Hersiwil/Halten

Hier kann der Biber machen, was er will – sein Wirken ist nach zwei Jahren deutlich zu erkennen

Im Biberrevier in Hersiwil/Halten wurde vor zwei Jahren ein Monitoring gestartet. Es zeigt sich: Viele Tierarten profitieren vom Wirken des fleissigen Baumeisters.

Der Biber. Von den einen geliebt, weil er ja so «putzig» aussieht. Von den anderen eher gehasst, weil er beträchtliche Schäden im Wald und in der Landwirtschaft anrichten kann. Seit rund zehn Jahren leben Biber am Weierbach, im «Schnapshölzli» zwischen Hersiwil und Halten. Der Hauptdamm den sie erbaut haben ist über 50 Meter lang. Dazu kommen diverse Nebenbauten.

Seit einigen Jahren gehört der grösste Teil des Biberrevieres, rund 68 Aren, Pro Natura. Darum darf der Biber hier Biber sein und nach Herzenslust bauen und Wasser stauen. «Wo Biber sich niederlassen verändern sie den Lebensraum. Davon profitieren viele andere Tierarten. Vor allem auch Amphibien.» David Gerke (Projektleiter Renaturierungen, Pro Natura) beobachtet die Biber seit vielen Jahren. Studien über den Nutzen des Bibers fehlen in der Schweiz. Die Verantwortlichen von Pro Natura haben sich deshalb im Jahr 2018 dazu entschlossen, im Biberrevier ein Monitoring durchzuführen. Tier- und Pflanzenarten wurden systematisch erhoben, um eine Momentaufnahme der Artenvielfalt zu erhalten. Nun liegt der Schlussbericht vor.

Flora und Fauna profitieren von der Bautätigkeit

Nach zwei Jahren sind die Veränderungen im Biberrevier von Auge gut sichtbar. Weil der Wald nicht bewirtschaftet wird, sind grosse Flächen überwachsen. Der Biberdamm ist kaum mehr zu finden, aus dem grossen aufgestauten Teich sind mehrere kleinere Teiche geworden. «Wir haben ein Unterhaltskonzept. Prioritär ist für uns aber, dass wir den Biber machen lassen», so Gerke. Im vergangenen Jahr wurden allerdings Goldruten, ein invasiver Neophyt, ausgerissen. Dort wo das Biberrevier an Landwirtschaftsflächen angrenzt werden ebenfalls Unterhaltsarbeiten ausgeführt, wenn das nötig ist. «Hier geht es vor allem um Bäume, die umfallen könnten.» Dazu werden immer wieder Weiden eingesteckt.

Trotz des Dickichts sind die Spuren des Bibers überall zu sehen. Er trampelt kleine Pfade quer durch den Wald und aus dem Weierbach heraus auf die Wiese. Nagespuren zeugen von seinen nächtlichen Fressgelagen. Am erstaunlichsten ist für Gerke die kleine Lichtung auf der Südseite des Biberrevieres. Dort standen Ahornbäume, die durch Gitter vor Verbiss geschützt waren. Nachdem die Schutzgitter entfernt wurden, hat sich der Biber an den Bäumen gütlich getan. Und eine kleine Lichtung geschaffen. «Tatsächlich haben wir uns vor zwei Jahren überlegt, ob wir die Bäume fällen sollen. Nun hat der Biber das für uns gemacht.» Da nun Licht und Sonne auf den Waldboden kommen, gedeihen dort andere Pflanzenarten. «So gestaltet der Biber seinen Lebensraum um.»

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