Vernissage
«Globo Uovo» — das Ei ist Symbol für Nahrung und Ursprung

Auf der Aussichtsterrasse des Centre Dürrenmatt in Neuchâtel beeindruckt «Globo Uovo» des Künstlers Marc Reist. Der Schnottwiler will mit diesem Werk zum Nachdenken über unsere Beziehung zur Erde anregen.

Agnes Portmann-Leupi
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Agnes Portmann

Fast könnte man beim grossartigen Anblick des «Globo Uovo» vergessen, dass sich dahinter eine ganz spezielle Botschaft verbirgt. Als Augenweide präsentiert sich das Ei aus weissem Carrara-Marmor derzeit auf der Terrasse des Centre Dürrenmatt in Neuchâtel (CDN).

An der sonnigen Vernissage vorige Woche bildete es eine Einheit mit dem blauen Himmel, den weissen Wolken und dem tiefer liegenden hellblauen See. «Kunst als Denkkost auf der Tafel der Ethik», offenbart die dazugehörende Beschriftung.

Der Schnottwiler Künstler Marc Reist will mit diesem Werk zum Nachdenken über unsere Beziehung zur Erde und zur Ernährung anregen. Er spannt damit den Bogen zwischen dem Ei und dem Globus und verbindet somit den Ursprung des Lebens mit der Sorge um den respektvollen Umgang mit deren Ressourcen.

«Wir wissen alle, wie unfassbar schlecht wir damit umgehen», sagte der Künstler an der Vernissage. Dass es Armut und Hunger gebe, sei nicht ein finanzielles Problem. «Unserer Zukunft muss Ethik zugrunde liegen», so Reist. Er zitierte dabei Friedrich Dürrenmatt: «Das menschliche Wissen ist dem menschlichen Tun davongelaufen, das ist unser Problem.»

Erde und Ei sind aus Kalzit

Bereits vor sechs Jahren zeichnete Marc Reist den ersten Entwurf für «Globo Uovo». Die Längen- und Breitengrade der Erdkugel bildeten das ideelle Gerüst für das Ei als Globus. Für die Skulptur wählte er Marmor, der aus demselben Material besteht wie Eierschalen, nämlich aus Kalzit.

Ursprünglich wog der Steinblock, welchen er bereits in Carrara zur vorgesehenen Form verkleinerte, 55 Tonnen. Seit vergangenem März schliesslich höhlte er ihn in Schnottwil weiter aus und musste, um in die Öffnungen zu passen, 13 Kilogramm abnehmen.

Madeleine Betschart, Leiterin des CDN, bekundete ihre Freude, diese Skulptur auf der Aussichtsterrasse zu haben. Alt Bundesrat Samuel Schmid sagte: «Ich komme nicht aus der Kunstszene. Ich gehöre zu den Bewunderern, weil ich die schöpferische Kraft des Künstlers wiedererkenne.»

Im Museumsinnern durften die Vernissage-Teilnehmer Marc Reists Installation seiner gesammelten Eierschalen erleben. «Rund 35 000 Stück sind zusammengekommen. Dafür waren rund drei Tonnen Hühnerfutter nötig», veranschaulichte er.

Zwischen den am Boden ausgelegten Eierschalen setzte Marina Stauffer, Basel, ihre beeindruckende Tanzperformance zum Thema «Das Labyrinth der Ressourcen» in Szene. Die Eierschalen werden nach der Ausstellung nicht einfach entsorgt, sondern dienen dem Botanischen Garten in Neuchâtel nachhaltig als Dünger.

Ein moralischer Apéro

Der Gesinnung von Marc Reist entsprechend, präsentierte sich auch der Apéro. Und zwar wurden dafür Lebensmittel verwendet, die heute oftmals weggeworfen werden. «Wir schmeissen rund 40 Prozent unserer Nahrung weg und versuchen jetzt, das Manko mit unmoralisch gezüchteten Insekten aufzumöbeln», meinte er.

Unter dem Motto «Neues mit längst vergessenen Zutaten» bereitete Armin Fuchs, Meinisberg, mit vier Jungköchen appetitliche Apéro-Häppchen zu. Schwartenmagen-Sülzchen, Kalbsmilkenterrinen, Schweinsleberschnitzelchen oder Pro-Specie-Rara-Karotten-Variationen fanden begeisterten Anklang.

«Globo Uovo» ist bis 15. April 2018 auf der Terrasse des Centre Dürrenmatt in Neuchâtel zu sehen. www.globouovo.ch