«Weisses Kreuz»

Gerlafinger Beiz soll verkauft werden

Im «Weissen Kreuz» läuft das Geschäft nicht mehr so gut. (Themenbild)

Im «Weissen Kreuz» läuft das Geschäft nicht mehr so gut. (Themenbild)

Derzeit wird nach einem neuen Besitzer für das Restaurant Weisses Kreuz in Gerlafingen gesucht. Ob der Gastro-Betrieb weitergeführt wird, ist allerdings fraglich.

Wo vor Jahren die unvergessene Gemma Zbinden im «Weissen Kreuz» für Gastlichkeit sorgte, folgten Margrit Wälchi und Manfred Streit als Wirtsleute nach. Inzwischen sind beide Gastronomen etwas älter geworden und ihr Gesundheitszustand lässt einen dauerhaften Einsatz zum Wohl der Gäste nicht mehr zu. Darum haben die beiden den Derendinger Treuhänder Hans Roth mit dem Verkauf der Liegenschaft betraut.

Er zählt zahlreiche Faktoren auf, die «das Wirten im mittleren Segment» heutzutage so schwierig gestalten. Er habe zwar für die Gerlafinger Beiz Bewerber an der Hand, doch nur ein Interessent könne sich vorstellen, das «Weisse Kreuz» als Gastwirtschaft weiterzuführen.

Allerdings erst dann, wenn er die entsprechenden Hypothekenzusagen einer Bank erhalte. «Da liegt der Hund begraben», sagt Hans Roth.

Inzwischen zeigten nämlich Geldinstitute überhaupt kein Interesse mehr an der Finanzierung einer Gastro-Liegenschaft. Um ihre Unterstützung zu erhalten, erwarteten sie im Voraus 50 Prozent der Kaufsumme. Da es sich beim Gebäude dann um eine gewerbsmässig genutzte Liegenschaft handle, müsse der Käufer zusätzlich mit einer mindestens auf 3,5 Prozent angehobenen Zinsbelastung für seinen Kredit rechnen.

Anderes Konsumationsverhalten

Zudem habe sich das Verpflegungsverhalten der Bevölkerung insgesamt gewandelt. Die Mitarbeitenden der früheren Von-Roll beispielsweise, die mittags hier das Menü assen, kommen wegen veränderter Arbeitszeiten im Stahlwerk längst nicht mehr.

Tatsächlich sei der Beizenbesuch rückläufig, weiss Roth als Kenner der Szene, weil das Rauchen nicht mehr erlaubt ist, der Alkoholgenuss mengenmässig aus Gründen der Fahrtauglichkeit sehr beschränkt bleibt, und Zugezogene häufig ein anderes Verhalten mitbringen. «Eine ganze Kultur hat sich nach und nach verändert», klagt Roth.

Ausgenommen von seiner Betrachtung sind sogenannte «Spitzenlokalitäten» und besondere, meist urban gelegene Treffpunkte. Nicht unschuldig am Beizensterben sei auch der Branchenverbund Gastro-Suisse, der sich leider nicht für eine realistische Steuerbehandlung der kleinen Betriebe einsetze, mahnt Roth. «Es ist einfach eine Kette aus etlichen Faktoren, die hier zerstörerisch wirken», malt er die Zukunft kleiner Gastrounternehmen schwarz. Wie es mit dem «Weissen Kreuz» weitergeht, bleibt also offen. Der Treuhänder hat in verschiedenen Medien Inserate geschaltet.

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