Gerlafingen

Hadorn gegen Wyssmann: Die beiden diskutieren im Keller über verkehrspolitische Themen

Rémy Wyssmann (links) und Philipp Hadorn (rechts) beantworten Fragen von Radiomann Marco Jäggi.

Rémy Wyssmann (links) und Philipp Hadorn (rechts) beantworten Fragen von Radiomann Marco Jäggi.

Rémy Wyssmann (SVP) und Philipp Hadorn (SP) duellieren ich in Gerlafingen zu umweltpolitischen Themen.

Am Gerlafinger Klimagipfel mit den Themen Luft, Lärm und Lebensraum kreuzten die beiden Nationalratskandidaten Philipp Hadorn (SP-Nationalrat) und Rémy Wyssmann (SVP-Kantonsrat) die Klingen. Gesprächsleiter Marco Jaggi, SRF-«Regionaljournal», setzte den Kandidaten in einem Podiumsgespräch im Kulturkeller vier Fragen zu brandaktuellen verkehrspolitischen Themen vor.

Ob der Ausbau der A1 auf sechs Spuren für 900 Mio. Franken sinnvoll sei, warf er als Erstes in die Runde. Sowohl Hadorn als auch Wyssmann befürworten den Ausbau. Hadorn würde den Betrag am liebsten noch erhöhen, damit man eine für die Anwohner erträgliche Lösung finden könnte. Eine Lösung mit mehr Qualität und ohne Verlust von Landwirtschaftsland. «Ausbau ja, aber untertunnelt», plädierte er. Wyssmann, der täglich Richtung Oensingen im Stau steht, ist eine rasche Lösung wichtiger als der Erhalt von Landflächen. Zu viele Staustunden würden wirtschaftlichen Schaden anrichten, ist er überzeugt.

Auch bei der geplanten Umfahrung Klus-Balsthal sind sich die Kontrahenten grundsätzlich einig, nämlich darin, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht stimme. Eine Lösung für diese Region sieht Hadorn einzig darin, den öffentlichen Verkehr zu fördern. Wyssmann ärgert sich, dass man in den Sechzigerjahren keine Tangente gebaut hat. «Der Kanton macht immer nur Pflästerlipolitik, anstatt einen grossen Wurf zu landen», kritisierte er.

Zunehmender Verkehr in der Region

In seinem Eingangsreferat hatte Kjell Kolden, Abteilungsleiter öffentlicher Verkehr beim Kanton, bis 2040 ein Wachstum des motorisierten Individualverkehrs um 30 Prozent für die Region vorausgesagt. Wyssmann macht dafür die Einwanderungspolitik verantwortlich. Hadorn sieht vielmehr den allgemeinen Mobilitätshunger als Ursache. Er fordert Lenkungsmassnahmen, um die Leute dazu zu bringen, umzudenken und aufs Auto zu verzichten, wenn man es nicht unbedingt brauche. Diese bräuchte es nur als Übergangslösung, bis sich die Leute umgewöhnt hätten, ist er überzeugt. Er geht mit Kolden einig, dass beim Langsamverkehr und beim öffentlichen Verkehr noch viel unausgeschöpftes Potenzial vorhanden sei. Um dieses zu nutzen, brauche es Förderungsmassnahmen von der Politik.

Mit Koldens Vorschlag, in der Stadt Solothurn Parkplätze zu streichen, um die Leute zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu zwingen, kann Wyssmann gar nichts anfangen. Er befürchtet dadurch den Verlust von Kleingewerbe. Auch spricht er sich vehement gegen Lenkungsmassnahmen aus. «Solche Massnahmen sind ein Eingriff in die persönliche Freiheit», wetterte er. «Wir sind mündige Bürger, die selber entscheiden können». Hadorn sieht solche Massnahmen jedoch als kollektive Spielregeln an, die nötig werden, wenn die Eigenverantwortung nicht funktioniert.

Elektroautos werden erschwinglich

Um dem Titel des Anlasses, nämlich «Klimagipfel», gerecht zu werden, brachte der Gesprächsleiter das Thema Ökologisierung der Motorfahrzeugsteuer aufs Tapet. Wyssmann findet den Vorschlag asozial. «Damit werden die Falschen bestraft. Wer kann sich schon einen Tesla leisten?», fragte er. Hadorn hielt dem entgegen, dass die Preise für elektrische Kleinwagen stetig sinken. Auch dies sei eine Lenkungsmassnahme, die die Leute zum Umsteigen bewegen könnte, meinte er. Das letzte Wort zum Thema CO2-Reduktion hatte Wyssmann: «Macht Ferien in der Schweiz», rief er ins Publikum.

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