Messen
Glücklich sein – mit oder ohne Poststelle

Vertreter von Behörde und Wirtschaft besuchten den von der Gemeinde Messen organisierten Jahresstartapéro.

Marlene Sedlacek
Drucken
Teilen
Ob aber der «gelbe Riese» auch weiterhin in Messen bleibt, ist noch unklar.

Ob aber der «gelbe Riese» auch weiterhin in Messen bleibt, ist noch unklar.

Maddalena Tomazzoli Huber

«Nehmt das Jahr 2017 in die Hand, macht aus jedem Tag den schönsten Eures Lebens.» Mit diesen Worten begrüsste Gemeindepräsidentin Marianne Meister die zahlreichen Gäste am Jahresstartapéro für Wirtschaft und Behörde in der Pfarrschüür. «Habt Mut und Vertrauen und seid glücklich», forderte sie die Vertreter und Vertreterinnen des regionalen Gewerbes auf. Mit diesem Aufruf wolle sie einen Gegenpol setzen zu den fortwährenden negativen Meldungen in den Medien, die depressiv machen.

Thomas Vogt, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Spar- und Leihkasse Bucheggberg (SLB), nahm sich die Aufforderung zu einer positiven Haltung zu Herzen. In seinem Referat lobte er die Werte, die die kleine Bank vertritt: Respekt und Vertrauen, unkomplizierte Entscheidungen.

Im Vordergrund soll stets der Nutzen des Kunden sein. Das Team sei mit Herzblut dabei und verfüge über eine hohe Kompetenz, führte Vogt weiter aus. Dabei locken keine monetären Anreize. «Die SLB bezahlt keine Boni», beteuerte er. Im Gegensatz zu einigen Filialen anderer Banken, in denen kein einziger Mensch mehr arbeitet und «virtual reality» bereits heute Tatsache ist, setze die SLB nach wie vor auf traditionelles Bankgeschäft. «Es kommt auch mal vor, dass wir älteren Leuten das Geld nach Hause bringen», sagte Vogt schmunzelnd.

Leider nicht nur Positives

Beim Thema Zinspolitik kam der Bankfachmann jedoch nicht umhin, Negatives zur berichten. Er beklagte die Ertragsminderungen durch Negativzinsen und deren katastrophale Auswirkungen auf die Vorsorgeeinrichtungen. Eine Entspannung sei mittelfristig nicht in Sicht, befürchtete er. Zudem ärgerte sich Vogt über die ständig wachsende Gesetzesflut. Regulative wie «Basel I bis III» müssen gelesen, verstanden und umgesetzt werden. «Die SLB bezahlt jährlich 250 000 Franken für Revisionsgesellschaften und Risikomanagement», regte Vogt sich auf. Er forderte die Politik auf, sich für eine Senkung dieser Kosten einzusetzen.

Zukunft ungewiss

Auf die brennendste Frage, die die Anwesenden beschäftigte, nämlich ob die Poststelle im Dorf geschlossen wird, konnte oder durfte Beat Stähli in seinem Referat keine Antwort geben. Zum Thema «Poststellenmassaker» äusserte sich der Leiter Briefzustellung Region Bern nur insofern, dass das Netz der klassischen Poststellen tatsächlich massiv abgebaut werde. Ob Messen davon betroffen sei, wisse man spätestens in einem halben Jahr.

Andere Modelle, wie Hausservice oder Filialen in Geschäften würden vermehrt Zugangspunkte zu Postdienstleistungen sein. Anhand einer eindrücklichen Grafik zeigte er, dass es im Jahr 2020 15 Prozent mehr Haushalte als 2005 geben werde, während die Kurve der Anzahl Sendungen in der gleichen Zeitspanne um 32 Prozent fällt. Das Paketgeschäft nehme zwar stark zu, die grosse Konkurrenz drücke jedoch massiv auf die Marge.

Veränderungen stehen an

Vizegemeindepräsident Bernhard Jöhr lobte die positive Zusammenarbeitskultur zwischen Behörden und Wirtschaft. «Darum beneiden uns viele andere Gemeinden», zeigte er sich überzeugt. Messen werde aber einige Veränderungen erfahren. Behörden- und Verwaltungsstrukturen werden schlanker.

Der Gemeinderat wird von sieben auf fünf Sitze reduziert. Kommissionen werden teilweise aufgelöst. Er bedauerte, dass Marianne Meister ihr Amt als Gemeindepräsidentin abgibt. «Mit der Kandidatur als Regierungsrätin hat sie sich höhere Ziele gesteckt», sagte er.