Die Pöbelmannschaft soll das 3. Liga-Team von FC Fulgor Grenchen sein. Die Urteile über diese Mannschaft in Kommentaren auf der regionalen Internetplattform fussballnetz.ch sind klar: «Fulgor stiftet Wochenende für Wochenende Unruhe.

Es wird beleidigt und provoziert wo es nur geht. Die Strafpunkte sprechen Bände», schreibt «Affolter». «Mannschaften, die beleidigen, treten usw. gehören nicht auf den Fussballplatz», schreibt «Fussballrentner». Mit Strafpunkten ist die Fairplay-Wertung gemeint. Eine Gelbe Karte gibt 1 Strafpunkt, ein Platzverweis 3 bis 10 Strafpunkte.

Lommiswil führt die Fairplay-Rangliste an mit 10 Strafpunkten in 11 Spielen. Fulgor ist der böse Bub aller 24 Mannschaften in der 3. Liga und steht mit 69 Strafpunkten aus 11 Spielen abgeschlagen am Ende der Tabelle.

Am 9. Oktober kam es im Spiel FC Lommiswil gegen FC Fulgor Grenchen zum Spielabbruch. Die Fulgor-Spieler lagen früh mit 3 Toren im Rückstand und sollen in der Folge jeden Entscheid des Schiedsrichters heftig kritisiert haben, bis es dem Schiedsrichter zu bunt wurde und er das Spiel abpfiff.

Schwere Beleidigungen

Die Wettspielkommission hat nun für den 4. November um 20 Uhr eine Spielwiederholung angesetzt. Das führt zu harscher Kritik im Internet. «Dieses ‹Urteil› ist einfach nur eine Frechheit», schreibt der «Fussballrentner».

Ironisch rät er Mannschaften, die klar zurückliegen, den Schiri anzupöbeln und zu beleidigen, bis dieser keinen Bock mehr hat. «Ihr kriegt ja dann eine neue Chance mit einem Wiederholungsspiel.» Ein anderer kommentiert: «Wenn der Verband einem Schiedsrichter, welcher endlich einmal den Mut hatte, dem unsäglichen Verhalten einiger Spieler und Vereine Einhalt zu gebieten, in den Rücken fällt, fördert er schlussendlich solches angesprochene Verhalten.»

Jan Lanz, Präsident der Wettspielkommission beim Solothurnischen Fussballverband will nicht widersprechen. «Wir wollen auch unsere Schiedsrichter schützen, aber die Reglemente lassen keine anderes Urteil zu.» Er persönlich hätte vielleicht anders entschieden, «aber das Recht spricht eine andere Sprache».

Der Schiedsrichter habe formale Fehler gemacht. Ein Forfait-Sieg sei nicht möglich. «Die Regeln besagen, dass der Schiedsrichter alles dafür tun muss, das Spiel zu beenden. Das hat er nicht getan», erklärt Lanz. Der Schiedsrichter müsse auf dem Feld handeln, entweder mit Karten oder anderen Massnahmen.

«Wenn er weitere rote Karten verteilt bis nur noch sechs Spieler auf dem Feld stehen, hätte er abbrechen dürfen. Oder wenn er bedroht wird oder eine Tätlichkeit gegen ihn erfolgt.» Aber wenn der Schiedsrichter sagt, ihm gingen die Beleidigungen zu weit, dann reiche dies nicht aus, so Jan Lanz. Diese Regeln seien zu befolgen und gelten auch in den höheren Ligen. Laut Lanz hat der Schiedsrichter falsch reagiert. «Ihm ist die Situation über den Kopf gewachsen.»

Kein Rekurs des FC Lommiswil

Jan Lanz verweist darauf, dass das Urteil noch nicht endgültig ist. Die Vereine können Rekurs einlegen. Aber FC Lommiswil verzichtet, wie der Vereinspräsident Jean-Claude Gerber erklärt. Er wolle das Vorgefallene auch nicht kommentieren.

Fulgor-Vereinspräsident Peter Zumstein aus Nennigkofen sagt, dass die Strafpunkte seiner Mannschaft zu Fehleinschätzungen verleiten würden. «Wir hatten anfangs der Saison einen Spieler eingesetzt, den wir nicht hätten einsetzen dürfen. Deshalb wurden uns viele Strafpunkte aufgebrummt.» Jan Lanz bestätigt diesen Sachverhalt.

Fulgor habe in Freundschaftsspielen und Wettspielen fälschlicherweise einen Spieler auflaufen lassen. «Das kann passieren.» Ohne diesen Fehler hätte Fulgor im Schnitt 3 bis 4 Gelbe Karten pro Spiel. «Das ist nicht toll, aber im Rahmen. Ich weiss aber nicht, weshalb die Karten verteilt wurden, ob wegen Fouls oder wegen übermässigem Reklamierens.»

Den Entscheid, ein Wiederholungsspiel anzusetzen, bezeichnet Peter Zumstein als richtig. Selber war er nicht anwesend am Spiel in Lommiswil. Er bedauert das Vorgefallene, weist aber darauf hin, dass heutzutage auf dem Fussballplatz eine derbe Sprache gesprochen wird. «Das verurteile ich sehr.» Weil in seiner Mannschaft viele Ausländer mitkicken, die Deutsch schlecht verstehen, komme es zu Missverständnissen.

Oft würden auch vom Spielfeldrand aus die Spieler mit beleidigenden Worten eingedeckt. «Ich habe den Trainer der Mannschaft angewiesen durchzugreifen, auch wenn wir deswegen absteigen müssten.» Nun will er das Wiederholungsspiel besuchen, obwohl er nicht gerne nach Lommiswil an ein Fussballspiel gehe, «weil wir dort seit Jahrzehnten immer ein grosses Theater haben».