Gerlafingen/Aeschi
Günstiger zum Bürgerrecht: Zwei Gemeinden bieten Einbürgerungsaktion an

Die Bürgergemeinden aus Aeschi und Gerlafingen lancieren eine Einbürgerungsaktion für Schweizer Bürgerinnen und Bürger.

Gundi Klemm
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Durch eine Einbürgerung wollen manche Einwohner ihre Verwurzelung und ihre emotionale Bindung ans Dorf (hier Aeschi) zeigen.

Durch eine Einbürgerung wollen manche Einwohner ihre Verwurzelung und ihre emotionale Bindung ans Dorf (hier Aeschi) zeigen.

Hanspeter Bärtschi

Wer schon lange etwa in Gerlafingen oder Aeschi wohnt, überlegt sich vielleicht, das Ortsbürgerrecht zusätzlich zu einem anderen Heimatort zu erwerben. Die Bürgergemeinde Aeschi, die 190 ortsansässige Bürgerinnen und Bürger umfasst, hat ihre Aktion bereits vor dem Jahresende 2016 gestartet. Gerlafingen mit seinen 423 hier wohnenden Personen mit Heimatschein der Gemeinde will jetzt nachziehen.

«Viele Personen, die längst ihre Verbindung zu ihrem Heimatort verloren haben und sich möglicherweise als Familie schon seit Generationen in unserer Mitte wohlfühlen, wollen dies auch eindeutig als Mitglieder der Bürgergemeinde bekennen», sieht die Gerlafinger Bürgergemeinde-Präsidentin Ruth Zuber-Affolter einen individuellen Anreiz, sich einbürgern zu lassen. Seit 20 Jahren steht Zuber an der Spitze der Bürgergemeinde und hat, wie sie betont, an dieser Arbeit immer noch viel Spass.

Nur für Schweizer Bürger

Der Aescher Bürgerschreiber Geri Kaufmann nimmt Bürgerrechtswünsche der Einwohnerinnen und Einwohner ähnlich wahr: «Es gibt sicher Menschen, die schon ein halbes Leben bei uns wohnen, die aber nun ihrer Verwurzelung und ihrer emotionalen Bindung an unser Dorf Ausdruck verleihen möchten.» In beiden Gemeinden ist die Aktion nur Schweizer Bürgern vorbehalten.

Die Gesuchsunterlagen, die dem Kantonalen Bürgerrechtsgesetz entsprechen, sollten dem Bürgerrat in Aeschi bis Ende April vorliegen. Ausserkantonale Bürgerinnen und Bürger erwerben gleichzeitig das Kantonsbürgerrecht; die dazu nötigen Schritte leiten die beiden Bürgergemeinden direkt ein. Eingegangen sind in Aeschi laut Kaufmann bis Anfang März drei definitive Anfragen. Da die Aktion hier befristet ist, sollte sich sputen, wer noch teilnehmen möchte.

Der Ablauf des Verfahrens, das die Bürgergemeinde Gerlafingen am 12. Mai im Rahmen der GEWA (Gewerbeausstellung beider Gerlafingen und Biberist) bekannt machen möchte, gestaltet sich gleich wie in Aeschi.

Chance für beide Seiten

Die beiden Verantwortlichen erwarten keinen «Riesenansturm», aber eine «Win-win-Situation» für beide Seiten. Auch wenn das künftige Ortsbürgerrecht neben Wahl- und Stimmrecht keine eigentlichen Pflichten mit sich bringt, so kann sich aber jeder neue Ortsbürger mit allen Anliegen in der Bürgerversammlung und in den in beiden Dörfern fünfköpfigen Bürgerräten «einbringen».

Geri Kaufmann spricht von einer Chance für beide Körperschaften, engagierte Leute mit neuen Ideen zu gewinnen. «Was sogar wie eine Blutauffrischung wirken kann», unterstreicht er lächelnd. Ruth Zuber betont, dass eine Mitwirkung vor Ort ganz einfach das Empfinden verstärkt, sich hier richtig zu Hause zu fühlen.

Anlässe nur für Bürger

Beide Bürgergemeinden laden regelmässig zu unterschiedlichsten Projekten und Festen ein. In Gerlafingen findet alle drei Jahre ein Waldgang mit anschliessendem Imbiss im Waldhaus statt. Zudem ist die Bürgergemeinde spendabel, wenn es um Unterstützung von Vorhaben im öffentlichen Raum geht. Selbstverständlich gibt es hier wie in Aeschi den Weihnachtsbaum gratis. Die Neueingebürgerten werden mit einer Urkunde festlich begrüsst.

Die Bürgergemeinde Aeschi, die – anders als Gerlafingen mit seinen nur 16 Hektaren – über viel Wald und über Gebietsanteile am Burgäschisee verfügt, lädt alljährlich zu Veranstaltungen mit geselligem Zusammensein ein. Unvergessen etwa ist ein archäologischer Spaziergang am See mit archäologischen Ausführungen, den mehr als 200 Interessierte besuchten, und der stimmungsvolle Lichterweg jeweils im Advent.

Vergünstigte Kosten

Verrechnet werde bei dieser Aktion nur der Aufwand, der sich aus einem Gespräch mit der und dem Bewerbenden, der Prüfung der Unterlagen und der Weiterleitung an den Kanton ergibt, unterstreichen Zuber und Kaufmann. Für Einzelpersonen aus dem Kanton Solothurn beträgt die Gebühr in Aeschi 300 Franken, für Ehepaare 400 und für ganze Familien 500 Franken. Gerlafingen verrechnet für Einzelpersonen und Familien nur 300 Franken. Für ausserkantonale Bewerber addiert sich in beiden Bürgergemeinden die kantonale Prüfungsgebühr von 400 bis 500 Franken hinzu.

Anders als in Aeschi, das eine zehnjährige Wohnsitzdauer vorschreibt, bevor ein Gesuch eingereicht werden kann, wird in Gerlafingen der Wohnsitz vor Ort, aber keine lange Wohndauer, in Betracht gezogen. Die Bürgergemeindeversammlung stimmte am 21. März der Einbürgerungsaktion einstimmig zu.