Riverside-Überbauung
Grundstein für das erste Quartier Zuchwils direkt am Wasser ist gelegt

Auf dem Riverside-Areal in Zuchwil wurde der Grundstein für die erste Bauetappe mit fünf Gebäuden gelegt.

Urs Byland
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Der Grundstein ist eine Alubox, gefüllt mit diversen Dingen. Diese wird am Ort, wo ein 9-stöckiges Haus gebaut wird, in den Grund vergraben.

Der Grundstein ist eine Alubox, gefüllt mit diversen Dingen. Diese wird am Ort, wo ein 9-stöckiges Haus gebaut wird, in den Grund vergraben.

Tom Ulrich

Ein Redemarathon belegte am Freitag Morgen die Wichtigkeit des Projekts «Riverside Areal» in Zuchwil. Eingeladen wurde ins Pop-up-Strandrestaurant Riveryard von Markus Balsiger, das bis Oktober mit Hinterhof-Groove lockt. «Sensationell», nennt Regierungsrat Roland Fürst das neu entstehende Quartier Zuchwils. Er sei mit seinem Departement in die Nutzungsplanung involviert gewesen. «Wir werden auch künftig dabei sein, wenn es um die Planung der weiteren Etappen geht.» Massgebend sei der Masterplan des gesamten Areals, der eingehalten werden müsse. «Bei Vollbesetzung wird Zuchwil 15 Prozent mehr Einwohner haben und viele zusätzliche Arbeitsplätze.»

140 Mietwohnungen stehen bis Frühling 2022 bereit

Das Areal an der Aare im Nordwesten Zuchwils umfasst 200000 Quadratmeter (inklusive Widi). Es wurde 2012 von der Swiss Prime Site gekauft. Die Rede ist von einem Kaufpreis von 90 Mio. Franken. Für die Widi erhielt die Gemeinde Zuchwil 6,6 Mio. Franken. Ein Teil des Erlöses wurde und wird für die neuen Sportanlagen der Fussballer, Tennisspieler und Eisstockspieler gebraucht.

Heute gehört das Areal der Swiss Prime Anlagestiftung und ist aktuell das wichtigste und grösste Projekt der Stiftung. Kapitalgeber sind 280 Schweizer Pensionskassen. Aktuell führt die Stiftung die sechste Emission durch. Das aufgenommene Kapital dient unter anderem zur Finanzierung der Riverside-Bauten. Bis Frühling 2022 entstehen auf dem umgenutzten Industrieareal 140 Mietwohnungen in der ersten Etappe. Damit erhält Zuchwil sein erstes Quartier direkt an der Aare.

Wie zwei Persönlichkeiten das Projekt Riverside durch alle Stürme schifften

Zwei Persönlichkeiten waren massgeblich dafür verantwortlich, dass das Generationenwerk, so Jérôme Baumann, Präsident der Swiss Prime Anlagestiftung, gelingen konnte. Markus Graf und Zuchwils Gemeindepräsident Stefan Hug. Beiden eigen ist eine unerschütterliche Ruhe und eine visionäre Weitsicht, was dem Projekt sehr förderlich war. Markus Graf, der 2018 zu früh verstarb, lebte mit seiner Familie in Feldbrunnen-St. Niklaus. Der Immobilien-Spezialist war seit 1999 massgeblich am Aufbau der Swiss Prime Site AG in Olten beteiligt und führte das Unternehmen bis 2015 erfolgreich als CEO zur grössten Schweizer Immobilienfirma. Anschliessend wurde er Baumanns Vorgänger in der neu gegründeten Swiss Prime Anlagestiftung. In Solothurn setzte er mehrere Ausrufezeichen mit der Seminarmeile, dem Hotel H4 und dem «Couronne». Die Legende besagt, dass sich das ehemalige Sulzerareal auf der anderen Seite der Aare unter seinem visionären Blick von seinem Garten aus mehr und mehr in einen Ort des Wohnens und Arbeitens verwandelte. Die Idee verfolgte Graf konsequent und beharrlich über eine längere Zeit. Er überzeugte in seiner Firma die Mitarbeiter vom Potenzial des Areals und er führte das Projekt zum Erfolg.

Sein Mitstreiter auf der anderen Seite der Aare war Stefan Hug. Das Sulzer-Areal stand bei seinem Start als Gemeindepräsident zuoberst auf der To do-Liste. «Viele Jahre war es ein Objekt von Spekulanten», erklärte er gestern an der Grundsteinlegung. Als dann kurz nach seinem Amtsantritt vor siebeneinhalb Jahren ein erstes Treffen stattfand mit dem späteren Projektleiter Thomas Grossenbacher und seinem Nachfolger Markus Hauri sei es ihm beim Anhören ihrer Absichten beinahe schwindlig geworden. «Wir sollten den Standort unserer Eisstockarena verlegen und auch den von unserem Wimbledon-Stadion, und als ob das nicht genug wäre, auch den des Zuchwiler Wankdorfes.» Damals schien ihm diese verrückte Idee, der Verkauf der Widi an die Swiss Prime Site, völlig unmöglich. Aber doch hat sich Hug nicht beirren lassen, hat die Chance für Zuchwil gewittert und sich gegen alle Widerstände für das Projekt ausgesprochen. In Erinnerung ist vielen in der Region die Zuchwiler Gemeindeversammlung im Dezember 2014, an der der Verkauf der Widi, dieses Paradies an der Aare mit den Anlagen der Sportvereine, traktandiert war. 577 Stimmberechtigte erschienen. Ein Nichteintretensantrag wurde mit einer klaren Mehrheit angenommen. Das Geschäft schien vom Tisch. Am Ende der Versammlung wurde aber aus den Reihen des Komitees «Pro Zuchwil» ein Rückkommensantrag gestellt. «Das war knallhart gegenüber den Gegnern, denn viele waren bereits gegangen und feierten ihren Sieg», so Hug gestern. Der Rückkommensantrag wurde angenommen und das Verkaufsgeschäft verschoben. Im Sommer 2016 bewilligten die Zuchwiler den Widi-Verkauf mit grosser Mehrheit.