Brügglen

Hilfe auf dem Weg zur Integration: Pensionierte lehren Asylsuchenden Deutsch

Samuel Schild unterrichtet Abdi Fatah (rechts) und Mattias Hailu in Deutsch.

Samuel Schild unterrichtet Abdi Fatah (rechts) und Mattias Hailu in Deutsch.

Die freiwillige Asylschule unterer Bucheggberg unterrichtet mit pensionierten Lehrkräften Flüchtlinge.

«Ich habe einfach zum Telefon gegriffen und gefragt», erzählt Samuel Schild. Das Resultat ist, dass zwei Flüchtlinge im Bucheggberg eine Arbeitsstelle in der Gastronomie gefunden haben. Nun sitzen sie in der Stube bei Samuel und Elsbeth Schild in Brügglen, beide längst pensionierte Lehrkräfte, und lernen Vokabeln, spezifisch auf ihr Berufsbild ausgerichtet.

Dieses Angebot ist eines der freiwilligen Asylschule unterer Bucheggberg, die derzeit drei weitere Angebote hat. Da ist der normale Kurs für Flüchtlinge, die nicht arbeitsfähig sind oder keine Arbeitsstelle haben. Ein anderer Kurs richtet sich an Flüchtlinge, die in der Landwirtschaft tätig sind. «Dieser Kurs war zeitweise in Gefahr. Das Problem ist, dass die Leute von der Arbeit einfach zu müde sind, um anschliessend Unterricht zu besuchen», so Hans Neeracher, der die Asylschule ins Leben rief. Neu findet der Kurs zweimal in der Woche, jeweils ab 19 Uhr statt und dauert eine Stunde. Das letzte Angebot ist Einzelunterricht, beispielsweise für jemanden, der eine Fahrprüfung vorbereitet. Die Flüchtlinge unterschreiben Verträge, in denen sie sich verpflichten, den Unterricht regelmässig zu besuchen.

Treibende Kraft zur Gründung der freiwilligen Asylschule im unteren Bucheggberg war der heute über 80 Jahre alte Hans Neeracher. «Ich wurde 2015 an einer Sitzung von Asylbetreuer Markus Dick angefragt, ob ich nicht eine Schule für Asylsuchende organisieren könnte», erzählt Hans Neeracher. «Er suchte ein sinnvolles Angebot für seine Flüchtlinge.» Bereits im Oktober 2015 begann der Unterricht. Die Vereinsgründung erfolgte im darauffolgenden Juni 2016. Und schon im Oktober 2018 erhielt die Schule einen Anerkennungspreis im Rahmen des kantonalen Sozialpreises.

Die 5000 Franken für den Anerkennungspreis sowie die 4000 Franken, welche die reformierte Kirche spendete, bilden den Grundstock der Vereinsfinanzen. Das muss vorläufig genügen. Wirklich aktiv gehe man nicht auf Geldsuche, so Neeracher. Die Lehrkräfte engagieren sich ehrenamtlich und erhalten keine Vergütungen. «Und Material brauchen wir auch nicht viel», so Hans Neeracher.

Wurzeln schlagen

«Der Kontakt mit den Flüchtlingen steht für uns an erster Stelle», sagt Samuel Schild. Die Vereinsstrukturen interessieren ihn weniger. «Wir geben einfach Schule», so Elsbeth Schild. Die Flüchtlinge lernen bei ihnen Deutsch als Voraussetzung für den Besuch einer Berufsschule. Mit Freude erzählt Samuel Schild, dass sie schon drei Flüchtlinge in gastronomischen Betrieben im Bucheggberg platzieren konnten. «Sie haben eine Wohnung, einen Lohn, zwei haben schon ein Auto, der dritte will auch eines. Sie haben Wurzeln geschlagen. Man kann sie nicht mehr einfach rausschmeissen wie andere.» Rund 20 Personen unterrichtete er in den letzten zwei Jahren. Was er vermisst, ist Konstanz. «Die Flüchtlinge werden hin und her geschickt oder müssen auf den Balmberg.» Das Wichtigste sei aber, dass die Flüchtlinge bei Schilds ein offenes Ohr finden. «Hier können sie auch mal Gefühle zeigen.»

Meistgesehen

Artboard 1