Die politische Debatte lebt – zumindest in Rüttenen. Das beweist die Dorfbevölkerung durch den zweithöchsten Wähleranteil im Leberberg an den Kantonsratswahlen. Immerhin jeder zweite Wahlberechtigte ging zur Urne. Zudem werden die Parteien gepflegt. Ein gutes Omen für die anstehenden Gemeinderatswahlen vom 21. Mai. Fünf Listen mit 19 Kandidaten wurden für die 9 Sitze eingereicht. Bisher halten die FDP 3, SP und Grüne je 2 sowie SVP und CVP je 1 Sitz. Die Bürgerlichen sind gegenüber der Linken leicht im Plus.

Die FDP wünscht sich eine Fortführung dieser Mehrheit. In der letzten Legislatur seien viele Projekte aufgegleist worden, argumentiert Gemeindepräsident Gilbert Studer (FDP). Er erwähnt die Totalsanierung des Primarschulhauses Widlisbach, den Neubau der Sammelstelle sowie die Neuorganisation der Baukommission.«Jetzt kommt die Phase der Umsetzung. Ich würde gerne mit dem gleichen Rat weiter arbeiten.» Die Chancen dazu stehen gut: Alle 9 Bisherigen treten wieder an. 

SP und Grüne verbünden sich

Ein Phänomen im 1500-Seelen-Dorf sind die Grünen, die verhältnismässig hohe Wähleranteile gewinnen. «Wir politisieren nicht nur grün, sondern einfach so, dass es für das Dorf Sinn macht», erklärt Gemeinderat Fabien Choffat den Erfolg. Dieser hänge stark mit Veronika Fluri zusammen, die sich etwa für die Schule und die Kultur starkmache. Zudem könne man auf eine junge Generation zählen. Kürzlich reinigte die Partei den Dorfbach, der bald renaturiert wird. Choffat träumt davon, einen dritten grünen Sitz und allenfalls eine linke Mehrheit zu holen.

Dieses Ziel verfolgt auch die SP, die bisher zwei Räte stellt. «Wir wollen das Feld nicht einfach den anderen Parteien überlassen. Ein Sitzgewinn ist unser Ziel», sagt Parteipräsident Mario Ruetsch. Um diesem näher zu kommen, gehen die Sozialdemokraten mit den Grünen eine Listenverbindung ein. Das Plus für die SP seien das junge Kandidatenfeld und die beiden Bisherigen. Keinen Anspruch stellt die Partei auf das Gemeindepräsidium. Das Amt sei zeitintensiv, etwa für Behördengänge in Solothurn. «Ein gewöhnlicher SP-Büezer kann das während der Arbeitszeit kaum erledigen», argumentiert Ruetsch.

Bürgerliche Mehrheit halten

Bleiben die beiden kleineren Parteien mit Einervertretungen. Auch sie wollen die bürgerliche Mehrheit verteidigen. Die CVP würde gerne den Sitz zurückgewinnen, den sie vor 12 Jahren verloren hat. Mit nur zwei Kandidaten ist dies ein ambitioniertes Ziel. «Im Minimum wollen wir unseren Sitz halten», sagt Parteipräsident Beat Affolter. Inhaltlich setzt sich die CVP für ein massvolles Wachstum der Gemeinde, die Plafonierung des Steuerfusses von derzeit 112 Prozent sowie den Erhalt der Schule ein.

Die SVP schliesslich will «mit Fleiss und Überzeugung» einen zweiten Sitz holen. Die Kandidaten würden bei der jungen Ortspartei zwar nicht in Scharen anklopfen, doch präsentiere man zwei «solide» Personen, so Präsident Werner Ruchti. Die SVP will weniger Abgaben, einen bezahlbaren Steuerfuss und eine gesunde Infrastruktur. «Die grössten Einnahmen sind durch Sparsamkeit zu erreichen», hält Ruchti fest. Bei der Schulhaussanierung, den Gewässerverbauungen und dem Strassenunterhalt dürften deshalb keine «Luxuslösungen» gesucht werden.