Nennigkofen
Herzblutprojekt steht auf der Kippe: Tierferienheim sucht neuen Standort

Der heutige Standort Höfli 66 des Tierferienheims in Nennigkofen wurde gekündigt wegen Eigenbedarfs der Besitzer.

Lucilia Mendes von Däniken
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Tierheim-Besitzerin Alice Rindlisbacher (vorne) wird unterstützt von Sabine Hess (links) und Romina Meyer.

Tierheim-Besitzerin Alice Rindlisbacher (vorne) wird unterstützt von Sabine Hess (links) und Romina Meyer.

Hanspeter Bärtschi

«Es tut schon weh, wenn ein Herzblut-Projekt plötzlich auf der Kippe steht», erklärt Alice Rindlisbacher, bei einem Rundgang durch das Tierferienheim Höfli 66 in Nennigkofen. Sie muss eine neue Bleibe suchen.

Seit rund 22 Jahren ist die Leiterin des Heims emotional mit diesem Ort verbunden: «Als ich elf war, habe ich ein paar Tage hier gearbeitet. Und schon damals war mir klar: Hier gehöre ich hin.» Aus Schnuppertagen wurden Praktika und anschliessend durfte die Tierliebhaberin im «Höfli» sogar die Lehre als Tierpflegerin absolvieren. Ihr gefiel die Arbeit mit den Tieren sowie deren Besitzern, und sie fühlte sich auf dem Gelände nahe am Waldrand jederzeit wohl. Für sie war klar: «Sowas möchte ich selber auch mal aufbauen.» Um diesen Traum realisieren zu können, begann sie in einem grossen Unternehmen Schicht zu arbeiten – sechs Jahre lang. Mit dem Ziel, Geld für ihren Traum zu sparen.

Aus dem Traum wird Wirklichkeit

Und dann kam vor fünf Jahren der Anruf von Ueli Stierlin, dem damaligen Leiter des Tierferienheims. Er fragte Alice Rindlisbacher, ob sie Interesse hätte das «Höfli» von ihm zu übernehmen. Für die damals 29-Jährige ging ein Traum in Erfüllung. Ein Jahr lang arbeitete sie parallel im Schichtbetrieb weiter, lernte aber gleichzeitig von Ueli Stierlin alles Nötige, um das Unternehmen in Eigenregie führen zu können.

2017 war es soweit: Rindlisbacher übernahm den Betrieb. Sie war nun nicht nur dafür zuständig, dass für die Kunden alles im gewohnten Rahmen weitergeführt werden konnte. Sondern Alice Rindlisbacher begann nach und nach zusammen mit Sabine Hess und dem restlichen Team neue Richtungen einzuschlagen, wie zum Beispiel Social-Media-Kanäle zu bewirtschaften. Zudem legt das ganze Team grossen Wert darauf, allen Richtlinien jederzeit gerecht zu werden.

Weniger Tiergäste wegen der Coronakrise

Die grösste Herausforderung ist aber die aktuelle Situation. Das Höfli-Team spürt Coronakrise: «Da die Leute nicht in die Ferien verreisen, haben wir viel weniger Tiere im Heim.» Dankbar ist man darum darüber, treue Tagesgäste zu haben. Aktuell sind es etwas mehr als zehn Hunde, was etwa einem Drittel der üblichen Auslastung entspricht. Schlaflose Nächte bereitet Alice Rindlisbacher aber die Tatsache, dass sie für ihr Tierferienheim ein neues «Zuhause» finden muss, da der Besitzer Eigenbedarf angekündigt hat.

Sie weiss: «Es wird nicht einfach, etwas Vergleichbares zu finden, denn die Bedingungen hier sind optimal.» Mit Inseraten, der Unterstützung des privaten Umfeldes, welches Augen und Ohren offenhalte, sowie mit unzähligen Abklärungen arbeitet sie mit Hochdruck daran, dass ihr Traum und notabene ihre Existenz nicht auf Grund läuft, sondern ein Happy End findet.

Gesucht wird in erster Linie in der Region

«Wir suchen ein grosses Gebäude oder Bauland mit rund 2500 Quadratmetern Umschwung. Aus lärmtechnischen Gründen wohl am Rande eines Industriegebietes oder einer Gewerbe-Wohnzone.» Liegenschaften in der Landwirtschaftszone seien für sie von Gesetzes wegen kaum mehr nutzbar, erklärt sie. Nähe zu Wald oder Wiesen wäre wünschenswert. Vom Einzugsgebiet her fasst sie die Region zwischen Grenchen und Wangen an der Aare sowie den Bucheggberg ins Auge: «Alles andere wäre zu weit. Wir möchten unsere Stammkunden nicht verlieren.» Auch wenn ihr bewusst ist, dass die Suche nicht einfach wird: «In diesem Werk steckt so viel Herzblut drin, da lohnt es sich dafür zu kämpfen.