Einigkeit, immerhin, herrschte im Rat darin, dass sich wohl niemand in Rüttenen aus finanziellen Erwägungen in die Behörden wählen lässt, sondern nur zum Wohl der Gemeinde. Nicht einig war man sich indes über die Höhe der vorgesehenen Entschädigungs-Anhebung. Nach 10 Jahren sei es nötig, wie Gemeindepräsident Gilbert Studer (FDP) ausführte, die aktuellen Entschädigungen und Spesenvergütungen für nebenamtliche Funktionen zu überprüfen und der Teuerung anzugleichen.

Dazu war eine Arbeitsgruppe (AG) eingesetzt worden, die gestützt auf die Ergebnisse von Fragebögen zur Arbeitsbelastung der Mitarbeitenden in Gemeinderat und Kommissionen im Grundsatz eine Anpassung an den Landesindex 2015 vorschlug. Zum Vergleich herangezogen wurden die geltenden Dienst- und Gehaltsordnungen (DGO) von Oberdorf, Langendorf, Riedholz, Bettlach und Lohn-Ammannsegg.

Die Hälfte der Befragten, so Studer, habe ihre Entschädigung als angemessen bezeichnet. Grundsätzlich habe sich die AG für eine Ressortentschädigung für Gemeinderäte in Höhe von 500 Franken pauschal zuzüglich zum leicht erhöhten Sitzungsgeld ausgesprochen.

Nicht gerecht verteilt

Gemeinderätin Veronika Fluri (Grüne) hatte sich bei den Nachbargemeinden Langendorf und Oberdorf erkundigt und «extreme Unterschiede», wie sie betonte, zu den Vergütungen in Rüttenen festgestellt. In beiden angefragten Dörfern belaufen sich die Ressortentschädigungen auf 2000 respektive 3000 Franken. Ihr Parteikollege Fabien Choffat zeigte sich mit dem auf dem Tisch liegenden Vorschlag auch nicht einverstanden, weil er zu wenig transparent sei. «Gewisse Funktionen wurden zu stark angehoben, andere aus nicht nachvollziehbaren Gründen weniger», hatte Choffat den Teuerungszuschlag nachgerechnet, der in zwei Fällen schon früher an den Landesindex angepasst wurde.

Der Gemeindepräsident entgegnete, dass man sich in Rüttenen vergütungsmässig nie an die obere Grenze begeben habe, sondern stets den fast ehrenamtlich tätigen Mitgliedern in Gemeinderat und Kommissionen grosse Wertschätzung für ihre Arbeit entgegenbringe. «Eine zurückhaltende Besoldung ist unser Dienst an der Gemeinde», sekundierte Daniel Reinhart (CVP). Der neue Ansatz mit einem Plus von 7,5 Prozent für Sitzungsgelder beläuft sich im Gemeinderat auf 45 Franken (58 Franken für mehr als 2 Stunden) und in den Kommissionen auf 32/35 Franken.

Zur Diskussion stand die geplante Honorar-Realerhöhung für den Gemeindepräsidenten von bisher 23 800 Franken zuzüglich Sitzungsgeld und Zimmerentschädigung jetzt auf rund 26 200 Franken (plus 10 %). Studer begründete dies mit höherer Belastung in seinem 20-prozentigen Teilzeitamt.

«Die Schere gegenüber dem Gemeinderat öffnet sich zu weit», hielt Vroni Flury mit Blick auf ein errechnetes gemeindepräsidiales Stundenhonorar für Vorbereitung und Sitzung von über 50 Franken gegenüber 8 Franken für Ratsmitglieder fest. Als Vizepräsidentin erhält sie künftig eine Pauschale von 1390 statt 1300 Franken bisher.

Weitere Änderungen

Gegenüber der DGO aus dem Jahr 2005 gab es einige Anpassungen insbesondere bei der Feuerwehr, deren neue, künftig nach Aufwand bezahlte Ämter noch nicht in der früheren Regelung enthalten sind. Der Einsatzsold beträgt dann 35 Franken pro Stunde.

Die Arbeitsbelastung von rund 720 Stunden in Präsidium und Aktuariat der Baukommission, die ihre Aufgaben auch jetzt schon mit externer Unterstützung bewältigt, soll verringert und besser verteilt werden. Der bestehende Bausupport von jetzt 280 Stunden wird auf 550 Stunden angehoben und professionalisiert mit einer Kostenfolge von 70 000 bis 80 000 Franken.

Mehr Kompetenzen wird der jetzige Werkhofmitarbeiter als künftiger Leiter des Werkhofs erhalten. Eine Neueinstufung des Verantwortlichen um 4 Stufen in der Lohnklasse 16 begründeten Studer und Peter Christ (SVP) mit seinen erweiterten Zuständigkeiten, die in einem bald vorliegenden Pflichtenheft neu definiert werden. «Dieser grosse Beförderungsschritt wird für uns teuer werden», warnte Ivan Ruetsch (SP). Das passe nicht in die sonstige Sparsamkeit der Gemeinde. Sein Antrag, diese Beförderung zurückzustellen, bis wenigstens das Pflichtenheft vorliegt, wurde von der fünfköpfigen Mehrheit aus FDP, CVP und SVP abgelehnt.

Geändert hat sich auch der Aufwand in der Musikschulleitung, die für ihre diesbezügliche Arbeit von noch 50 Stunden mit einer Pauschale entschädigt wird. Dem Antrag der AG DGO stimmte der Rat mit 5:4 knapp zu und überwies die revidierte Dienst- und Gehaltsordnung an die Budgetgemeindeversammlung im Dezember.