. Manfred Burki, Bauer Manfred Burki sagt das Wetter anhand des Verhaltens und des Fells seiner Tiere voraus - und wenns nicht stimmt, dann landet ein Kaninchen auch einmal im Kochtopf. Er erwarten den grossen Schnee ab Mitte Februar.
4. Erhard Luterbacher. Imker. Erhard Luterbacher lässt sich durch das Verhalten der Bienen inspirieren und beobachtet auch gerne die Spinnen. Er verspricht, dass nach einer grünen Weihnacht der grosse Schnee ab Neujahr eintreffen wird.
5. Ernst Schaller, Wald- und Wiesenläufer Ernst Schaller ist sportlich im Wald unterwegs und beobachtet dabei die Tiere, insbesondere die Ameisenhaufen. Dazu scheut er auf den Laubtrieb und den Laubfall. Er sieht Kälte und Schnee bis Mitte März voraus.

1. Paul Halter, Holzbildhauer. Co-Gewinner Paul Halter sagt das Wetter anhand von Holzstrukturen voraus, indem er ähnliche Muster sucht. Er sagt diesmal als als einziger weisse Weihnacht voraus.

Hans Peter Schläfli

Bis heute spenden die Hubel-Meteorologen sämtliche Gewinne der Bürgergemeinde, die mit dem Geld den Wald im Lohner Naherholungsgebiet aufwertet. Anlässlich der Versammlung wurde als Beispiel das Arboretum mit einheimischen Bäumen vorgestellt, das dank Unterstützung des Kiwanis Clubs Wasseramt-Kriegstetten auf dem Hubel eingerichtet werden konnte.

Trefferquote steigt

An der 14. Hauptversammlung des Vereins wurden die 15. Jahresprognosen eingereicht und zum 13. Mal gab es eine Auswertung. Die Tendenz ist eindeutig: Die Trefferquote steigt stetig. Diesmal lag sie bei 77 Prozent, über alle fünf Propheten gerechnet. Die Sieger Paul Halter und Ruedi Luterbacher kamen sogar beide auf 81 Prozent.

Die vorauszusagenden Perioden umfassen je 10 Tage, also Anfang, Mitte und Ende jedes Monats. Die Hubel-Meteorologen sind nicht doof: Schnee im Juli hat keiner versprochen. Und dass es zum Beispiel während 10 Tagen im Februar einmal starken Frost geben wird, das ist dann auch nicht wirklich unwahrscheinlich.

Aber der Hokuspokus forderte auch schon ein Todesopfer. Als Bauer Manfred Burki anhand des Verhaltens und des Fells eines «Chüngels» ganz schlechte Prognosen abgeliefert hatte, landete das arme Tier kurzum im Kochtopf. Regent-Wetterforscher Ruedi Luterbacher stützt sich auf die Vorstellungen von Abt Mauritius Knauer (1613 bis 1664), wonach das Wetter im 7-Jahres-Rhythmus von den Himmelskörpern bestimmt wird. Was klingt wie eines dieser Horoskope von Madame Étoile, bei dem jeder mit gesundem Menschenverstand den Radiosender wechselt, brachte für Luterbacher mit 81 Prozent Trefferquote ein Rekordresultat.

Jeder erhält einen Preis

Die Prognosen werden übrigens durch Professor Jürg Luterbacher ausgewertet, Dozent für Meteorologie an der deutschen Universität Giessen. Referenz ist die Wetterstation in Riedholz. «Wenn es um kleinräumige Erscheinungen wie Nebel geht, dann ruft er auch einmal auf der Bürgergemeinde an und versichert sich, wie es genau in Lohn war», erklärt Holzbildhauer Paul Halter, der sich mit 81 Prozent Trefferquote als Co-Gewinner feiern lassen durfte.

Mit dem Pech-Chutz muss sich Ernst Schaller trösten. Damit jeder eine Trophäe heimtragen durfte, erhielt der Imker Erhard Luterbacher einen Chutz-Oskar für die längste korrekte Vorhersageperiode und Bauer Manfred Burki bekam eine Leiter aus Birkenästen. Er konnte sich am meisten verbessern.