Wasserversorgung

Gruppenwasserversorgung Unterer Leberberg wird erneuert

Verbandspräsident Rainer Hug vor dem «Brunnen 11»-Gebäude, in dem die GWUL ihr Wasser hochpumpt

Mit dem Einlenken von Luterbach ist der Weg frei für die Neustrukturierung der Gruppenwasserversorgung Unterer Leberberg. Verbandspräsident Rainer Hug wagt ein Blick in die Zukunft.

Als letzte der sieben Verbandsgemeinden stimmte kürzlich Luterbach der geplanten Umstrukturierung des Zweckverbandes Gruppenwasserversorgung Unterer Leberberg (GWUL) zu. An der Gemeinderatsitzung kam der Durchbruch mit der Top-10-Regelung. Dazu später. Mit dem Einlenken von Luterbach wird der Weg frei für die Restrukturierung der GWUL. Erarbeitet werden neue Statuten mit denen die bestehenden organisatorischen Defizite behoben werden sollen. Vorerst nicht mehr zur Diskussion steht der Anschluss an einen anderen regionalen Wasserversorger.

«Wir sind intern so kompliziert aufgestellt, dass ein Zusammengehen aktuell höchst schwierig wäre. Die Primäranlagen wie Pumpwerke, Reservoirs und Hauptleitungen gehören heute acht Trägerschaften, nämlich sieben Gemeinden und der GWUL», erklärt Verbandspräsident Rainer Hug. Deshalb soll der Zweckverband zuerst intern gestärkt werden, indem alle Primäranlagen der Verbandsgemeinden in den Besitz der GWUL übergehen, bevor allenfalls ein Zusammengehen mit einem anderen Wasserversorger diskutiert wird. «Dann wird, falls von den Mitgliedsgemeinden überhaupt gewünscht, ein allfälliger Zusammenschluss einfacher.»

Wasserpreis sinkt in Luterbach

Eine letzte Hürde bildete Luterbach wegen mehreren Gründen. Mit Biogen kam ein Grossverbraucher nach Luterbach, der annähernd so viel Wasser benötigen wird wie das Dorf selbst. Der Wasserverbrauch von Biogen sei aktuell noch schwer abzuschätzen. Es gebe wohl Vorgaben, aber ob diese eintreffen, sei unklar. Entsprechend unsicher seien die Auswirkungen eines neuen Kostenteilers der GWUL auf die Gemeinde Luterbach. Ein nicht austarierter Kostenteiler hätte gerade im Falle von Luterbach wegen Biogen zu einem verfälschten Bild führen können. So einigte man sich beim Kostenteiler auf das Top-10-Modell. Nicht der jährliche Wasserbezug, sondern der Durchschnitt der zehn Spitzentage wird für die Aufteilung der Kosten angewendet. «Die GWUL muss ja die Infrastruktur für die Spitzentage bereitstellen. Mittlerweile zeigte sich, was sicher auch zum Durchbruch verhalf, dass Luterbach seinen Wasserpreis trotz der Umstrukturierung deutlich senken kann.»

Das andere Problem ist das Grundwasserpumpwerk der GWUL in Luterbach, der sogenannte Brunnen 11, aus dem die GWUL ihr Wasser pumpt. Der Brunnen 11 im Gebiet Attisholz Süd schränkt mit seiner Grundwasserschutzzone Luterbach in seiner Siedlungsentwicklung ein, so die Befürchtung. Andererseits können die vielen bestehenden Bauten und Anlagen die Grundwasserqualität gefährden. Luterbach hat das Pumpwerk auf seinem Gemeindegebiet und trägt die Last, während alle anderen Gemeinden profitieren, so die Position des Gemeinderates. Luterbach will sich deshalb möglichst schnell von diesem Brunnen befreien und die GWUL soll eine neue Wasserbezugsquelle suchen.

Die Problematik ist aber vielschichtig. Denn die Wasserentnahme im Brunnen 11, früher zusätzlich durch die Cellulose, die noch weitere Brunnen betrieb, hielt den Grundwasserspiegel tief. Inzwischen ist der Grundwasserspiegel deutlich angestiegen und einzelne Liegenschaften sind permanent im Grundwasser. Bei hohem Pegelstand würden regelmässig Keller geflutet. Deshalb will Luterbach, dass weiterhin Wasser gepumpt wird, das aber als Brauchwasser genutzt wird. «Dann braucht es gar keine Schutzzone mehr für den Brunnen 11», erklärt Rainer Hug. Eine möglicher Nutzer des Brauchwassers könnte die Firma Biogen sein, zudem gebe es noch weitere Industrien auf dem Areal. Gespräche seien aber noch keine geführt worden.

Finanzkompetenz anpassen

Wie es mit dem Brunnen 11 weitergeht, ist unklar. Das wird aber von den Verbandsgemeinden akzeptiert. Im Vordergrund steht aktuell die Restrukturierung. Zuerst sollen die Eigentumsverhältnisse und die nicht mehr zeitgerechten Verbandsstrukturen bereinigt werden. Die Primäranlagen werden der GWUL zu deren Wiederbeschaffungsrestwerten abgetreten. Dann wird der heute geltende Kostenverteiler angepasst, der bisher die Kosten hauptsächlich aufgrund der Einwohnerzahlen verteilt. Der letzte zu ändernde Punkt betrifft die Finanzkompetenz des Verbands, die für Investitionen heute bei 100 000 Franken liegt. «Das ist viel zu wenig. Die Bauprojekte in der Wasserversorgung sind meist viel teurer. Wollen wir heute mehr als 100 000 Franken investieren, brauchen wir die einstimmige Zusage aller sieben Gemeinden», erklärt Rainer Hug.

Die nötigen Investitionen wie auch der laufende Betrieb sind mit den Spezialfinanzierungen der Gemeinden gesichert. Die GWUL will ihr Wasser künftig allen Gemeinden zum gleichen Preis für dieselben Verbandsleistungen verkaufen. Mit dem heutigen Modell werde der Preis zwar auch schon für alle Gemeinden nach gleichen Grundsätzen berechnet, obschon der Verband heute nicht für alle Gemeinden dieselben Aufgaben übernimmt. Dennoch werden in den Gemeinden die Wasserpreise unterschiedlich sein. Die GWUL betreibt ja einzig die Primäranlagen, der Grossteil der Kosten mit Unterhalt und Betrieb der Sekundäranlagen, dem Verteilnetz, wird weiterhin die Gemeindefinanzen mehr oder weniger belasten. Das bleibt Gemeindeaufgabe.

Die GWUL will nun all diese Themen in ihren neuen Statuten abbilden. Am Ende müssen alle Gemeindeversammlungen der sieben Gemeinden zustimmen. Das soll an den kommenden Rechnungsgemeindeversammlungen im Sommer 2019 geschehen.

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