Altreu
Hälfte der Jungstörche ist wohl wegen Regen gestorben

Im Storchendorf Altreu sind diverse Jungtiere in ihren Nestern verendet. Der verregnete Juni hat den Nachwuchs etwa um die Hälfte dezimiert. «Es sieht nicht so gut aus», sagt Storchen-Expertin Renata Gugelmann.

Christof Ramser
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Blick in ein Altreuer Storchennest. Etwa die Hälfte der durchnässten Jungtiere dürfte die aktuelle Regenperiode nicht überleben.

Blick in ein Altreuer Storchennest. Etwa die Hälfte der durchnässten Jungtiere dürfte die aktuelle Regenperiode nicht überleben.

Willi Ingold

Der verregnete Juni setzt den Störchen in Altreu zu. Jetzt, einige Wochen nachdem die Tiere im Storchendorf geschlüpft sind, zeigt sich allmählich das Ausmass der Verluste. Diverse Störche sind verendet. «Es sieht nicht so gut aus», sagt Renata Gugelmann vom Infozentrum Witi in Altreu.

Zwar sehe man erst bei der Beringung nächste Woche, wie viele Tiere in den 42 Horsten überlebten. «Wenn wir dieses Jahr 30 Junge haben, dann sind das bereits viel.» Zum Vergleich: Letztes Jahr wurden in Altreu 60 Jungstörche aufgezogen. Viktor Stüdeli, der sich für die Schutzzone Witi engagiert, schätzt den Ausfall der Jungtiere dieses Jahr auf 50 Prozent. «Das ist aber von unten schwierig zu erkennen.»

Da alle 42 Brutpaare im Normalfall mehrere Junge haben, dürfte der Nachwuchs dieses Jahr also kleiner ausfallen als in anderen Jahren. Dramatisch sei das nicht. «Es ist ein Ausfall, wie er hin und wieder vorkommt. Das ist die natürliche Selektion der Natur», sagt Stüdeli. Auch Renata Gugelmann ist überzeugt, dass die schlechte Brutsaison in anderen Jahren wieder ausgeglichen wird.

Junge aus dem Nest geworfen

Bessere Überlebenschancen haben jene Störche, die bereits etwas grösser sind. «Die kleineren Jungtiere sind gefährdeter», sagt Gugelmann. Anfang Mai zählte sie in einem Horst vier Jungtiere. «Jetzt ist dort nur noch eines drin.»

Meistens schmeissen die Elterntiere die toten und teilweise auch die lebenden Vögel aus dem Nest. Dann dauert es nicht lange, bis sich ein Fuchs oder ein Raubvogel die Beute schnappt. Teilweise werden sie auch von den zusätzlichen Ästen überdeckt, mit denen Meister Adebar seinen Horst weiterbaut.

Aufgrund des noch feinen Daunenkleides sei es nicht möglich, die geschwächten Jungtiere aufzupäppeln, bemerkt Gugelmann. Sie müssen stets warmgehalten werden. Das ist in den feuchten und dicht gebauten Nestern, wo die Küken teilweise im Wasser liegen, für die selbst durchnässten Muttertiere schwierig. Die Nester saugen das Wasser richtiggehend auf.

Frosch und Co. machen sich rar

Problematisch ist das Regenwetter nicht allein wegen der Nässe. Weil die Bauern das Gras nicht mähen können, steht es derzeit hoch. «So finden die Störche nur schlecht Futter für die Jungtiere», sagt Gugelmann. Frosch und Co. machen sich also rar. Zudem fiel vor zwei Tagen wegen des zu hohen Gewichts sogar ein Horst von einem Baum runter.

Schwarzmalen mag die Storchenkennerin Renata Gugelmann wegen des Ausfalls nicht. Ein Besuch in Altreu lohne sich auch trotz des nassen Wetters. Im Infozentrum Witi gebe es nämlich auch eine interessante Ausstellung zu sehen – über Regenwürmer.