«Auf einen Kaffee mit …»

Helene Fischer machte dann doch keine Gesangskarriere

Helene Fischer aus Küttigkofen wurde kürzlich 91 Jahre alt. Wir gratulieren.

Helene Fischer aus Küttigkofen wurde kürzlich 91 Jahre alt. Wir gratulieren.

In Küttigkofen SO lebt Helene Fischer. Sie ist 91-jährig und hat mit dem gleichen Namen einer berühmten deutschen Schlagersängerin schon viel erlebt.

Am 30. Juli feierte Helene Fischer ihren Geburtstag. Nein, natürlich nicht jene, die Konzerthallen und Klatschspalten füllt – sie hat heute, am 5. August. Wir meinen jene, die vor 91 Jahren in Unterramsern als Tochter des Posthalters Ziegler geboren wurde. «Sie glauben ja nicht, was ich mit dem Namen schon alles erlebt habe», sagt die vife Seniorin am Gartentisch sitzend in der Hostet ihres Hauses in Küttigkofen. 

Hier lebt sie, seit sie als 20-Jährige ihren Mann geheiratet hatte, der 1993 leider schon verstorben ist. Lange Jahre sei ihr Name kein Thema gewesen, erzählt sie weiter. Ausser, dass der Vorname eher selten war. Tatsächlich findet man Helene in der Schweiz wenig. Häufiger kommt die französische Version «Hélène» oder die italienische «Elena» vor.

Helene weiss aber genau, warum sie diesen Namen trägt. «Mein Grossvater gab ihn mir. Und zwar hatte er zwei Schwestern, die im Welschland wohnten und ihm den Namen schmackhaft machten. Also wurde ich so genannt – allerdings ohne Accent.» So steht es auch im Taufregister. Sie sei als junges Mädchen weit und breit die Einzige mit diesem Namen gewesen. Ihre Kameradinnen hiessen Frieda, Anna oder Lisa, vielleicht noch Leni.

Was die 91-jährige Helene Fischer aus Küttigkofen von ihrer Namensvetterin hält

Was die 91-jährige Helene Fischer von ihrer Namensvetterin hält

Ein grosses Quantum Humor

Erst seit die Schlagersängerin aus Deutschland mit diesem Namen für Furore sorgt, bekam auch Helene Fischer aus Küttigkofen eine Öffentlichkeit. Doch die rüstige 91-Jährige nimmt es mit Humor; und zwar mit einem recht grossen Quantum davon. «Vor einigen Jahren hat mich ein Mann, der Hochdeutsch sprach, angerufen. Ich habe ihn fast nicht verstanden, ausser, dass er vorbeikommen wolle.

Das wollte ich nun gar nicht und habe den Hörer einfach aufgelegt. Zwei Tage später rief eine Frau an und entschuldigte sich. Ihr Kollege und ich hätten uns wohl nicht verstanden. Sie seien Journalisten eines Boulevard-Heftlis und suchten alle Helene Fischer aus der Schweiz auf, um mit ihnen eine Reportage zu machen. Doch ich hatte kein ‹Musigghör›. Später sah ich die Reportage in diesem Heftli. Das hat mir kein bisschen leidgetan, dass ich da nicht dabei war.» Helene Fischer lacht herzhaft.

Klar falle sie mit ihrem Namen auf, es gebe auch von Bekannten und Freunden immer wieder Sprüche. Doch sie ist um eine Antwort nie verlegen. Auch dieses «Kaffee mit …» ist schliesslich entstanden, weil die Redaktion aufgrund der Gratulation zum 91. Geburtstag auf ihren Namen aufmerksam wurde. Man fühlt sich also geehrt, mit Helene Fischer dieses Gespräch führen zu können, wenn doch andere Journalisten eine Abfuhr bekamen. «Das ist etwas anderes», sagt die Küttigkoferin. «Diese Zeitung haben wir seit 1948 abonniert. Die gehört zu mir.» Sagts, obwohl die Augen in jüngster Zeit nicht mehr so klar sehen wollen. «Ich höre auch viel Radio.» Ihr gefalle jede Musik, auch die modernere. «Doch am liebsten höre ich schon volkstümlich, Jodellieder.»

Mit dem Singen aufgehört

Und dann erzählt sie, dass sie vor langer Zeit in einem Solothurner Jodelchörli mitsang, und zwar so gut, dass man sie zum Solo-Jodel-Unterricht nach Zürich schicken wollte. «Doch mein Mann war dagegen. Er meinte, ich wäre zu viel weg dadurch. Ich solle ‹zur Burscht schauen›, wie man damals das Kinderbetreuen nannte. Da hab ich mit dem Singen gleich ganz aufgehört.» War das keine Enttäuschung? «Nein, nein. Ich hatte mit vier Kindern, dem Haushalt mit grossem Garten wirklich genug zu tun.» Wäre Helene damals dennoch in den Jodelkurs gegangen – wer weiss, vielleicht hätte man den Namen Helene Fischer schon früher in volkstümlichen Kreisen zur Kenntnis nehmen müssen.

Ihr gefalle die Musik von Helene Fischer, sagt ihre Namensvetterin. «Und wenn sie im Fernsehen auftritt, schaue ich immer. Aber ich mag auch den Polo», setzt sie noch hinzu. Ob es denn nicht auch mal schön wäre, an einem Konzert der Schlagersängerin mit dabei zu sein? «Ja, warum eigentlich nicht», meint Helene Fischer verschmitzt. Im Herbst tritt die Sängerin jedenfalls in Zürich auf. Vielleicht ist ihre Namensvetterin aus Küttigkofen mit dabei.

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