Bürgerbewegung
Gibts in Riedholz bald keine freie Sicht mehr auf die Alpen?

Die Bürgerbewegung bittet die Gemeinde Riedholz um Beistand im Kampf gegen die Terrainveränderung durch die geplante grössere Inertstoffdeponie im Attisholzwald.

Urs Byland
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Die Fotomontage der Bürgerbewegung zeigt die drohende Veränderung des Terrains.

Die Fotomontage der Bürgerbewegung zeigt die drohende Veränderung des Terrains.

zvg

Die in der Richtplanung vergrösserte Deponie für Inertstoffe im Attisholzwald ist nicht unbestritten. Ende 2015 hat der Regierungsrat die Anpassung genehmigt, welche das Deponievolumen von 1 auf 4 Millionen Kubikmeter vergrössert, die genutzte Fläche verdreifacht und den Bedarf der nächsten 50 bis 70 Jahre abdecken soll. Nun meldet sich vor dem Nutzungsplanverfahren erneut die Bürgerbewegung Riedholz.

Die Bürgerbewegung ist vor allem ein Zwei-Mann-Betrieb mit Willi Lindner und Rudolf Mangold. Aber: «Alle Bekannten und Nachbarn, denen wir die Richtplanung vorlegten, wollten nicht glauben, dass diese realisiert werden soll», erklärt Rudolf Mangold, der an der Schöpferstrasse wohnend ebenfalls betroffen ist.

«Auch mein Nachbar konnte es nicht fassen. Als ich es ihm zeigte, sprang er sogleich ins Auto und fuhr sofort zur Gemeindepräsidentin Jasmine Huber.» Dort seien sie an diesem Nachmittag auch gewesen, berichten die beiden Herren. «Langsam dämmert es dem Dorf, was hier geschehen soll.»

An der Schöpferstrasse, wo Rudolf Mangold (links) wohnt: Gemeinsam mit Willi Lindner kämpft er in der Bürgerbewegung gegen die Inertstoffdeponie.

An der Schöpferstrasse, wo Rudolf Mangold (links) wohnt: Gemeinsam mit Willi Lindner kämpft er in der Bürgerbewegung gegen die Inertstoffdeponie.

Urs Byland

Das Anliegen der Bürgerbewegung ist klar. Die Gemeinde soll mithelfen, die aus Sicht der Bürgerbewegung gröbsten Schnitzer zu verhindern. In der Nutzungsplanung werden sie als nicht direkte Anstösser keine Einsprachen machen können, die Gemeinde aber schon.

Terrain auf ewig 20 Meter höher

In erster Linie kämpft die Bürgerbewegung um freie Sicht auf die Alpen. Die Nutzungsplanung sieht ein Vorgehen über Jahrzehnte und in Etappen vor. In der ersten Etappe wird beispielsweise eine Grube ausgegraben und anschliessend mit Inertstoffen gefüllt. Der Aushub soll rund 150 Meter westlich aufgeschüttet werden.

Inertstoffdeponie Attisholzwald

Inertstoffdeponie Attisholzwald

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Diese Ablagerung verändert das Terrain für immer um gut 20 Meter in der Höhe, so der Vorschlag der Vigier AG in der Nutzungsplanung. Darauf werden wieder Bäume angepflanzt. Mit Fotomontagen zeigt die Bürgerbewegung, dass damit einigen Bewohnern von Gebäuden nördlich vom Attisholzwald die Sicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau geraubt wird.

In anderen Etappen werden Gruben durch Abbau von Kies gegraben. Dort kann natürlich das vorgängig abgetragene Erdreich wieder für die Deckelung der Grube genutzt werden.

Mit Ballonen profilieren

Die Verdeckung eines Teils der Alpen durch die Deponie habe er nicht überprüft, erklärt Rolf Glünkin, vom Amt für Raumplanung. Er halte die Fotomontagen der Bürgerbewegung Riedholz für glaubwürdig, ist aber überzeugt, dass nur wenige Anwohner mit wirklichen Einschränkungen leben müssten. Er rät gar, falls dies die Betreiberin Vigier AG nicht selber macht, im Nutzungsplanverfahren mit Ballonen anzeigen, wie hoch die Bäume wachsen.

Willi Lindner und Rudolf Mangold fragen auch, weshalb der Kanton eine Planung erarbeitet, welche die nächsten 50 bis 70 Jahre zementiert.

«In zehn Jahren haben wir möglicherweise eine Gesetzgebung, die es nicht erlaubt die fünf Prozent der Inertstoffe, die heute nicht genauer definiert sind, zu verbuddeln. Dann müssen wir die heute vergrabenen Stoffe wieder ausgraben», so Lindner.

Eine solche langfristige Planung mache in seinen Augen keinen Sinn. Das will Rolf Glünkin nicht abstreiten. «Erstens vollziehen sich Abbau und Auffüllung in Etappen. Und vielleicht gibt es in Zukunft weitere Richtplanänderungen. Diese wird alle 15 Jahre angepasst.»

Material aus anderen Kantonen

Schon heute beobachten Lindner und Mangold ausserkantonale Materialablagerungen in der bestehenden Deponie Attisholz. «Ich folgte einmal zufälligerweise einem Lastwagen vom Baselbiet. Am Ende lud er das Material hier ab», berichtet Rudolf Mangold. Das Risiko bestehe, sei aber klein, so Rolf Glünkin.

«Man kann das nicht ausschliessen. Aber die Inertstoffdeponie ist im Grundsatz für Material aus dem Kanton Solothurn gedacht.» Andere Kantone würde ebenfalls Deponien errichten. «Eigentlich herrscht ein Waffenstillstand zwischen den Betrieben, dass sie nicht im Hoheitsgebiet der anderen wildern.»

Im kommenden Nutzungsplanverfahren seien entsprechende Auflagen in den Sonderbauvorschriften zu erlassen. Mit dem möglichen Bahnanschluss der Vigier auf der Südseite der Aare sei es aber kaum zu vermeiden, dass auch Züge fremdes Material nach Attisholz bringen.

Bald will die Bürgerbewegung ihre Petition der Gemeinde übergeben. Das Nutzungsplanverfahren selber geht zuerst in die öffentliche Mitwirkung, bevor es im September aufgelegt werden soll. Dann wird sich zeigen, ob die Pläne der Vigier AG in Erfüllung gehen, oder ob die Bürgerbewegung beispielsweise eine Verminderung der Terrainaufschüttung erreichen kann.