Zuchwil
Gewinner des Riverside-Quartiers wäre die Bevölkerung

50 Personen besuchten am Dienstag den Mitwirkungsanlass zum Räumlichen Teilleitbild Areal Riverside.

Urs Byland
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In 20 bis 30 Jahren könnte das neue Quartier fertig gebaut sein. Gestartet wird im Westen (links) mit einem Hochhaus.

In 20 bis 30 Jahren könnte das neue Quartier fertig gebaut sein. Gestartet wird im Westen (links) mit einem Hochhaus.

Urs Byland

Wie entwickelt sich ein Quartier? Welche Bedürfnisse wollen die künftigen Quartierbewohner gesichert haben? Kann der Autoverkehr auf tiefem Niveau gehalten werden? Hat es genügend Parkplätze? Wie hoch wird gebaut? Oder, wann stehen die ersten Bauten?

Die Fragen der etwa 50 Besucherinnen und Besucher der öffentlichen Mitwirkungsanlasses zur Arealentwicklung Riverside zeugten von Interesse. Kritik am Vorhaben wurde in der Turnhalle des Schulhauses Pisoni wenig geäussert.

«Vielleicht sitzen die Kritiker heute vor dem Fernsehapparat und schauen Champions League», sagte Gemeindepräsident Stefan Hug spasseshalber, aber im Wissen darum, dass die ärgsten Feinde des Projektes aus den Reihen des Fussballklubs kommen und an der Gemeindeversammlung sicher aufmarschieren werden. Sie sehen sich als Verlierer eines Geschäfts, das in den Augen des Gemeindepräsidenten zu einer Win-Win-Situation führt. Die Fussballer verlieren bei einem allfälligen Verkauf der Widi ihren idyllisch gelegenen Fussballplatz in der Nähe der Aare und erhalten dafür eine Sportanlage weiter östlich beim Sportzentrum.

Gewinner wäre, so Stefan Hug, die Bevölkerung, welche langfristig, die Rede ist von mindestens 20 Jahren, ein Quartier mit einer eher gut betuchten Klientel erhält. Zielpublikum für die entstehenden 400 bis 600 Miet- und Eigentumswohnungen sind laut Investor Swiss Prime Anlagestiftung die «urbane Avantgarde», die «bildungsorientierte Oberschicht», die «aufgeschlossene Mitte» und die «klassische Mittelschicht». Das Steuersubstrat der Gemeinde Zuchwil dürfte nicht leiden, im Gegenteil. Darin sind sich die Initianten, der Gemeindepräsident aber auch die Autoren der Wirkungsanalyse einig. Diese, vorgetragen von Robert Salkeid, prognostiziert beinahe nur positive Auswirkungen durch das neue Quartier für die Gemeinde.

Doch zurück in die Turnhalle: Der vorgesehene Baustart im Jahr 2018 wäre noch nicht das Aus für den Fussball- und den Tennisklub auf der Widi. Dieses das Riverside-Areal (ehemaliges Sulzer-Areal) ergänzende Landstück will der Investor der Gemeinde abkaufen, in einen Park umwandeln und der Öffentlichkeit zurückgeben. Hans Lüthi, Präsident des Tennisklubs, kann laut Thomas Grossenbacher, Projektleiter des Investors, auch nach 2018 noch Tennis auf der Widi spielen, sicher bis 2020. Lüthi bestätigt aber, dass im Tennisklub nach wie vor Opposition vor allem von den jungen, aktiven Spielern spürbar ist.

Die Stimmungslage der Fussballer liess sich aus dem kurzen Votum von deren Präsident Mike Marti herauslesen. Er freue sich über das Projekt, welches, nun zu Papier gebracht, viel deutlicher geworden ist. Dass sich, laut Investoren, Sport und Wohnen nicht vertragen würden, müsse er hingegen akzeptieren.

Der Gemeindepräsident zeigte sich überaus zuversichtlich, dass eine ähnliche Schlappe, wie im Dezember 2014, als die Gemeindeversammlung zuerst das Projekt bachab schickte und nur ein Rückkommensantrag wenigstens eine Rückweisung brachte, sich nicht wiederholen wird. Im Gegenteil sei er überzeugt davon, dass viele Befürworter des Projektes die Gemeindeversammlung besuchen werden und im Juni dem Verkauf der Widi und dem angepassten Teilleitbild zustimmen werden.

Er beruft sich nicht zuletzt auf die Vereinbarungen zwischen der Gemeinde und den Widi-Sportklubs: «Die Vorstände haben zugestimmt.» Wie das Fussvolk stimmen wird, bleibt offen, was bei Befürwortern des Projektes schlimmes ahnen lässt. «Warum können wir nicht an der Urne zu einem für Zuchwil so bedeutenden Projekt abstimmen?», so eine Frage aus dem Publikum. Der Gemeindepräsident wies darauf hin, dass an der Gemeindeversammlung eine Urnenabstimmung verlangt werden kann.

Die eingangs gestellten Fragen wurden natürlich so gut als möglich beantwortet. Vieles ist aber Kaffeesatzlesen oder wird es später im Nutzungsplanverfahren mit Gestaltungsplan und Baugesuch genau definiert. Sicher will Zuchwil kein zweites Dorfzentrum zulassen. Ein Mobilitätsmanagement soll aufzeigen, wie das Verkehrsaufkommen und der Parkplatzbedarf minimiert werden können. Dies ist ebenso in den Leitsätzen des Teilleitbildes enthalten wie der Hinweis darauf, dass das Aareufer aufgewertet werden soll und als öffentliche Allmend für die Naherholung der Bevölkerung zugänglich sein wird. Und es war auch etwas über die Höhe der vielfältigen Wohnbauten (maximal 30 Meter) oder die Etappierung (start im Westen) zu erfahren.

Als dann Vogelschützer und Naturschützer ihre Anliegen ebenfalls noch vortrugen, konnte man erahnen, dass an diesem Abend in der Turnhalle Mitwirkung nur von Befürwortern ausgeübt wurde. Gegner wollten nicht mitwirken. Sie haben aber noch bis 6. Mai Gelegenheit, ihre Einwendungen in der Gemeindeverwaltung abzugeben.