Stephan-Jaeggi Preis
Grosse Ehre für einen Klarinettisten: Urs Heri wird ausgezeichnet

Urs Heri bekommt eine Auszeichnung für seine Verdienste um die Blasmusik. Schon zuvor wurde er vom Blasmusikverband nominiert. Der Klarinettist war bereits als Musiklehrer, Dirigent und als Komponist aktiv.

Hans Blaser
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Urs Heri (links) erhält den Preis aus den Händen von Stiftungsratspräsident Valentin Bischof (St.Gallen).

Urs Heri (links) erhält den Preis aus den Händen von Stiftungsratspräsident Valentin Bischof (St.Gallen).

Hans Blaser

Schon mehrmals wurde der neue Preisträger nominiert, verrät Christian Röthlisberger. Der Vizepräsident des Solothurner Blasmusikverbandes SOBV nimmt den reglementarisch festgeschriebenen Sitz des SOBV bei der Stephan-Jaeggi-Stiftung ein. Diese kann Personen auszeichnen, die sich im Bereich Blasmusik besonders verdient machen oder gemacht haben.

Das gilt ganz sicher für Urs Heri. Dabei reduziert sich die Übereinstimmung mit dem Namensgeber der Stiftung nicht nur auf den Herkunftskanton Solothurn und das Instrument Klarinette. Die ist ohnehin für die Nominierung nicht massgebend. Sowohl bei Jaeggi als auch bei Heri dominier(t)en Musik und Klarinette das Leben. Zu beiden fallen einem die Stichworte Leidenschaft oder gar Besessenheit ein.

Schon sehr bald gefördert

Wie Urs Heri auf die Klarinette gekommen ist, weiss er selber nicht mehr. Jedenfalls ging er in der dritten Klasse in den Klarinettenunterricht an der Musikschule Biberist, wo er aufgewachsen ist. Das müsste etwa 1968 gewesen sein.

Schon als Schüler von Kurt Burri – dem damaligen Dirigenten der MG Harmonie Biberist – muss er sich rasch hervorgetan haben. Burri förderte ihn als Bläser und bald auch als Dirigent. Burri liess den Jüngling früh auch das «Zusammenspiel» genannte Ensemble aus Musikschülern leiten und tauschte dabei seinen Platz mit ihm. An der letzten Probe vor den Herbstferien habe ihm Burri einmal gesagt, er komme nicht mehr, es brauche ihn ja nicht mehr.

So wurde der junge Musikant etwa mit 13 Jahren ins Wasser geworfen. Heute sagt er, das sei das Beste gewesen, was ihm habe passieren können. Für diese Formation musste er nun die Literatur suchen und notgedrungen auch an die jeweilige Besetzung anpassen. Noch von Hand schrieb er die einzelnen Stimmen und lernte viel dabei. Daneben besuchte er die Kurse des Solothurner Blasmusikverbandes.

Von Mathe zu Musik

Nach der Matur begann er sein Mathematik-Studium. Erst der Hinweis eines Kollegen, der ihn auf die Möglichkeit eines Musikstudiums aufmerksam machte, provozierte den Wechsel. Er studierte Klarinette und Dirigieren – und etwas später noch Saxofon. Das eröffnete ihm seine beiden heutigen Standbeine als Musiklehrer und Dirigent in finanzieller Hinsicht.

Seine Aussage in einem Interview von 2011 wonach sich sein Leben zu je einem Drittel auf Musiklehrer, Dirigent und Komponist definiere, hinterfragt er heute selber. Erstens sei das rein zeitlich gemeint und zudem müsse er –nicht nur für seine Auftritte als Musikant – selber auch üben. Komponieren könne er nur in der Freizeit und in den Ferien.

Für seine Dirigentenlaufbahn erwies sich die Leitung des Zusammenspiels in Biberist als Basis. In Deitingen wurde man auf ihn aufmerksam. Bereits als Zwanzigjähriger wurde er – ohne jede finanzielle Abmachung – Dirigent der MG Deitingen. Das blieb er bis 1997. Bald schielte man auch von grösseren Musikkorps auf den jungen Dirigenten der Deitinger.

Es folgten ganz verschiedene Dirigate, beispielsweise bei der Stadtmusik Bern und der Stadtmusik Burgdorf. Eine Folge war die Berufung in verschiedene Gremien. Er ist beispielsweise Mitglied der Musikkommission des Schweizer Blasmusikverbandes SBV. Dort wurde – natürlich auf Anregung Heris – die Ausrufung des «Jahres der Klarinette» mit welchem 2015 der Mangel an Klarinettistinnen und Klarinettisten angegangen werden soll, beschlossen.

Auch als Komponist top

Seine spätere Tätigkeit als Komponist – die ebenfalls in die Begründung die Nominierung einbezogen wurde – geht wohl ursprünglich ebenfalls auf seine ersten Erfahrungen als Leiter des Biberister-Zusammenspiels zurück. Inzwischen hat er sich auch in diesem Metier einen Namen geschaffen. Aus seiner Feder stammen nicht nur eine ganze Anzahl Märsche, darunter der tolle «Couleurs».

Logischerweise schreibt er – als Klarinettist – Musikwerke für Blasorchester, aber gelegentlich durchaus auch für Brass Band. Eines seiner letzten Werke ist das «Divertimento Criminale», eine Komposition für Klarinetten-Oktett und Blasorchester. Genau dieses Werk fand Aufnahme in das Konzert des Symphonischen Blasorchesters des Schweizer Armeespiels.

Dabei wird der Part des Oktetts durch das Klarinettenoktett Clarinamici gespielt, bei dem Heri auch Mitglied ist. Das darf als Hinweis gelten, dass er auch gerne für kammermusikalische Kleinformationen schreibt. Dass er dabei mit viel – auch attestiertem Sachverstand – auch für Streicher schreiben kann, ist in Bläserkreisen weniger bekannt.

Bessere Blasmusik geht nicht mehr

Einige Vorgaben musste Major Philipp Monnerat bei seinem Deutschweizer Konzert des Symphonischen Blasorchesters des Armeespiels berücksichtigen. Erstens musste die Verleihung des Stephan-Jaeggi-Preises an Urs Heri integriert werden (siehe Artikel oben). Gleichzeitig musste es das Preisträgerkonzert sein, das die Siegerin des Prix Musique 2014 als Teil der Siegesprämie gewonnen hat. Für beide Preisträger erwies sich das Orchester als grossartiger Begleiter.

Urs Heri legte bei seiner gefälligen Komposition «Divertimento criminale» die solistische Hauptlast nicht zufällig auf ein Klarinettenoktett. Er ist das Bindeglied zwischen der Stadtmusik Huttwil, welche das Werk in Auftrag gab und dem Oktett Carinamici. Die Stadtmusik dirigiert er und beim Soloensemble spielt er mit. Das Soloensemble Clarinamici nahm die Gelegenheit gerne wahr, mit einem hochkarätigen Blasorchester im Rücken nochmals aufzutreten.

Im Februar uraufgeführt

Das Werk wurde im Februar 2015 durch die Stadtmusik Huttwil uraufgeführt und erntete schon dort viel Lob. Dass sich Noémie Turrian schon mehrmals für den Prix Musique qualifizieren konnte – auch das schon eine Auszeichnung – belegen die Ranglisten. Beim PM 2011 wurde sie Dritte, 2012 Zweite und 2014 gewann sie. Die studierte Pädagogin bot als Amateurmusikerin einen professionellen Auftritt.

Im vierten Satz des «Tableaux de Provence» von Paule Maurice konnte sie ihre lyrische Seite zeigen. Riesige Musikalität gepaart mit Virtuosität bewies sie mit Ituraldes «Pequeña Czarda» das ihr direkt auf den Leib geschrieben scheint.

Das Symphonische Blasorchester fand daneben genug Raum, um seinen wunderschönen Klangkörper zur Geltung zu bringen. Den Einstieg wählte Monnerat mit «Ponte Romana» von Jan van der Roost. Das stark rhythmisch geprägte Stück liess verschiedentlich für wenige Takte einzelne Soli aufblitzen, etwa dasjenige der Harfe. Natürlich durfte auch eine Komposition von Stephan Jaeggi nicht fehlen. Gewählt wurde seine «Konzertouvertüre» aus dem Jahr 1947. Die ganze geballte Kraft des wunderbaren Orchesters wurde in den «Bells for Stokowski» spürbar.

Da brillierte neben dem Oboisten auch der Sopransaxofonist Valentin Oberson, der seit kurzem Dirigent der Jugendmusik Solothurn ist. Am Orchester liegt es nicht, dass in Stephen Melillos «Hajj» etwas mehr Orientalisches passen würde, wenn man schon die Pilgerfahrt nach Mekka beschreibt. Da hat Johan de Meij schon etwas mehr Venezuela im Arrangement gelassen bei «Joropo» des Pianisten Moisés Moleiro. Für den obligaten Marsch als Zugabe drängten sich nach der Preisübergabe die Namen zweier Komponisten auf, Stephan Jaeggi oder Urs Heri. Gewählt hat Monnerat den tollen «Couleurs» von Heri mit einem grossartig gespielten Oboen-Solo. (Hans Blaser)