Dass ein Elektrorollstuhl von A nach B fährt, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Dass ein Mensch mit schwerer Beeinträchtigung von seinem Rollstuhl aus auch die Türe zu seinem Zuhause öffnen, die Beleuchtung darin anstellen, die Musikanlage bedienen oder den PC ansteuern kann, lässt staunen und ist dank Spezialprodukten, welche in Biberist entwickelt werden, möglich.

Die Curtis Instruments AG in Biberist entwickelt Steuerungsprogramme für komplexe High-end-Rollstühle. Verschiedene Rollstuhlhersteller, vor allem in den USA und in Deutschland, setzen auf ihren Rollstühlen Steuerungen aus dem Wasseramt ein.

High-end-Rollstühle sind zusätzlich ausgerüstet mit elektrisch verstellbaren Sitzen mit bis zu 10 Verstell-Motoren, die es auch ermöglichen, eine vorprogrammierte Sitzposition anzufahren. Eine Selbstverständlichkeit ist zudem heute auch, dass das optimierte Fahrverhalten für den Innen- und Aussenbereich gewählt werden kann.

Der Rollstuhl und speziell auch die Steuerung müssen für jeden Benutzer individuell und seinen Fähigkeiten entsprechend eingestellt werden können. Dabei bieten die neusten Produkte von Curtis rund 1000 verschiedene Parameter. Ungefähr 50 000 Elektrorollstühle werden jährlich mit Curtis Steuerungen ausgerüstet.

Jeder Kunde hat andere Bedürfnisse

«Einer der Benutzer kann vielleicht seine Hand noch brauchen. Ein Tetraplegiker steuert sein Gefährt möglicherweise mit dem Kinn oder über Saug/Blas-Kommandos. Eine junge Person möchte ein sportliches Fahrverhalten, eine betagte Person wünscht ein sanftes Fahren sowie eine einfach verständliche Anzeige.» Jede Situation erfordere eine andere Einstellung erklärt Kurt Stump (Geschäftsführer der Curtis Instruments AG).

Am weitesten verbreitet sind Steuerungen, die man mit der Hand via Joystick bedienen kann. Das ist auch möglich, wenn die Beweglichkeit der Finger stark eingeschränkt ist. Geht es jedoch darum, das Handy, die Fernbedienung des Fernsehers oder den PC zu bedienen, stehen viele Leute vor grossen Problemen. Auch hier bietet Curtis eine Lösung an. Eine serienmässig eingebaute Bluetooth-Schnittstelle sowie ein lernfähiges Infrarot-System, erlauben es dem Benutzer, Geräte, wie eben beispielsweise ein Handy, ohne fremde Hilfe über den Joystick zu bedienen.

Thomas Kurzen von der Curtis Instruments AG erklärt, wie die Steuerung eines Rollstuhls funktioniert

Thomas Kurzen von der Curtis Instruments AG erklärt, wie die Steuerung eines Rollstuhls funktioniert

Der Rollstuhl soll auch gefallen

Parallel zum Trend bei den Smartphones, werden auch die Steuerungen in Biberist weiterentwickelt. Die neuste Generation an Geräten, die im Herbst auf den Markt kommt, ist mit einem grossen Farbdisplay ausgerüstet und hat ein attraktives, modernes Design. Neu können auch die Gehäusefarben individuell bestellt werden. «Körperlich beeinträchtigte Menschen verbringen sehr viel Zeit im Rollstuhl. Ein Rollstuhl muss nicht nur möglichst benutzerfreundlich und bequem sein, der Rollstuhl soll auch gefallen», so Stump.

Kurt Stump ist einer der fünf Ingenieure, die vor 20 Jahren den Sprung wagten, ihre Arbeit in Lohn-Ammannsegg aufgaben und für die Curtis Instruments AG tätig wurde. «Wir wussten damals nicht, was genau auf uns zukommt.» Dank grossem Einsatz erarbeitete sich das Team in Biberist eine wichtige Position innerhalb des Konzerns. Mit Stolz wurde im Mai das 20-jährige Bestehen in Anwesenheit des CEO Stuart Marwell gefeiert.

«Der Konzern ist sehr erfolgreich und auf eine langfristige Strategie ausgelegt. Der Grossteil des Gewinns wird wieder in die Firma investiert um konkurrenzfähig zu bleiben», so Stump. Curtis sei zwar eine amerikanische Firma, aber ein fortschrittlicher Arbeitgeber. Der CEO besuche die Niederlassung in der Schweiz jedes Jahr und kommt nicht per Limousine, sondern mit dem öV nach Biberist. Dabei kenne er praktisch jeden Mitarbeiter bei Namen kennt und begrüsse jeden persönlich.

Austausch über Landesgrenzen hinweg

Die Ingenieure der Curtis Instruments AG in Biberist entwickeln ihre Produkte nicht nur, sie verfolgen sie von der ersten Idee bis hin zur Produktion. «Das macht die Arbeit hier auch so spannend», meint Kurt Stump. Sei ein Produkt reif für die Fabrikation, dann sei auch der Ingenieur aus Biberist in der jeweiligen Produktionsstätte vor Ort. «Wir tauschen uns regelmässig auch mit den Ingenieuren in den anderen Entwicklungszentren aus.» Zudem sei es möglich, dass ein Schweizer Ingenieur ein Jahr in einem anderen Land verbringe und sich so firmenintern weiterbilde.

Die Mitarbeiter in Biberist haben gemeinsam ihre Kernwerte definiert die Kompetenz, Innovation, Wertschätzung und Freude an der Arbeit heissen. «Unsere Produkte ermöglichen Menschen mit schwerer Beeinträchtigung, länger mobil und unabhängig zu bleiben und weniger auf fremde Hilfe angewiesen zu sein», so Stump. Das sei extrem befriedigend.