Bleichenberg

«Heimat schafft, wer Grenzen öffnet und Anteil nimmt»

Reges Treiben an der Landesfeier der Gemeinden Biberist, Derendingen und Zuchwil. Rund tausend Menschen waren zu Besuch und hörten die Predigt von Christoph Zingg und die Rede von Landammann Roland Heim.

Mit Lampionumzug, Feuerwerk, Alphornklängen, Musik, Essen und Getränk wurde auf dem Bleichenberg der 1. August von Derendingen, Biberist und Zuchwil gemeinsam gefeiert. Rund tausend Besucherinnen und Besucher fanden sich bei der Festanlage ein.

«Es war ein wunderbarer Anlass», zieht Beatrice Schibler, Präsidentin der Kulturkommission Zuchwil, eine erste Bilanz. Die Kulturkommissionen der drei Gemeinden haben die Veranstaltung organisiert. «Die Besucherzahl entsprach dem Rahmen der Vorjahre und die Stimmung war sehr gut.»

Den Auftakt der Bundesfeier bildete der traditionelle ökumenische Gottesdienst, dafür waren fast alle Tische im Festzelt besetzt. Eingeladen war Pfarrer Ernst Sieber, der Gründer der Sozialwerke.

Seit über sechzig Jahren setzt er sich für die sozial Schwächsten der Gesellschaft ein. Aus Altersgründen war es dem Neunundachtzigjährigen nicht möglich, persönlich anzureisen, weshalb als sein Vertreter der Leiter der Sozialwerke, Christoph Zingg, die Predigt hielt.

Menschen ohne Heimat

Die Sozialwerke Pfarrer Sieber kümmern sich um Menschen, die jeglichen Halt im Leben verloren haben und in eine Spirale geraten sind, aus der sie nicht mehr selbst herauskommen können. «Zu uns kommen Menschen, die hungern, keine Perspektive mehr haben, obdachlos und vereinsamt sind», beschrieb Zingg.

Diese Menschen hätten ihre Heimat verloren, niemand hilft ihnen. Hierfür zitierte der Theologe Autorin Margot Bickel: «Eines Menschen Heimat ist auf keiner Landkarte zu finden, nur in den Herzen der Menschen, die ihn lieben.»

Die Menschen, die in den Sozialwerken Hilfe suchen, dies aus verschiedenen Gründen wie Drogen, Gewalt oder Flucht. «Oft hätte es nur jemanden gebraucht, der dieser Person ein offenes Ohr geschenkt hätte», so Zingg.

Wichtig sei, sich nicht zu entziehen, sondern zu helfen. «Indem man jemandem zuhört, jemandem Obdach gewährt, jemandem etwas zu essen gibt, schafft man es in das Herz eines Menschen hinein und schafft damit ein Stück Heimat.»

Es sei verständlich und auch rechtens, dass man das schützen möchte, was einem wichtig sei. Jedoch sei totale Abschottung nicht die Lösung. Zingg: «Zuerst und zuletzt sprechen wir hier von Menschen mit Gesichtern, mit Geschichten und Talenten, von Menschen, deren Welt in Trümmern liegt.

Wir sollten vermehrt Herzenswerker sein. Heimat schafft, wer Grenzen öffnet und Anteil nimmt.»

Sich für die Vielfalt einsetzen

Bei der diesjährigen Festansprache würdigte Landammann Roland Heim das Engagement der Menschen, die sich ehrenamtlich für die Schweiz, den Kanton und die Gemeinde einsetzen und ihr Bestehen überhaupt möglich machen.

Zunächst bedankte sich Heim für die Einladung der drei Kulturkommissionen: «Ich habe viele öffentliche Auftritte, aber die Ansprache zur Bundesfeier halten zu dürfen, ist etwas Besonderes.»

Die Schweiz definiere sich nach Heim durch ihre vielfältige Kultur. Eine grosse Gemeinsamkeit in allen Kantonen bestünde aus den Menschen, die in ihrer Freizeit zusammensitzen und sich in irgendeiner Weise für diese Vielfalt einsetzen. Im Kanton Solothurn würden sich so Tausende für die Politik engagieren. «Sie wissen, wo der Schuh drückt, da sie aus der Mitte des Volkes kommen.» Diese Arbeit wird zusätzlich zur Berufstätigkeit ausgeführt, oft ohne Lohn. Nicht nur in Ämtern, sondern viele wirkten auch im Hintergrund mit.

«Minderheit» bestimmt

«Es ist bezeichnend, was an Engagement geleistet wird. Auch bei den Nationalratswahlen. Dort oft für fremde Kandidaten. Dahinter steckt viel Zeit und Herzblut», so Landammann Heim.
Heutzutage sei es manchmal nicht leicht, eine Nachfolge für ein Amt zu finden. Die best organisierte Demokratie nütze zudem nichts, wenn die Stimmberechtigten nicht an die Urne gingen.

Gegenwärtig würden die Geschicke des Kantons wegen der geringen Stimmbeteiligung von einer Minderheit bestimmt. «Man soll seine Stimmberechtigung wahrnehmen und sich auch für die Vielfalt einsetzen.»

Wenn man nicht aktiv mitmachen könne, dann zumindest ideell oder finanziell. Nur so könne die Schweiz auf diese Weise weiter existieren.

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