Wenigstens ist dem Verantwortlichen, der beim Kanton für die Fahrenden zuständig ist, dessen Ehrlichkeit hoch anzurechnen. Aber im Endeffekt spricht seine Antwort auf die Anfrage von Flumenthals Gemeindepräsident Christoph Heiniger Bände. Wer denn beim Kanton, wenn er pensioniert wird, für die Fahrenden zuständig sei. «Wahrscheinlich niemand», habe er von Rolf Glünkin zur Antwort bekommen, so Heiniger.

Dies betreffe die Schweizer Fahrenden, für die Glünkin eigentlich einen Standplatz im Flumenthaler Schachen auserkoren hatte. Das Gelände habe der Kanton aber inzwischen an den Bund für dessen Asylzentrum verkauft. «Von diesem Verkauf habe ich nichts gewusst», so Heiniger zu seinen Kolleginnen und Kollegen an der Gemeindepräsidentenkonferenz Unterleberberg im Restaurant zur Freundschaft in Hubersdorf.

Und für die ausländischen Fahrenden sei beim Kanton schon grad gar niemand zuständig. Dabei haben ebendiese im Sommer die Behörden von Luterbach, Flumenthal, Riedholz sowie der Bürgergemeinde Solothurn während Monaten auf Trab gehalten, als sie ihre 30 bis 40 Wohnwagen aufstellten und bei Schwierigkeiten einfach mal die Gemeinde wechselten und einen neuen Platz aufsuchten.

«Es war verheerend»

Gian-Andrea Lombris, Revierförster der Bürgergemeinde Solothurn, kam eigentlich aus einem anderen Grund. Aber er nutzte die Gelegenheit und erzählte aus seiner Warte über die Geschehnisse. «Die Fahrenden lagerten nahe am Wald. Es war verheerend.» Bis 50 Meter hinein in den Wald seien an jedem Baum Exkremente hinterlassen worden. «Wir haben die Polizei kontaktiert, die fand das aber nicht so schlimm.»

«Wir sitzen alle im gleichen Boot», so Heiniger, der in jenen Tagen unzählige Male telefonisch kontaktiert wurde. «Alle erwarten, dass der Gemeindepräsident sich um diese Angelegenheit kümmert. Das ist nicht lustig.» Der Kanton habe in dieser Sache eine Ansprechperson zu bestimmen, an die man sich wenden könne, und die verantwortlich sei. Sein Vorschlag, gemeinsam einen Brief an den Kanton zu schreiben und auf eine Lösung bis nächsten Frühling zu drängen, wurde einstimmig unterstützt. Das wäre dann nicht der erste Brief, den der Kanton in dieser Sache erhält. Auch der Gemeinderat von Riedholz hat bereits in diesem Sinne beschlossen, wie Beat Graf mitteilte, der die verhinderte Gemeindepräsidentin Jasmine Huber vertrat.

Vertrag mit Waldkindergärten

Gian-Andrea Lombris wusste aber auch von einem anderen Brennpunkt zu erzählen. Er sowie Thomas Studer, Revierförster Leberberg und Kreisförsterin Daniela Gurtner erschienen, um die regionalen Planungsgrundlagen für den Wald zu erläutern. Dabei kam die Rede auch auf die Erholungsfunktion des Waldes und die damit verbundenen Konflikte.

Aktuell seien beispielsweise die Nutzung durch Waldkindergärten oder Schulen ein Thema. «Nach dem Sturm Burglind hat es im Wald nicht mehr so ausgesehen wie zuvor. Die Fachkenntnis, um Gefahren richtig einschätzen zu können, ist oft nicht vorhanden.» Er habe selber Kinder und hätte ein schlechtes Gewissen, diese nach einem solchen Sturm ohne weitere Vorkehrungen in den Wald zu schicken. «Heute hat fast jedes Dorf einen Waldkindergarten», ergänzte Thomas Studer. Man wolle nun sukzessive Vereinbarungen treffen. Die Haftungsfrage bei Schäden werde immer wichtiger. «Hier muss eine Balance zwischen den Waldbesitzern und den Nutzern gefunden werden.»

Lombris weist zudem darauf hin, dass das Beseitigen von Gefahren zeitaufwendig sei und Kosten verursache. «Bis anhin haben wir den Wildwuchs geduldet, aber aus moralischen Gründen müssen wir handeln.» Einmal im Jahr sowie nach grösseren Wetterereignissen würden die Plätze auf Sicherheitsaspekte kontrolliert.

Die Bürgergemeinde Solothurn, Grundbesitzerin von gut der Hälfte des Waldes im Unterleberberg, habe reagiert und beschlossen, für diese Sicherungsmassnahmen des Forstbetriebs aufzukommen.

Der Unterleberberger Wald

Zuvor hatte Daniela Gurtner die Planungsgrundlagen des Unterleberberger Waldes erklärt. Dieser ist im Besitz von Bürgergemeinden, Einwohnergemeinden und Privaten und wird vom Forstbetrieb der Bürgergemeinde Solothurn, vom Forstbetrieb Leberberg und Privaten unterhalten. Die Kontrolle des Waldbestandes habe ergeben, dass zwischen 2002 und 2015 etwa 50'600 Kubikmeter Holz hätten geschlagen werden dürfen. Effektiv wurden 50'000 Kubikmeter geerntet. «Das passt nicht schlecht», so Daniela Gurtner.

Der Sturm Burglind hat im Unterleberberg rund 10'000 Kubikmeter Holz zu Boden gerissen. Das ist das Zweieinhalbfache einer Jahresnutzung. Im grösseren Verbund des Leberberges (Hiebsatz rund 12'000 Kubikmeter Holz) sei dies einfacher zu verkraften. «Wir werden in den nächsten sieben Jahren entsprechend weniger nutzen», so Studer.