Lommiswil

Gotteslästerung oder Kunst? Die Heilig-Geist-Kirche wird 50 Jahre alt

Der eigenwillige Bau der Heilig-Geist-Kirche erregte weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit. Zu ihrem 50. Geburtstag hielt Architekt Pius Flury einen Vortrag über deren besonderes Erscheinungsbild.

Durch die Gründung einer eigenständigen Pfarrei im Jahr 1959 wurde die Sankt Germanskapelle in Lommiswil zu klein. Deshalb tagte 1963 erstmals die neu gegründete Baukommission der Pfarrei und suchte nach Lösungen.

Der Entscheid fiel auf einen tiefer liegenden Neubau, und der Auftrag wurde an den Architekten Roland Hanselmann (Olten) und Bauingenieur Heinz Isler (Burgdorf) vergeben.

Ein damals wichtiger Aspekt sei gewesen, dass der Neubau die Kapelle Sankt German optisch nicht verdränge und er sich in die feine und subtile Landschaft einbette, erklärt Architekt Pius Flury, dessen Vater damals Mitglied der Baukommission war.

Die entstandene Heilig-Geist-Kirche sei eine pragmatische Konstruktion, deren Innen – und Aussenräume als spannendes Gegenspiel zu einander stünden. Nicht nur die äussere Erscheinung, sondern auch die Bauweise sei für die damalige Zeit spektakulär gewesen. Hanselmann war für seine eigenwillige Ästhetik bekannt, Isler, ein grosser Forscher im Schalenbau, war fasziniert von grossen Räumen mit stützfreien gewölbten Decken.

«Das war dasjenige, was Hanselmann und Isler verband», führte Flury weiter aus. Bereits angewandt wurden damals neue Konstruktionsmittel wie der Elementbau. Insgesamt 29 Elemente wurden innerhalb von fünf Tagen verbaut. Die Kosten für den Bau beliefen sich auf 750'000 Franken.

Aufsehen war gewiss

Der eigenwillige Bau erregte die Aufmerksamkeit der Menschen weit über die Region hinaus. Das Schweizer Fernsehen dokumentierte das Setzen der Elemente in der Tagesschau und sogar in einer Zeitung in Südafrika ist ein Bericht erschienen. Gegen das Projekt regte sich auch Widerstand. Es gab nicht wenige kritische Stimmen. Von einem seelenlosen Betonklotz etwa oder von Blasphemie war die Rede.

Der Bau fiel auch in eine Zeit theologischer Erneuerungen, wurde er doch kurz nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil realisiert. Diese Umbrüche zeigen sich auch an der Innenausstattung, beispielsweise an der Gestaltung der Fenster durch den Künstler René Acht. Diakon Stephan Kaisser war bis 2006 Gemeindeleiter in Lommiswil.

Kaisser verwies in seinen Ausführungen auch auf das Heilig-Geist-Fenster auf der Kirchennordseite, welches den Heiligen Geist lebendig mache. Während die Farbe Blau für den Himmel stehe, weise das Rot auf das Irdische hin. Beide Farben vermischt, ergeben einen violetten Ton. Violett sei die Farbe der Spiritualität. «So steht das Fenster in seiner Gestaltung für die Verbindung zu Gott und die Verbindung zu den Mitmenschen», führt Kaisser aus.

Nach vielen Diskussionen, 100 Sitzungen der Baukommission und selbst dem Vorwurf von Gotteslästerung konnte am Heiligabend 1967 schliesslich die Einsegnung der Kirche durch Pfarrer Curt Borrer stattfinden. Am 12. Mai 1968 fand unter Leitung von Bischof Anton Hänggi die Kirchweihe statt.

Der Glockenturm wurde erst später fertig gestellt. Am Buss – und Bettag 1969 konnte die Glockenweihe stattfinden und am darauffolgenden Montag hatten die Kinder schulfrei. Dies war der grosse Tag des Glockenaufzuges.

Kaisser führte aus, dass mit der Heilig-Geist-Kirche viele neue Impulse im Leben der Pfarrei gesetzt werden konnten. Seien beispielsweise in der Sankt Germannskapelle vor dem Neubau jährlich eine bis zwei Trauungen durchgeführt worden, so hätten sich diese in der Heilig-Geist-Kirche vervielfacht. In den ersten zehn Jahren nach der Eröffnung der neuen Kirche fanden 170 Hochzeiten statt. Aktuell blickt die Kirche auf 215 Hochzeiten und 302 Taufen zurück.

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