Kriegstetten

Geschichte soll aus den Kellern geholt werden

Die Reservezone Längmatt kann wohl nicht eingezont werden, wie das der Gemeinderat gerne hätte.

Die Reservezone Längmatt kann wohl nicht eingezont werden, wie das der Gemeinderat gerne hätte.

Die historische Kommission kann ihre Arbeit wieder aufnehmen. Mut zur Lücke bewies der Gemeinderat am Montag, als er die halbe Traktandenliste auf die nächste Sitzung verschob.

Der Gemeinderat hat nicht lange gefackelt, nachdem der Luterbacher Hans Peter Zuber ihm vor einigen Wochen «die Kutte geputzt» hatte, wie es Gemeindepräsident Manfred Küng (SVP) ausdrückte. Zuber hatte den Gemeinderat auf historisches Material aufmerksam gemacht, dem bislang zu wenig Beachtung geschenkt wurde (wir berichteten).

Am Montag war nun die historische Kommission in die Sitzung eingeladen worden. Wie die Mitglieder berichteten, wurde bereits Quellenmaterial, darunter 250 Fotos, digitalisiert und katalogisiert. Die Arbeit hatte dann aber aus diversen Gründen unterbrochen werden müssen. Die Mitglieder Johann Lüthi (Präsident Bürgergemeinde), Willi Kirchhofer (Bürgergemeindeschreiber), Stefan Lüthi und Walter Affolter zeigten sich aber interessiert, unter Mithilfe der Einwohnergemeinde, wieder an der Aufarbeitung der Geschichte ihres Dorfes zu arbeiten.

Schulhaus als Archiv?

Um die Quellen aus dem historischen Kriegstetten fachgerecht aufzubewahren, braucht es nun ein Archiv. Da jenes der Einwohnergemeinde voll ist, soll ein Staatsarchivar die Räumlichkeiten des Schulhauses auf ihre Tauglichkeit als Archiv überprüfen. Damit die Geschichte Kriegstettens nicht einfach im Keller verschwindet, wurden zudem Möglichkeiten diskutiert, um die Objekte zugänglich zu machen. Dabei bestach vor allem jene eines Ausstellungsraums.

Der weitere Fahrplan sieht im Mai oder Juni eine Sitzung zwischen Gemeinde- und Bürgerrat sowie der historischen Kommission vor. Im Herbst soll eine informelle Gemeindeversammlung folgen, an der den Einwohnern die bisherige Arbeit vorgestellt und einige «Müsterli» aus dem Fundus des geschichtlichen Materials präsentiert werden. Denn letztlich wird die Bevölkerung darüber entscheiden, ob die Aufarbeitung der Kriegstetter Geschichte finanziert wird und umgesetzt werden kann. Die Anwesenden dürften denn auch in den Genuss von historischen Anekdoten kommen, welche Walter Affolter auf Lager hat. Er hat es sich schon am Montag nicht nehmen lassen, die eine oder andere zum Besten zu geben. Etwa jene des Feuerwehrmanns, der zu einer Sitzung der Feuerwehr zu spät kam und darauf eine Strafe von «45 Batzen» habe bezahlen müssen. «Das war ein halbes Vermögen und ergab für jeden der anwenden Männer ein Getränk», so ein lächelnder Affolter.

Irritierende Nachricht

Ein Archiv zu bauen stellt hingegen keine Option dar. Das schlossen die Räte jedenfalls aus der Stellungnahme des Kantons zum räumlichen Leitbild. Die Antwort falle grundsätzlich positiv aus, so Thomas Affolter, allerdings spricht sich das Amt für Raumplanung dagegen aus, dass Kriegstetten seine Reservezonen Längmatt und Holzacker in Wohnzonen umwandelt. Einzig die Gärtnereizone dürfe wie geplant als Wohn- oder Gewerbezone genutzt werden. Um dennoch planmässig wachsen zu können, solle verdichtet gebaut werden, insbesondere entlang der Hauptachsen. Dies unter anderem indem höhere Gebäude erlaubt und unbebaute Parzellen überbaut werden. Der Gemeinderat zeigte sich irritiert ob dieser Antwort, da Kriegstetten schon lange den Bau von Einfamilienhäusern fördert. Die Stellungnahme sowie die nächsten Schritte werden nun in der Bau- und Werkkommission besprochen.

Der Gemeinderat hat weiter Daniel Graf als neues Mitglied der Bau- und Werkkommission vereidigt und die Anbringung einer Ortstafel an der Bushaltestelle «Dorfplatz» genehmigt. Auf dieser sollen ein Ortsplan sowie geschichtliche und wirtschaftliche Informationen des Dorfes präsentiert werden. Finanziert wird die Tafel von der Historika AG.

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