Gerlafingen
Gerlafinger Schüler äussern Wünsche über Zukunft der Gemeinde

Ein Automuseum, oder doch ein Wellnesshotel? Die Sechstklässler stellen ihre Ideen und Wünsche für die Zukunft von Gerlafingen vor.

Jasmin Krähenbühl
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Sechstklässler der Gemeinde Gerlafingen bemalen am «Gerlafinger Tag» Fahnen und formulieren auf Plakaten Wünsche an ihre Gemeinde.
15 Bilder
Selbstgemalte Fahnen
Die Fahnen werden im Werkhof Oberfeld aufgehängt
Auf Plakaten werden Wünsche aufgeschrieben
Vizegemeindepräsident Thomas Wenger nimmt die Wünsche und Anregungen der Schüler entgegen.
Organisiert wurde der Tag von der Arbeitsgruppe Gemeindezukunft
Olympiade in Gerlafingen
Die Schüler erklären, was sie sich vorstellen
Für Thomas Wenger ist der «Gerlafinger Tag» schlicht «sensationell».
Den Durchblick haben
Beim Fussball vollen Einsatz geben.

Sechstklässler der Gemeinde Gerlafingen bemalen am «Gerlafinger Tag» Fahnen und formulieren auf Plakaten Wünsche an ihre Gemeinde.

Hanspeter Bärtschi

Ein sonniger Nachmittag. Vor dem Klubhaus des FC Gerlafingen sind Festzelttische aufgestellt, an denen die Sechstklässler der Gemeinde Gerlafingen geschäftig arbeiten. Sie bemalen Fahnen und formulieren auf Plakaten Wünsche an ihre Gemeinde. Die Kinder lachen, es werden nicht nur die Fahnen farbig, sondern auch T-Shirts und Arme. «Hei, du hast mich angemalt!» «Ich? Nein, er wars!»

Die Arbeitsgruppe Gemeindezukunft hat auch dieses Jahr wieder einen Tag organisiert, an dem die Sechstklässler ihr Dorf näher kennen lernen sollen. «Wir wollen den Kindern zeigen, was schön ist an unserer Gemeinde, damit sie sie schätzen lernen und sich mit ihr identifizieren können», erklärt Michèle Graf-Bürki, Mitglied der Arbeitsgruppe Gemeindezukunft.

Während in den Jahren vorher jeweils nur eine Klasse in den Genuss des «Gerlafinger Tags» kam, fand er dieses Jahr zum ersten Mal für alle drei sechsten Klassen statt. Möglich war dies, weil nebst den fünf Organisatorinnen der Arbeitsgruppe Gemeindezukunft erstmals auch die Klassenlehrer und Klassenlehrerinnen am «Gerlafinger Tag» mithalfen. «Eine Gruppe von 60 Jugendlichen könnten wir alleine kaum bändigen», sagt Michèle Graf-Bürki.

Europapark in Gerlafingen

Das Tagesprogramm begann am Morgen mit einer Posten-Olympiade. In sechs Gruppen absolvierten die Kinder verschiedene actionreiche Stationen. Jede davon hatte einen Bezug zum Dorf Gerlafingen, der jeweils vorher erläutert wurde. So gab es als Anlehnung an das Stahlgiessen im Stahlwerk Gerlafingen eine Stafette, bei der die Jugendlichen Wasser trugen und umgossen, oder ein Torwandschiessen für das 100-Jahr-Jubiläum des FC Gerlafingen. Am Nachmittag durften die Sechstklässler Fahnen bemalen, die später im Werkhof Oberfeld aufgehängt werden.

Der Höhepunkt des Tages war aber das Zusammentreffen mit dem Vize-Gemeindepräsidenten Thomas Wenger. Die Kinder übergaben ihm Plakate, auf denen sie aufgeschrieben hatten, was ihnen an Gerlafingen gefällt und was sie sich noch wünschen würden. Ob McDonalds, Starbucks, ein neues Sprungbrett in der Badi, Kino, Tally Weil, Ikea, ein Automuseum, gratis iPhones für alle, Wolkenkratzer, Wellnesshotels oder Messi beim FC Gerlafingen: Den Ideen der Kinder waren keine Grenzen gesetzt.

Thomas Wenger hörte sich alle Wünsche interessiert an und diskutierte mit den Kindern über die Umsetzung. «Europapark? Den besuche ich sehr gerne, aber wo sollen wir ihn in Gerlafingen hinstellen? Wir müssten ja den ganzen Fussballplatz überbauen.» Ein solch entwaffnendes Argument stimmt die jungen FC-Gerlafingen-Fans um.

An Gerlafingen gefallen vor allem die Badi, der Fussballplatz und die Dönerläden. Ein Streitpunkt sind die Container, die den Sechstklässlern momentan als Schulzimmer dienen, weil sich das Hauptgebäude in Umbau befindet. Manche wünschen sich neue Schulzimmer, andere haben die Container auf dem «Gefällt mir»-Plakat notiert. «In den provisorischen Containern sind mehrere Klassen nahe aufeinander. Manche mögen es, unter vielen Leuten zu sein, andere weniger», versucht die Klassenlehrerin Susanne Zumbrunn die Meinungsverschiedenheit zu erklären.

Alle ziehen am gleichen Strick

Für Thomas Wenger ist der «Gerlafinger Tag» schlicht «sensationell». «Es ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was man erreicht, wenn Gemeinde, Freiwillige, Lehrer und Kinder am gleichen Strick ziehen.» Auch Lehrerin Barbara Schwarz ist begeistert. Die Kinder hätten hier nicht nur Spass, sie würden auch viel lernen und das alles erst noch an der frischen Luft. Susanne Zumbrunn sieht den Tag als gutes Erlebnis für die Sechstklässler als Gemeinschaft. «Die drei Klassen kannten sich vorher kaum. In den durchmischten Gruppen können sie neue Kontakte schliessen.»

Ein Ranking der «Weltwoche» hatte die Organisation des «Gerlafinger Tags» in Bewegung gesetzt. In der Rangliste der attraktivsten Gemeinde der Schweiz belegte Gerlafingen 2012 den letzten Platz. 2015 liegt Gerlafingen nun auf dem 901. Platz von 921 Gemeinden. Bei den Sechstklässlern spürt man nichts dergleichen.

Zum Schluss des Tages empfangen sie stolz von Thomas Wenger die Urkunde mit ihrem Rang im Postenlauf und schütteln ihm, den Lehrern und den Organisatorinnen der Arbeitsgruppe zum Abschied die Hand. «Gerlafingen ist perfekt» steht in grossen roten Buchstaben auf einem der Plakate.

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