Wer im Detailhandel überleben will, muss sich Kundenbedürfnissen anpassen können und innovativ sein. Das hat sich auch Remo Meier von der Metzgerei Fischer in Langendorf gesagt. Seit letzten Freitag ist seine Metzgerei rund um die Uhr geöffnet: Dank zwei Automaten, die vor dem Laden platziert wurden. «Metzger-Box» nennen sich die beiden auffälligen roten Kästen. Ihr Innenleben: Viel Grillfleisch und Würste, aber auch Saucen und Salate. Wer plötzlich Besuch bekommt oder spontan eine Grillparty plant, kann auch nach Ladenschluss oder über Mittag eine der prämierten Würste erstehen.

Die Idee der Metzger Box schwebte Remo Meier schon länger vor. Aber erst letzten September hat er ein Deutschland einen Anbieter gefunden, der seine Bedürfnisse erfüllen konnte. «Die Automaten müssen auf ein bis null Grad kühlen können. Für gelagertes Fleisch sind höhere Temperaturen problematisch.»

Die beiden Geräte sind zudem netzwerkfähig. Meier kann jederzeit den Warenbestand abfragen. Geht ein Produkt aus, dann erhält er sofort eine Meldung. Sollte ein Problem mit der Kühlung auftreten, wird dies ebenfalls sofort gemeldet. Schon ab September sollte auch die Kundschaft den Warenbestand in den Automaten per App oder auf einer Homepage abfragen können. «So werden Leerfahrten vermieden.» 

Remo Meier erklärt, wie die Idee für die Metzger-Box entstand und wie sie funktioniert.

Kein Bargeld

Der Warenbezug funktioniert nur mit bargeldlosen Zahlungsmitteln. Akzeptiert werden Kreditkarte und Post- oder EC-Karte mit NFC-Code. In der Metzgerei gibt es zudem spezielle Kundenkarten, die jederzeit wieder aufgeladen werden können. Der Entscheid kein Bargeld anzunehmen, sei wegen der Gefahr von Vandalismus gefallen, erklärt Meier. Wer mehrere Produkte beziehen möchte, braucht etwas Geduld. Es ist immer nur eine Transaktion möglich.

Und was, wenn ein Stück Fleisch auf der Verpackung mit 12.45 Franken angeschrieben ist, aber 17 Franken abgezogen werden, weil die Schublade auf diesen Preis programmiert ist? «Das Retourgeld klebt an der Verpackung des Fleisches», antwortet Meier. «Es wird niemand abgezockt.»

«Mein Ziel ist es, dass ich vier oder fünf Automaten in der Region hätte. Zurzeit bin ich noch auf der Suche nach geeigneten Standorten», meint Remo Meier. Das Sortiment werde je nach Jahreszeit und Kundenwünschen angepasst.

Würde eine Metzger-Box in einem Nachbardorf beispielsweise vor einer Bäckerei platziert, dann könnte auch der Bäcker seine Produkte im Automaten verkaufen. «Von der Technik her ist das alles möglich und auch das Abrechnen geht problemlos.»

Ergänzung zum persönlichen Kontakt

Konkurrenziert sich die Metzgerei mit den Automaten nicht selbst? «Wir können und wollen unsere Öffnungszeiten nicht weiter ausdehnen. Früher hatten wir noch Möglichkeiten Tankstellenshops mit unseren Waren zu beliefern. Seit nur noch die drei Grossen die Shops betreiben, ist das nicht mehr gefragt.»

Die Automaten seien als Ergänzung zum Laden gedacht. «Der Laden wird auch in Zukunft unser Hauptgeschäft sein. Viele Kunden möchten weiterhin persönlich bedient werden oder haben Spezialwünsche. Diese können wir mit dem Angebot im Automaten nicht befriedigen.» Tatsächlich soll die Metzger-Box aber bis Ende Jahr so programmierbar sein, dass das Abholen einer Bestellung ausserhalb der Öffnungszeiten im Automaten möglich sein sollte.

Noch kämpft Remo Meier mit einigen kleineren technischen Schwierigkeiten. Aber das Echo auf das Angebot sei positiv. Am letzten Wochenende seien die Produkte «recht gut» gelaufen, wie der Metzger erklärt.

SZ-Redaktorin Rahel Meier testet die «Metzger-Box»