Derendingen
Gesellschaft Kultur soll im Wasseramt gegründet werden

Rolf Walker und Mitstreiter wollen die Gemeinnützige Gesellschaft Kultur im Wasseramt gründen, und sinnstiftend für die dort lebenden 52 000 Einwohnerinnen und Einwohner wirken.

Urs Byland (Text und Bild)
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Am Bürotisch in seinem Atelier in der Spinnerei brütet Rolf Walker über kulturellen Überraschungen.

Am Bürotisch in seinem Atelier in der Spinnerei brütet Rolf Walker über kulturellen Überraschungen.

Urs Byland

Im Dezember soll die Gemeinnützige Gesellschaft Kultur im Wasseramt gegründet werden. Ursprünglich hätte es eine Stiftung sein sollen. Warum der Wechsel?

Rolf Walker: Ganz einfach. Wir haben keinen Stifter gefunden, der die Stiftung alimentieren wollte. Gemeinnützige Gesellschaften haben Tradition in der Schweiz, man kann ihnen auch ein Legat vermachen, beispielsweise.

Weshalb gründen Sie diese Gesellschaft?

Das Wasseramt ist nicht nur der beste Bezirk im Kanton, finde ich. Die 19 teilweise grösseren Gemeinden mit 52 000 Einwohnern bilden eine Stadt im Grünen. Kulturell läuft viel.

Was ist das Ziel von Ihnen und Ihren Mitstreitern?

Ziel ist es, eine Plattform für Kultur und Kulturprojekte im Wasseramt zu schaffen. Wir reden von einer jährlichen Konferenz der Wasserämter Kulturinstitutionen, an der man Termine koordiniert, sich vernetzt und einander hilft. Wir wollen Kulturinstitutionen und Schulen beraten sowie die kulturellen Interessen im Bezirk wahren und durchsetzen. Wenn alle Institutionen zusammen agieren, kann man vielleicht auch einmal etwas Grösseres realisieren. Wir wollen aber keine Konkurrenz aufbauen.

Welche Kulturinstitutionen meinen Sie?

Beinahe in jeder Gemeinde gibt es eine Kulturkommission. An manchen Orten funktionieren diese, an anderen nicht, weil sie beispielsweise politisch zusammengestellt sind. Eine solche Situation haben wir auch in Derendingen erlebt, weshalb ich auf Wunsch von Gemeindepräsident Kuno Tschumi das Festival DingKultur organisiert habe.

Was wollen Sie denn ändern?

An einigen Orten wie Deitingen oder Gerlafingen funktioniert es sehr gut, da wollen wir auch nichts ändern. Wir wollen dafür schauen, dass diejenigen mit guten Erfahrungen den anderen helfen. Wir bieten aber auch Gemeinden eine Beratung an, wenn diese will, dass kulturell etwas läuft.

Was die Kulturkommissionen wahrscheinlich nicht gerne sehen?

In einigen Gemeinden wird Kultur kümmerlich behandelt. Geht es um Einsparungen in einem Budget, triffts zuerst die Kultur. Tschumi ist einer der wenigen, die sagen, man solle 1 Prozent für Kultur ausgeben.

Die Gemeinden unterstützen unter dem Stichwort Kultur aber auch Vereine.

Das stimmt, aber die Gemeinden kommen nie auf dieses eine Prozent.

An der Gemeindepräsidentenkonferenz wehte Ihnen ein steifer Wind entgegen, als Sie Ihre Gesellschaft vorstellten.

Das stimmt. Zwar fanden es alle eine gute Sache, aber daran zahlen will keiner. Wir sollen ein Projekt eingeben, das sie eventuell unterstützen würden. Aber: Ich erinnere mich an die Gruppe Kultur im äusseren Wasseramt. Ihr letztes Projekt fand am Inkwilersee statt, wo 44 Alphornbläser auftraten. Meine Recherche ergab, dass einige Gemeinden Geld dafür sprachen – im 100 Franken-Bereich. Für Kunst wird kaum Geld ausgegeben. Man sieht den Wert der Kultur nicht ein.

Politisch hat man Ihre Idee von der grossen, grünen Stadt nicht wirklich nachvollziehen können.

Ja, das ist nun mal so und kann ich nicht ändern. Trotzdem bringen wir es ins Rollen. Und deshalb ist es gut, wenn wir ein Projekt realisieren.

Beispielsweise?

Wir legen beispielsweise den Fokus auf die Jugend. Ein Projekt ist eine Musikakademie für die Talente der Musikschulen und der Musikvereine. Ein zweites Jugendprojekt nennt sich Kulttour. Mit einem Wagen gehen wir jährlich mit einem Thema von einem Schulhaus zum anderen.

Sie starten, und die Gemeinden sollen später auf den Zug aufspringen?

Schritt für Schritt, aber von den Gemeinden erwarte ich auch nachher nicht viel.

Welche Ressourcen stellen Sie zur Verfügung?

Hier in der Spinnerei soll eine einfache Administration entstehen. Für jedes Projekt wird es ein Projektteam geben.

Warum hier in der Spinnerei im Emmenhof?

Wir sind hier gut aufgehoben, weil der Investor sehr interessiert ist an kulturellen Aktivitäten im Emmenhof.

Wie wollen Sie Projekte finanzieren, wenn die Gemeinden nicht mithelfen?

Spontan haben zwei Förderer der Gesellschaft bereits 15 000 Franken versprochen, und wir werden die Mitglieder haben. Zudem organisieren wir nächstes Jahr ein, zwei Benefiz-Anlässe und eine Tombola.

Im Dezember ist Gründung, am 1. Januar Start. Womit?

Wahrscheinlich mit dem Projekt «Offen20».

Ein Teil des Vorstandes ist bereits bestimmt und erste Projekte sind in Planung

Für die Arbeit im Vorstand haben bereits Michael Käsermann (Unternehmensberater, Derendingen), Stefan Huber (Bankleiter, Derendingen), Simone Wyss, (Theaterpädagogin, Biberist), Hans Ruedi Ingold (Gemeindepräsident, Subingen) und Kuno Tschumi (Gemeindepräsident, Derendingen) zugesagt.

Die Gemeinnützige Gesellschaft für Kultur im Wasseramt hat auch bereits einige konkrete Projektideen. So soll ein Kulturarchiv fürs Wasseramt aufgebaut werden oder, wie im Bericht erwähnt, eine Musikakademie und die Kultour in den Schulen. In den Räumlichkeiten im Emmenhof will die Gesellschaft Anlässe und Ausstellungen realisieren. Rolf Walker plant ein Festival «Kunst trifft Handwerk». Künstler gestalten zusammen mit Handwerkern ein Objekt. Dazu werden Firmen angefragt, die mit einem Künstler zusammenarbeiten wollen. Die Idee ist es, 2021 der Emme entlang solche Objekte zu installieren. Und starten will die Gesellschaft mit «Offen20».

ünstler öffnen ihre Ateliers zu einer bestimmten Zeit. Geplant sind auch ein offenes Musizieren, Singen oder Lesen. Nicht zuletzt soll das Wasseramt auch ein Wasserfest zelebrieren. (uby)