Susanne Rufer ist gerne sportlich unterwegs. So erstaunt es nicht, dass sie sich beim Joggen an der Aare dazu entschieden hat, sich als Gemeindepräsidentin für Lüsslingen-Nennigkofen zur Verfügung zu stellen. «Das war in meiner Karriereplanung nicht so vorgesehen», lacht sie. Nachdem Herbert Schluep offiziell als Gemeindepräsident demissioniert hat und klar wurde, dass keiner der heutigen Gemeinderäte in seine Fussstapfen treten will, wurde nach möglichen Nachfolgerinnen und Nachfolgern gesucht. «Die erste Anfrage habe ich im Dezember erhalten. Ich empfand es als Ehre, dass mir dieses Amt zugetraut wird, aber ich habe klar ‹nein› gesagt», so Rufer. Später sei man erneut an sie herangetreten. Erst ab dann habe sie sich ernsthaft Gedanken gemacht. «Natürlich habe ich auch viele Gespräche mit der Familie und mit Freunden geführt. Irgendwann war es dann klar: Ich mach’s.»

Susanne Rufer ist in Lüsslingen aufgewachsen, hat als Erwachsene aber viele Jahre in Zielebach gelebt. Als Buchhalterin der ehemaligen Käsereigenossenschaft war sie mindestens einmal im Monat im Dorf, um den Bauern das Milchgeld auszuzahlen. Irgendwann wurde dieser Brauch dann aufgegeben und das Geld wurde auf ein Konto überwiesen. «Zudem war ich oft hier zu Besuch. Ich habe aber das Dorfleben zu wenig wahrgenommen.» Wenig mitbekommen hat sie beispielsweise die Differenzen innerhalb der Dorfgemeinschaft, die es eine Zeitlang wegen der «Kirschblüten» gab. Aktiv miterlebt hat sie dann aber die Fusion von Lüsslingen und Nennigkofen. «Das war für mich fast eine Selbstverständlichkeit. Schon in meiner Jugend haben die beiden Gemeinden eng zusammengearbeitet.» Nur wenig später zog sie gemeinsam mit ihrem Ehemann zurück nach Lüsslingen und seit Beginn der neuen Legislatur engagiert sie sich in der Rechnungsprüfungs- und in der Kulturkommission.

Langsam einarbeiten

Ab Mai wird Susanne Rufer als Gast an den Gemeinderatssitzungen teilnehmen. So kann sie sich in die laufenden Geschäfte einarbeiten. Als Quereinsteigerin ohne politische Erfahrung ist ihr auch wichtig, dass der Gemeinderat hinter ihrer Person und ihrer Wahl steht. Offiziell wurde die Liste mit ihrer Kandidatur von der FDP eingereicht. Sie selbst ist aber parteilos und betont dies auch. Gab es in ihrer Jugend denn keine politischen Diskussionen am Küchentisch, die sie geprägt haben? «Diskutiert haben wir schon. Aber meine Eltern waren nicht politisch tätig. Und trotzdem ist mein Bruder gerade eben in den Kantonsrat nachgerutscht und ich übernehme das Gemeindepräsidium.»

Neuer Stil

Was zeichnet sie aus? «Ich habe Ausdauer und Disziplin. Das ist mein Charakter. Das hat mir in meiner sportlichen Karriere geholfen.» Schon als Kinder mussten Susanne Rufer und ihre Geschwister auf dem elterlichen Bauernhof mithelfen. «Ich packe gerne etwas an. Und ich gehe dabei nicht immer den einfachsten Weg.» Sie habe einen komplett anderen Hintergrund als ihr Vorgänger Herbert Schluep. «Ich habe allerdings keinen Grund, gleich an meinem ersten Arbeitstag alles hier in der Gemeinde umzukremplen.»

In Lüsslingen-Nennigkofen wird nach dem Ressortsystem gearbeitet. Das mache es etwas einfacher. «Selbstverständlich möchte ich alles wissen und begreifen. Aber wenn es um Details geht, darf ich mich auch auf die Fachleute in der Gemeinde verlassen. Auch dass es heutzutage schon auf Gemeindeebene immer mehr Juristen braucht, um Reglemente und Gesetze zu verstehen, macht ihr kein Bauchweh. «Ich darf auf eine gut aufgestellte Verwaltung zählen und eine Gemeindeschreiberin, die viel weiss.»

Arbeitspensum reduzieren

Susanne Rufer arbeitet heute zu 100 Prozent bei der AEK onyx AG. Ausgerechnet der Firma, die im Streit mit Lüsslingen-Nennigkofen liegt und gegen die Gemeinde vor Bundesgericht zieht. Das sei zwar tatsächlich «etwas speziell», aber für Rufer ist es kein Problem. «Die AEK steht politischem Engagement ihrer Mitarbeiter positiv gegenüber. Ich werde ab August mein Arbeitspensum in der Firma reduzieren. Das ist bereits so abgesprochen.» Werde im Gemeinderat über die Elektra gesprochen, dann trete sie in den Ausstand. «Ich muss das klar trennen und das auch klar so kommunizieren.» Letzteres sollte für die Kommunikationsfachfrau kein Problem sein.

Viele Neuzuzüger

Die Einwohnerinnen und Einwohner aus Lüsslingen-Nennigkofen leben zwar im Bucheggberg, sind aber stark in Richtung Solothurn orientiert. So besuchen die Jugendlichen beispielsweise die Oberstufe in der Kantonshauptstadt. «Lüsslingen-Nennigkofen hat sich in den letzten Jahren extrem positiv entwickelt», meint sie. Es sei nicht einfach ein Bauerndorf, wie das auf den ersten Blick scheinen könnte. «Ich habe das am Dorffest letzten September erlebt, bei dem ich im Organisationskomitee war.» Sie schwärmt von der guten Lage der Gemeinde. «Wir haben die Aare und den Bucheggberg. Unser Naherholungsgebiet bietet alles, was ich brauche.» Trotzdem sei die Gemeinde insgesamt eher unbekannt. «Oft wird Lüsslingen mit Leuzigen verwechselt.» Möglicherweise sei man einfach zu bescheiden.

Positiv erstaunt ist Susanne Rufer darüber, dass viele junge Leute im Dorf wohnen und sich auch aktiv am Dorfleben beteiligen. «Von einer Überalterung der Bevölkerung ist hier nichts zu spüren.» Es seien zudem viele Nicht-Bucheggberger zugezogen. Als neue Gemeindepräsidentin möchte sie vermehrt und bewusst die Nähe zur Bevölkerung suchen. «Ich will wissen und spüren, wo es Probleme gibt.» Dabei ist ihr klar, dass viel auf sie zukommt. «Die Leute kommen ja vermutlich nicht zu mir, wenn sie etwas gut finden, sondern vor allem dann, wenn sie irgendwo der Schuh drückt.»