Aeschi
Gut besuchter Waldtag schaffte Zeitreise in die Vergangenheit

In einem Posten-Rundgang erfuhren die Besucher viel über den Burgäschisee: Studien von Kernbohrungen archivieren die Vergangenheit des Gewässers. Grabungen am Seeufer liefern Informationen zu Pfahlbauern.

Gundi Klemm
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Othmar Wey und sein Team graben am Ufer des Burgäschisees - und bringen die Vergangenheit eines Siedlungsgebiet zu Tage.

Othmar Wey und sein Team graben am Ufer des Burgäschisees - und bringen die Vergangenheit eines Siedlungsgebiet zu Tage.

Hansjoerg Sahli

Über 20 Interessierte am Waldtag

Einwohner- und Bürgergemeinde Aeschi dürfen mit der Organisation ihres «Waldtags» zufrieden sein. Die Themen Holzernte, Pilzwelt, Energie aus dem Wald, Leben am Burgäschisee und Kernbohrung im Seegrund sprachen viele Interessierte an. Anschliessend luden ein Auftritt der Musikgesellschaft Etziken und das Nachtessen zu gemütlichem Beisammensein im Waldhaus ein. (gku)

Studien seit 2009

Die Arbeiten begannen mit einer Vorstudie im April 2009 und wurden mit einer aufwendigen 16 Meter tiefen Kernbohrung im letzten Jahr fortgesetzt. Der Seegrund umfasst zwei Becken mit Tiefen von 25 und 30 Metern und macht in seinen Ablagerungen Aussagen zu klimatischen und biologischen Bedingungen von der Vergangenheit bis zur Gegenwart.

Nach der Eiszeit war die den See umgebende Landschaft Tundra ähnlich bewachsen, wie man es heute in Nordskandinavien findet. Um 14 000 und danach nochmals um 12 500, hier sogar in der kurzen Zeit von 80 Jahren, kam es zu einer Erwärmung um jeweils 4 Grad. «Ursachen dazu könnten in einer Veränderung der Meeresströme gelegen haben», so Gobet.

Botanikerin Erika Gobet
9 Bilder
Diese Kernbohrungen öffnen ein Fenster in die Vergangenheit
Funde der Grabungen am Seeufer
Der Waldtag war gut besucht.
Die Funde der Grabungen werden bestaunt.
Othmar Wey und sein Team graben am Seeufer.
Seit Juni wird am Seeufer gegraben.
Erika Gobet liest in jahrtausendealten Pollen.
Trotz Regen kamen viele interessierte Besucher an den Waldtag.

Botanikerin Erika Gobet

Hansjörg Sahli

Der Bohrkern zeigt übrigens, dass sich sogar bis hierhin der Ausbruch eines Eifelvulkans mit kräftigem Ascheregen bemerkbar gemacht hat. In den feinen Sedimentschichten ist nicht nur mit wissenschaftlich geschultem Auge zu erkennen, dass vielerlei Pollen vorhanden sind, die auf die zunehmende Verbreitung von Mischwald deuten. Nach einer Trockenphase kommt um 6000 dann bereits der Mensch ins Spiel, der in der Bronzezeit durch Rodungen Platz schafft für eine beginnende Landwirtschaft. In der Eisenzeit ab 800 ist das Aussehen der Landschaft dann bereits vergleichbar mit heute.

Offene Grabungen

Seit Juni haben der Berner Archäologe Othmar Wey und sein Team an einem der Siedlungsplätze am Seeufer gegraben und vielerlei Hinterlassenschaften von Menschen entdeckt, die hier seit 5800 bis etwa 800 v. Chr. lebten. Als kleine Sensation aus den Haushalts- und Werkzeugreste umfassenden Kulturschichten zeigte sein Mitarbeiter Marco Hostettler neben keramischen Scherben einen einfachen Mahlstein, Bärenzahn- und Eberzahnschmuckanhänger sowie eine Steinbeilklinge, die wieder in einen ebenfalls gefundenen Holzgriff eingefügt war.

Wey räumte zudem mit dem fälschlicherweise immer wieder benutzten Begriff «Pfahlbauten im Wasser» auf. Gesiedelt worden sei am Seeufer, weil Wasser damals als Transportweg und als Nahrungsquelle diente. Bei Anstieg des Seespiegels seien die Menschen in eine erhöhte Lage in der Seenähe umgezogen.