Regionalturnfest
Hier etwas mehr Akrobatik, da etwas mehr Kunst

Ob altersmässig schon näher der AHV als dem Lehrlingslohnkonto mit Vorzugszins – Vereinsturnen vereint die Turnerfamilie zum vereinten Wettstreit. So auch am Regionalturnfest in Bellach.

Michael Schenk
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Eine gelungene Figur zeigt der STV Bettlach.
93 Bilder
STV Bettlach
STV Bettlach
Regionalturnfest Bellach: Der Samstag
Auf Besuch aus Wichtrach
Biberist aktiv
Bettlacher wirft den Schleuderball
Bettlacher wirft den Schleuderball
Solothurner spielen Intercross
Der Zeltplatz
Fulenbacher machen das Moosgummiring-Spiel
Fulenbacher machen das Moosgummiring-Spiel
Fulenbacher machen das Moosgummiring-Spiel
Selzacher machen den Fachtest Korbball
Selzacher machen den Fachtest Korbball
Fulenbacher trainieren fur den Stressball
Fulenbacher trainieren fur den Stressball
TV Günsberg
Dieses Spiel mennt sich Goba
Wer keinen Einsatz hat, vertreibt sich die Zeit auch gerne mit einem Kartenspiel
Frauenriege Lüterkofen-Ichertswil
Biberist aktiv beim Aufwärmen
Biberist aktiv
TV Lommiswil in Aktion
TV Lommiswil in Aktion
Frauen des TV Lommiswil
Biberist aktiv
Biberist aktiv
Biberist aktiv
Biberist aktiv
Biberist aktiv
Biberist aktiv
Biberist aktiv
Biberist aktiv
Biberist aktiv
Biberist aktiv
Geradezu orientalisch muten die Tänzerinnen des TV Subingen an.
TV Subingen
TV Subingen
STV Selzach
STV Selzach
STV Selzach
STV Selzach
STV Selzach
STV Selzach
Ein tolles Schlussbild am Stufenbarren zeigen die Turnerinnen und Turner vom STV Selzach.
STV Selzach
Zeit für einen Schwatz bleibt für die Männerriege Subingen.
Zuchwil
Viel Kraft braucht der Lommiswiler Kilian Hofer fürs Steinstemmen.
35 Stemmungen (zusammen links und rechts) sollten gemacht werden, damit es Punkte gibt.
Sabine Heimgartner vom STV Amenstein aus dem Aargau. Weil dieses Jahr im Aargau nichts läuft, ist die Mannschaft halt auf Besuch gekommen.
6 steht für Kilo

Eine gelungene Figur zeigt der STV Bettlach.

Hansjörg Sahli

Hier sind es Salti, Schrauben, Hecht- und Konter-Elemente über dem Holm am topmodernen Stufenbarren, da ist es ein Schwebesitz oder ein Kauerhang am Stufenbarren, wie wir ihn alle aus der Schulzeit kennen. Hier ein kolossaler Doppelsalto mit anderthalb Rotationen als Abgang, da ein sanftes Ausleeren rückwärts über den hohen Holm. Hier die, die Steingruber, Barloggio oder Kaeslin heissen; da die, die vielleicht Studer, Christen oder Senfgurtner heissen. Alle gehören sie zur grossen Turnerschar.

Die einen werden dafür bezahlt, dass sie täglich stundenlang üben und sich rudelweise blaue Flecken einfangen, damit sie die Schweiz einst ehrenvoll an Titelkämpfen und Olympischen Spielen vertreten dürfen; die anderen bezahlen ihren Mitgliederbeitrag, damit sie ein-, zweimal pro Woche mit ihren Vereinskolleginnen und -kollegen munter mitturnen und sich auf das nächste Fest vorbereiten dürfen.

Niemand missgönnt den Erfolg

Während für die Stars der Kunstturnszene das akrobatische Element erstrangig ist, glänzen die Vereinsturnerinnen und -turner immer wieder mit künstlerischen Einlagen, die mitreissen. Die effektvollen Bilder, die die Aktiven im Rahmen einer Gerätekombi, einer Gymnastik Bühne, Team-Aerobic oder einer Klein- oder Grossfeldgymnastik zu fetziger Musik auf den Rasen oder in die Hallen zeichnen, begeistern das Publikum.

Angefeuert werden die Aktiven dabei von Freund und «Feind». «Wir unterstützen uns alle gegenseitig und freuen uns füreinander», sagt Matthias Glutz, Leiter bei Biberist aktiv. Dem anderen den Erfolg missgönnen tut hier niemand – zumindest nicht hier am Regionalturnfest des RTV Solothurn und Umgebung in Bellach. Hier wird im Hinblick auf eine allfällige Resultatoptimierung nicht selektioniert, wer mitdarf und wer nicht.

«Bei uns dürfen alle mit, die dabei sein möchten und regelmässig trainieren», sagt Stefan Bussmann. Der Technische Leiter des TV Subingen stöckelt an Krücken durch die Botanik, weil er sich Ende April den Fuss am Barren anschlug und eine Knochenabsplitterung davontrug. «Pech gehabt», sagt er. Aber so könne er sich jetzt wenigstens voll auf seine vielfältige Aufgabe als Mädchen für alles konzentrieren.

Subingen und Biberist mögen sich prima. «Ja», bestätigt Glutz, «wir sind gut befreundet.» Als Vorbereitung auf das Fest in Bellach weilten beide Sieganwärter im 3-teiligen Vereinswettkampf, der Königsdisziplin also, Ende April am Oberwallisischen in Gampel. Damals behielt Subingen im innerkantonalen Vergleich knapp die Oberhand. «Natürlich geht man nicht an ein Fest, um zu verlieren», sagt Glutz. Aber, räumt sein Subinger Kollege Stefan Bussmann ein, «an erster Stelle steht, dass wir alle zusammen, die wir am Fest mitmachen, unsere bestmögliche Leistung abrufen und ein gutes Resultat erbringen.»

Hungerhaken und Wonneproppen

Gleicht im Spitzenkunstturnen ein Athlet dem anderen bezogen auf die Statur wie eine Red-Bull-Büchse der anderen, ist dies beim Vereinsturnen komplett anders und macht das besondere Etwas aus. Da turnen 15- und 55-jährig im gleichen «Geschwader». Ebenso wie der Hungerhaken neben dem Wonneproppen mit üppigem Weizenspoiler; die leichtfüssige Gazelle neben «Häuptling» stampfender Büffel und die, die den Rhythmus der Musik fühlt, neben dem, der diesen Rhythmus reflexartig missbilligt. Dieses facettenreiche Bild, das zu variantenreicher Musik interpretiert wird, unterstreicht den Sex-Appeal des Vereinsturnens im originärsten Sinn.

Am 25. Juni kann man sich an der Kantonalmeisterschaft in Biberist davon überzeugen. Dann erhalten auch die, die in Bellach ihr Potenzial vielleicht nicht gänzlich ausschöpfen konnten oder sich knapp geschlagen geben mussten, die Gelegenheit, es noch mal zu zeigen. Subingen ist da Titelverteidiger.

Die Ranglisten sind zu finden unter www.sotv.ch

Volle Konzentration auf den Sprung
25 Bilder
Volle Konzentration auf den Sprung
Turnerinnen können auch fliegen
Mit Konzentration und guter Technik am Reck brillieren
Mit Konzentration und guter Technik am Reck brillieren
Mit Konzentration und guter Technik am Reck brillieren
Mit Konzentration und guter Technik am Reck brillieren
Mal auf dem Boden bleiben, mal abheben
Mal auf dem Boden bleiben, mal abheben
Die Turnerinnen warten auf ihren Wettkampf.01
Es gibt viel zu beobachten
Den Wettkampfrichtern entgeht kein Detail
Die Turnerinnen warten auf ihren Wettkampf.02
Mal auf dem Boden bleiben, mal abheben
Mal auf dem Boden bleiben, mal abheben
An den Ringen durch die Turnhalle schweben.01
An den Ringen durch die Turnhalle schweben.04
An den Ringen durch die Turnhalle schweben.03
Die junge Turnerin traut dem Wetter nicht
Beim Weitsprung das ganz Weite suchen.04
Beim Weitsprung das ganz Weite suchen.03
Beim Weitsprung das ganz Weite suchen.02
Beim Weitsprung das ganz Weite suchen.01
An den Ringen durch die Turnhalle schweben.02
Beim Hochsprung ans Limit gehen

Volle Konzentration auf den Sprung

Hanspeter Bärtschi

Kostbarer Sieg in der Heimat

Der TV Kaufleute Solothurn ist eine Hochburg der nationalen Geräteturn-Szene und damit logischerweise auch der regionalen. Die Darbietung an den Schaukelringen, welche die 18 Turnerinnen und Turner in Bellach darboten, war ganz grosses Kino und gehörte zum Feinsten, was der Solothurner Vereinsturnsport zu bieten hat. Wenn die Turnerinnen und Turner während der Vorstellung noch blinken und leuchten würden, hätte das Programm nahezu Potenzial für den «Cirque du Soleil».

Wichtiger Teil dieser ausgezeichneten Geräteturn-Equipe ist der 23-jährige Jonas Kölliker. Seit sieben Jahren ist der Elektriker ununterbrochen Schweizer Meister in seiner Sparte. Seit vier Jahren in der höchsten Kategorie K7. Insofern erstaunt es nicht, dass sich der Meister auch am Regionalen in seiner Heimat den Titel holte. Die Höchstnote erzielte er dabei – genau, an den Schaukelringen. «Der Titel bedeutet mir sehr viel, weil ich im TV Bellach aufgewachsen bin und da in die Jugi ging.» Auch heute sind noch diverse Familienmitglieder von Jonas Kölliker aktiv im TV Bellach. Entsprechend gross war der Support, den der Lokalmatador, der einst zu den Kaufleuten wechselte, um sich weiterzuentwickeln, genoss. Dass die Rechnung aufging, ist für ihn, wie erwähnt, umso schöner.

Wobei – einen kleinen Schönheitsfehler hat Köllikers Gala in seinem «Vaterland». «Eigentlich hatten wir vor, hier einen Doppelsieg zu feiern», erzählt der Turnfestsieger. Er am liebsten natürlich auf 1 und Philipp Jehle auf 2. Nach einem Patzer musste Letzterer, der ebenfalls vom TV Bellach stammt, indes mit dem dritten Platz vorliebnehmen. Der gelungene Auftritt mit der Gruppe im Vereinswettkampf wird ihn mitunter darüber hinwegtrösten. (ms)