Wieder wird ein Dorf eine gesundheitliche Grundversorgung verlieren – wenn nicht ein Wunder geschieht. Im Oktober schliesst Allgemeinmediziner Oscar Hagmann seine Arztpraxis in Oberdorf. Eine Nachfolge steht nicht bereit. Hagmann will an seinem 75. Geburtstag in den wohlverdienten Ruhestand gehen.

Er hat dann 44 Jahre in Oberdorf praktiziert. «Vor zehn Jahren sah es danach aus, als ob sich eine Nachfolge für die Praxis ergeben würde. Leider verlief sich die Sache», berichtet Oscar Hagmann. Vor kurzem habe sich wieder jemand spontan gemeldet, aber auch das ohne Resultat. «Heute ist eine Einzelpraxis wahrscheinlich ein Auslaufmodell», sagt Hagmann.

Gemeinde inserierte 1972

Schwierig macht eine Suche auch der Umstand, dass Oscar Hagmann mit seiner Frau seinen Lebensabend im Doktorhaus verbringen wird. Er hatte das Haus, das 1958 von einem Grenchner Arzt als Alterspraxis im Bauhausstil gebaut wurde, von dessen Witwe übernommen. Dies nachdem das Haus zehn Jahre lang leer gestanden war. 1972 meldete sich Hagmann auf ein Inserat der Gemeinde, in dem die Praxis ausgeschrieben wurde. «Ich wohnte damals in Rüttenen und fand das eine tolle Sache.»

Hagmann macht sich keine Illusionen mehr. «Als ein Berater sich das Objekt anschaute, winkte er ab. Das sei nichts für einen jungen Arzt.» Die Gemeinde werde sich auch nicht engagieren. «Die Zeiten haben sich gewandelt. Heute entstehen oft Gemeinschaftspraxen wie in Selzach, Balsthal oder Lommiswil.» Zudem sei Langendorf, wo mehrere Allgemeinmediziner praktizieren, mit dem öffentlichen Verkehr bestens erreichbar.

Teilweise vermieten

Schon heute stehen im Doktorhaus Zimmer leer, weil Hagmann beispielsweise das Röntgen aufgegeben hatte. Die entsprechenden Räume hat er in eine kleine Wohnung umgewandelt. «Die Räume, die ich nicht mehr brauche, werde ich weitervermieten.» Er denkt dabei an Physio- oder Alternativtherapeuten.

Praktisch sei das Doktorhaus, weil die Räume im Parterre rollstuhlgängig sind. Sollte sich doch noch jemand finden, der die Praxisräume übernehmen will, wäre Oscar Hagmann sehr glücklich. «Ich würde mich vor allem für die Bevölkerung freuen, die weiterhin vor Ort gesundheitlich versorgt würde.»

Vonseiten der Gemeinde wurde die sich abzeichnende Situation noch nicht offiziell thematisiert. «Wir werden sicher im Gemeinderat kurz darüber reden», erklärt Gemeindepräsident Patrick Schlatter. Aber er denke nicht, dass die Gemeinde konkret etwas unternehmen will. «Das Problem ist bekannt. Die jungen Ärzte wollen nicht als Einzelmaske in einem Dorf wirken.» Andererseits seien aus seiner Sicht auch die Ärzte selber gefordert, die Initiative zu ergreifen.