Strassensperrung
Gerlafinger Firmen haben wegen Baustelle bis zu 40% weniger Umsatz

Die Baustelle auf der Kriegstettenstrasse führt zu Umsatzrückgängen beim Gewerbe. Kritisiert wird die lange Bauzeit bis Ende 2018.

Christof Ramser
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Dass die Kriegstettenstrasse in östlicher Richtung gesperrt ist, haben Navigationssysteme noch nicht registriert.

Dass die Kriegstettenstrasse in östlicher Richtung gesperrt ist, haben Navigationssysteme noch nicht registriert.

Hanspeter Bärtschi

Gute Lage, ausgezeichnete Verkehrsanbindung: Das sind die zwei schlagkräftigen Gründe, die für Gerlafingen als idealen Wirtschaftsstandort sprechen. Zumindest bewirbt der Gewerbeverein beider Gerlafingen die Wasserämter Gemeinde mit diesen Attributen. Nun fallen diese Vorteile für lange Zeit weg, zumindest teilweise. Seit Ende August funktioniert die Kriegstettenstrasse als Hauptschlagader der Gerlafinger Verkehrserschliessung nur noch mit halber Kapazität. Quartierbewohner, Geschäftsinhaber und der Transitverkehr müssen sich noch lange gedulden, bis normale Verhältnisse einkehren. Bis Ende 2018 wird die Strasse saniert und im Einbahnregime geführt. Nur von Kriegstetten her gelangt man noch auf die Strasse, an der zwei Restaurants, mehrere Kleinbetriebe sowie das Gewerbegebiet Bolacker liegen. Wer von Gerlafingen nach Kriegstetten oder auf die Autobahn Richtung Zürich und Bern will, muss das Dorf via Recherswil oder Derendingen umfahren. Davon betroffen ist auch der Bus.

40 Prozent weniger Umsatz

Bereits nach einem Monat schlägt die Strassensperrung ökonomisch auf diverse Gewerbebetriebe durch. Hart getroffen ist die Coop-Tankstelle vor der Autobahnbrücke. Franchisenehmer Thomas Wyder beklagt einen Umsatzrückgang von 40 Prozent an den Zapfsäulen und im Laden. Mit Coop habe er zum Glück ein starkes Unternehmen im Rücken. «Andere Betriebe würden bei so einer Einbusse in Konkurs gehen.» Trotzdem müsse er sich überlegen, wie er die Personalkosten in den kommenden 15 Monaten tragen könne.

Insbesondere die lange Bauzeit von fast eineinhalb Jahren stösst bei mehreren Betrieben auf Kritik. «Für uns ist das mühsam», sagt Olivia Lanz von der Geschäftsleitung der Molkerei Lanz. Kurzfristig könne man dem Frequenzrückgang mit Aktionen entgegenwirken, doch langfristig sei dies keine Lösung. Eingegangen sind bei Lanz auch Reklamationen von regelmässigen Kunden, die zu Beginn der Bauarbeiten wegen mangelnder Signalisierung den Weg nicht gefunden hätten.

Vor allem die Take-away-Produkte seien weniger gefragt, also Lebensmittel, die Kunden auf dem Weg zur Autobahn quasi im Vorbeifahren einkauften. «Das man bei uns schnell zu- und wegfahren kann, war unser Pluspunkt.» Man komme wirtschaftlich sicher über die Runden, müsse sich aber auf weniger Umsatz einstellen, so Lanz.

Auch andere Betriebe wie die Drogerie Frey, das Restaurant Desperado oder die Metzgerei Viandus spüren die Auswirkungen des Verkehrsregimes. «Wir haben weniger Kundenfrequenz», stellen die drei Betriebe unisono fest. Nächstes Jahr, wenn ein Teil der Parkplätze wegfalle, dürfte sich das Problem noch verschärfen, heisst es bei Viandus.

Mehrverkehr in Kriegstetten

Bisher keine negativen Rückmeldungen von Gewerbeseite hat Gerlafingens Gemeindepräsident Philipp Heri erhalten. Und auch beim Gewerbeverein beider Gerlafingen ist nichts von Einbussen bekannt. Allerdings, relativiert Präsident Christian Kahne, seien nicht alle Betriebe im betroffenen Gebiet Mitglied im Verein. Man habe die neue Verkehrssituation vor dem Baubeginn kurz thematisiert. Massnahmen würden aber keine ergriffen.

Negative Erfahrungen macht man dagegen in Kriegstetten. Gewerbetreibende beklagten sich bei Gemeindepräsident Simon Wiedmer über Umsatzverluste. Gravierend sei die Situation auf Quartierstrassen sowie im Dorfzentrum. «Dort kommt es zu Stosszeiten jetzt zu grossen Überlastungen. Wir haben fast das doppelte Verkehrsaufkommen wie üblich», stellt Wiedmer fest. Vor allem der Schwerverkehr belaste das kleine Dorf stark. Wiedmer kritisiert, dass Lastwagen von Gerlafingen her statt via Recherswil nicht via Wiler auf die Autobahnauffahrt Kirchberg geleitet werden. Einen Lichtblick gibt es in Kriegstetten immerhin: Auf der Kreuzung in der Dorfmitte wird demnächst ein provisorischer Kreisel installiert, damit der Verkehr besser abfliessen kann.

Kanton: «Wir arbeiten äusserst speditiv»

Die lange Bauzeit auf der Kriegstettenstrasse von Ende August 2017 bis Ende 2018 wird bei betroffenen Gewerblern kritisiert. Die Bauherrschaft liegt beim Kanton Solothurn. Dort wird die lange Dauer mit Verweis auf die Fülle der Arbeiten sowie die lange Strecke von rund einem Kilometer relativiert. So werden vom Bolacker bis zur Kornfeldstrasse der Strassenoberbau, die Entwässerung sowie ein grosser Teil der Werkleitungen erneuert. Gearbeitet wird mit drei Equipen und «äusserst speditiv», sagt Peter Portmann, Leiter Projektmanagement im kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau. «Ansonsten würden die Arbeiten mindestens doppelt so viel Zeit in Anspruch nehmen.» Derzeit werden während fünf Monaten intensive Werkleitungsarbeiten ausgeführt. Später wird eine kombinierte Baustelle geführt und der Strassenbau kommt hinzu. Das Einbahnregime wird während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten. Lediglich die Fahrbahn wird zwischenzeitlich auf die andere Strassenseite verlagert. Nächsten Frühling soll es so weit sein. Einen positiven Aspekt sieht Portmann in der Umleitung des Busses. Durch den Rundkurs profitierten Obergerlafingen und Recherswil von einer zusätzlichen Buslinie.

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