Derendingen
Hierhin fliesst ein Teil des Erlöses aus dem Schoggitalerverkauf

Am Samstagnachmittag liess sich eine Gruppe Interessierter auf Einladung des Schweizer Heimatschutzes durch das «Elsässli» führen. Dabei konnten einige Gärten ganz aus der Nähe betrachtet werden.

Rahel Meier
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Der Schweizer Heimatschutz hat zu einem Rundgang im Elsässli eingeladen. Kuno Tschumi, Gemeindepräsident von Derendingen, begrüsste die Anwesenden
23 Bilder
Gemeindepräsident Kuno Tschumi
Auch Adrian Schmid, Geschäftsleiter des Schweizer Heimatschutzes, richtet einige Worte an die Besucher
Hansruedi Meyer, Präsident der IG Elsässli, stellt das Sanierungs-Projekt vor und führt durch die Arbeitersiedlung
Es geht los auf den Rundgang
Rundgang im Elsässli-Quartier in Derendingen
Eines der Häuser
In diesem Garten fühlen sich Schmetterlinge besonders heimisch
Hansruedi Meyer weiss viel über die Siedlung zu erzählen
Adrian Schmid und Kuno Tschumi
Die Teilnehmer des Rundgangs schauen sich den frisch sanierten Garten an
Petra Schröder, Landschaftsarchitektin und Verfasserin des Leitbildes, spricht
Es gibt auch Anschauungsmaterial
Im Elsässli gibts auch ein Bed and Breakfast

Der Schweizer Heimatschutz hat zu einem Rundgang im Elsässli eingeladen. Kuno Tschumi, Gemeindepräsident von Derendingen, begrüsste die Anwesenden

Hansjörg Sahli

Der Schweizer Heimatschutz hat das Jahr 2016 zum «Gartenjahr» ausgerufen und zeigt Gärten als Raum für Begegnungen. Zusätzlich will der Heimatschutz auf den schleichenden Verlust von wertvollen Grünräumen in unseren Siedlungen aufmerksam machen und ein Bewusstsein für bestehende Qualitäten schaffen.

Was passt da besser, als ein Rundgang durch das Derendinger «Elsässli»? Die 28 unter Denkmalschutz stehenden Gärten sind kontaminiert und können nur saniert werden, indem 40 Zentimeter des Bodens in den Gärten abgetragen und neue saubere Erde eingebracht wird. Damit wiederum droht der Verlust der heutigen Biodiversität im Quartier. Damit das nicht passiert, wurde ein Gartenleitbild erarbeitet, das vom Schweizer Heimatschutz mitfinanziert wurde.

Adrian Schmid (Geschäftsleiter Schweizer Heimatschutz) begrüsste die Interessierten am Rundgang durch das «Elsässli» persönlich. Seit 70 Jahren würden Schoggitaler verkauft, insgesamt 44 Mio. seien es bisher. Er freue sich, dass ein Teil des Erlöses heuer ins «Elsässli» fliesse. Er erinnerte sich aber durchaus auch an die Zeiten, in denen der Verkauf des Talers im Kanton Solothurn harzte, weil der Heimatschutz sich für den Erhalt der alten Sesselbahn auf den Weissenstein einsetzte.

Politik und Juristerei versagten

Gemeindepräsident Kuno Tschumi kennt das «Elsässli» bestens. Sein Grossvater und sein Vater wuchsen im Quartier auf. «Trotzdem ist mein Verhältnis zu diesem Ort zurzeit nicht so entspannt.» Politik und Juristen hätten versagt in der Geschichte rund um die kontaminierten Böden in der Arbeitersiedlung. «Für uns ist die Situation ein Desaster», meinte Tschumi. 100 Jahre lang hätten Menschen im «Elsässli» gelebt und ihre Gärten genutzt. «Und jetzt plötzlich ist das gefährlich. Die Vorschriften kommen wir vor, wie nach der Katastrophe von Tschernobyl.»

Am schlimmsten sei, dass die Bewohner des «Elsässli» allein gelassen würden.
Beim anschliessenden Rundgang begann der Himmel zu weinen und die Regenschirme wurden aufgespannt. Petra Schröder (dipl. Ing. Landschaftsarchitektin und Mitverfasserin des Gartenleitbildes für das «Elsässli») ging auf dem Rundgang kurz auf die Geschichte des «Elsässli» ein.

Die jahrzehntelange Nutzung für den Gemüseanbau und die Struktur mit den Zäunen hat einen Einfluss auf das Gartenleitbild. Man habe, so Esther Boder (dipl. Umweltingenieurin, FH und ebenfalls Mitverfasserin des Gartenleitbildes für das «Elsässli»), versucht, die Historie des Quartieres zu bewahren, aber auch den veränderten Bedürfnissen der heutigen Quartierbewohnern Rechnung zu tragen. So sollen Bäume und Hecken stehen bleiben, da sie heute zum Bild des «Elsässli» gehören. Ebenso dürfen kleinere Bauten aufgestellt werden.

Biodiversität erhalten

Als Beispiel wurde der Garten an der Krempelgasse 8 gezeigt. 25 Schmetterlingsarten und diverse andere Kleintiere sind dort heimisch. «Sehen sie sich um. Was passiert, wenn hier 40 Zentimeter des Bodens ausgetauscht werden müssen», fragte Petra Schröder die Anwesenden. Abschliessend wurde auch der Garten an der Krempelgasse 9 besucht. Dieser wurde Anfang April saniert. Die Eigentümer haben versucht, den Garten nach der Sanierung wieder sehr ähnlich zu gestalten, wie er vorher aussah.

Hansruedi Meyer, Präsident der IG Elsässli, nutzte die Gelegenheit ein wenig Dampf abzulassen. 50 000 Franken habe die Sanierung gekostet. Es habe sich zudem gezeigt, dass der Garten weniger stark belastet sei, als angenommen. «Die Eigentümer konnten Geld sparen, indem sie Geld für zusätzliche Bodenproben ausgaben», so Meyer. Pauschal 5000 Franken erhalte jeder Eigentümer von der kantonalen Denkmalpflege für die Sanierung. Ein Gesuch beim Lotteriefonds um einen Beitrag sei abgelehnt worden.