Mehrverkehr
Gerlafingen zum Migros-Projekt auf Papieri-Areal: «Unser Dorf ist jetzt schon mit Durchgangsverkehr belastet»

Gemeindepräsident Philipp Heri wehrt sich für Gerlafingen und bekommt Einsitz in der Utzenstorfer Arbeitsgruppe.

Rahel Meier
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Kommt das Projekt von Migros und Digitec dann fahren täglich 150 Lastwagen mehr durch Gerlafingen.

Kommt das Projekt von Migros und Digitec dann fahren täglich 150 Lastwagen mehr durch Gerlafingen.

Hanspeter Bärtschi

Normalerweise regt sich Gerlafingens Gemeindepräsident nicht so schnell auf. Aber letzte Woche hat Philipp Heri sich so sehr geärgert, dass er dies auch deutlich gesagt hat. Konkret geht es um das Bauprojekt von Migros und Digitec auf dem ehemaligen Papieri-Areal in Utzenstorf (siehe Infobox unten). 400 Arbeitsplätze sollen dort geschaffen werden. «Das ist eigentlich eine gute Nachricht», meint Heri. Nicht gut war aber die Kommunikation der Bauherrschaft.

Weder die kantonalen Behörden, noch die Vertreter der Gemeinde Gerlafingen wurden in die Planung in Utzenstorf involviert. Und das, obwohl der Gemeindepräsident des Nachbardorfes Wiler mehrmals darauf aufmerksam machte, dass Gerlafingen miteinbezogen werden sollte, wie Philipp Heri heute weiss. Denn: Die Last des Verkehrs zum neuen Logistikzentrum muss das Wasserämter Dorf mittragen.

Der Griff zum Telefonhörer hat genützt

«Ich habe mich bei den zuständigen Herren gemeldet und sie zu einem Gespräch eingeladen», erklärt Philipp Heri auf Anfrage. Das Treffen kam in kürzester Zeit zustande. Die Vertreter von Migros und Gemeinde hätten sich entschuldigt und die Gemeinde Gerlafingen bekommt Einsitz in der Arbeitsgruppe, die das Projekt in Utzenstorf begleitet. An der Aussprache nahmen übrigens auch Vertreter des Amtes für Raumplanung des Kantons Solothurn und Vertreter der Repla teil.

Heute schon rund 10'000 Fahrzeuge pro Tag

Verkehrszählungen auf der Kriegstettenstrasse zeigen, dass im Jahr 2018 rund 10000 Fahrten pro Tag durch Gerlafingen führten. Eine Spitze von rund 500 Fahrten pro Stunde zeigt sich am Morgen zwischen 7 und 8 Uhr. Der Höchstwert wird aber zwischen 17 und 18 Uhr gemessen. Dann fahren bis zu 800 Autos durchs das Dorf. 420 Fahrten werden täglich durch Lastwagen ausgelöst. In den Jahren 2014, 2015 und 2016 lag die Zahl übrigens höher, nämlich bei rund 13500 Fahrten täglich. Die Differenz könnte durch die Sanierung und teilweise Sperrung der Strasse erklärt werden. Der Verkehr auf der Wilerstrasse ist heute wesentlich geringer. Er liegt bei 2500 Fahrzeugen täglich.

Würde das Operation Center gebaut, dann wird in Utzenstorf mit 4 und in Wiler mit 5 Prozent mehr Verkehr gerechnet. Diese Zahlen lassen sich wohl auch auf Gerlafingen übertragen. Rund die Hälfte der LKW-Fahrten sollen via Autobahnausfahrt Krieg-
stetten und Gerlafingen abgewickelt werden.

Philipp Heri macht deutlich, dass er das Projekt in Utzenstorf nicht verhindern will. «Rechtlich gesehen wäre das auch gar nicht möglich», ist er sich bewusst. «Aber schon nur die erste Ausbauphase bringt Gerlafingen 150 Lastwagenfahrten mehr pro Tag. Gerechnet auf den gesamten Verkehr, der sich heute durch das Dorf wälzt, mag diese Zahl als klein erscheinen.» Für Heri ist es aber ein Problem. «Wir versuchen seit Jahren den Verkehr in den Griff zu bekommen. Aber das gelingt nicht, weil ein grosser Teil bei uns Durchgangsverkehr ist.»

Berechnungen zeigen auf, dass das Verkehrsnetz heute in der Lage ist, den zusätzlichen Verkehr zu schlucken. Auch die Lärmschutzvorgaben würden alle eingehalten. «Aber Gerlafingen bleibt ein Nadelöhr für den Verkehr und das wird für uns zu einer Belastung.» Am liebsten hätte es Heri gesehen, wenn statt in Utzenstorf beispielsweise im Bolacker gebaut worden wäre. «Direkt neben der Ausfahrt der Autobahn, wo Logistikbetriebe hingehören.» Andererseits wäre dort Kulturland verbaut worden, was ja auch nicht sinnvoll sei.

Sorgenfalten bekommt Heri, wenn er an die Zukunft denkt. Digitec plane nämlich schon weiter. Aber die Phasen 2 bis 4 könnten nur realisiert werden, wenn auch erschliessungstechnische Massnahmen umgesetzt würden. Eine Umfahrung von Utzenstorf beispielsweise, oder ein neuer direkter Anschluss an die Autobahn.

Der Betrieb könnte schon 2024 starten

Im Februar 2018 hatte die Migros Aare das 320000 Quadratmeter grosse Areal der früheren Papieri in Utzenstorf als strategische Reserve erworben. Letzte Woche wurde nun ein Grossprojekt für den 50000 Quadratmeter umfassenden Bausektor 1 öffentlich vorgestellt.

Die Migros will auf dem Areal ein Operations Center für den Onlinehändler Digitec Galaxus bauen und einen Teil des Areals im Baurecht an die Schweizerische Post abgeben. Diese will dort zusätzlich ein Sortierzentrum für Pakete realisieren, um Härkingen zu entlasten. Mit diesen zwei grossen Neubauten entstehen in Utzenstorf rund 400 neue Arbeitsplätze. Läuft alles nach Plan, soll das Operations Center seinen Betrieb schon 2024 aufnehmen.

Der Bauverkehr soll gemäss Migros über das bestehende Strassennetz abgewickelt werden. Um die lärmrechtlichen Vorgaben einzuhalten, will die Migros auf den Zufahrtsstrassen einen lärmarmen Belag einbauen und die maximal erlaubte Geschwindigkeit auf 40 km/h reduzieren.

Wie die Zukunft der verbleibenden drei Baufelder auf dem Papieri-Areal aussieht, ist noch offen und hängt davon ab, ob das Operations Center realisiert wird und ob eine direkte Zufahrt gebaut werden kann. Nach dem Vollausbau könnten bis zu 800 Arbeitsplätze angeboten werden.

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