In den Playouts des vergangenen Frühlings behaupteten sich die Volleyballerinnen des VBC Gerlafingen sensationell in der Nationalliga B. Mit dem neuen Trainer Christian Ruff starten sie diesen Samstag in dieser starken Spielklasse in ihre schwierige zweite Saison.

Dass ein Dorfverein wie der VBC Gerlafingen in der zweithöchsten Schweizer Liga spielen darf, ist wirklich nicht selbstverständlich. An Selbstvertrauen fehlt es aber nicht: «Nicht absteigen zu wollen, das wäre mir als Saisonziel zu wenig», sagt der neue Trainer Christian Ruff zum Abschluss der Vorbereitung. «Die erste Phase der Meisterschaft wäre dann ja bedeutungslos und wir könnten uns schon jetzt auf die nächsten Playouts gegen den Abstieg vorbereiten. Nein, ich will Gerlafingen in der oberen Hälfte der Rangliste etablieren. Mein Ziel sind die Playoffs.»

Angesichts des Kaders mit Spielerinnen wie Lisa Steffen, Shelby Sullivan, Andreia Leite und Aniara Muñoz sei dieses Ziel realistisch, findet Ruff. In der Vorbereitung fehlten diese Routiniers und die jungen Spielerinnen wurden forciert. «Die Automatismen fehlen deshalb noch etwas. Aber wenn es losgeht, sind alle bereit.» Und wie erklärt er das den jungen Spielerinnen, wenn sie in den entscheidenden Momenten weniger zum Einsatz kommen werden? «Ich sage den Jungen, dass sie von der Erfahrung der Älteren lernen und profitieren sollen. Wenn wir in der NLB regelmässig Punkten wollen, brauchen wir diese Routiniers.»
Urgestein tritt zurück

Seit 40 Jahren gibt es den VBC Gerlafingen und einer ist von Anfang an dabei: Thomas Nyffenegger. Vor gut 20 Jahren waren die Gerlafingerinnen schon einmal mit ihm als Trainer in die NLB aufgestiegen. Dann war er Präsident, wieder Trainer und seit diesem Sommer «nur» noch TK-Chef. «Ich brauche etwas mehr Zeit für andere Arbeiten im Hintergrund», erklärt Nyffenegger sein Kürzertreten. Böse Zungen behaupten, dass sich kein Trainer neben diesem Perfektionisten und «Chrampfcheib» lange behaupten werde. Darauf entgegnet Nyffenegger: «Als Trainer ist Christian Ruff in der ganzen Schweiz angesehen und er ist vom Volleyball ähnlich angefressen wie ich. Ich sehe da gar kein Problem, ich werde ihn auf allen Ebenen unterstützen.» Von Sarnen ins Training nach Gerlafingen nimmt Christian Ruff jedes Mal über 200 Kilometer unter die Räder. Einmal pro Woche dürfe er bei seiner Gotte in Deitingen übernachten und das Montagstraining wird weiterhin Nyffenegger leiten. «Trotzdem werde ich in den kommenden sieben Monaten etwa 10 000 Kilometer für den VBC Gerlafingen unterwegs sein.»

Erfolgreiche Spendenaktion

Aufsehen erregten die Gerlafinger Volleyballerinnen mit ihrer Spendenaktion auf der Plattform «I believe in you», mit der sie über 10 000 Franken für den Verein hereinholen konnten. «Die Initiative ging tatsächlich von den Spielerinnen aus und der Erfolg der Aktion ist grossartig», sagt Nyffenegger. Die Finanzspritze komme dem ganzen Verein zugute, also auch der grossen Nachwuchsabteilung.

Die Unterstützung durch die Gemeinde und die anderen Dorfvereine sei ausserordentlich erfreulich und motivierend. Auf der andern Seite würde es Thomas Nyffenegger freuen, wenn die eine oder andere der ehemaligen Spielerinnen ein Amt im Vorstand übernehmen könnte. «Der Aufwand, den VBC Gerlafingen zu führen, ist so gross geworden, dass eigentlich ein professioneller Geschäftsführer angestellt werden müsste. Weil das finanziell nicht möglich ist, sollten wir die Arbeit auf möglichst viele Schultern verteilen können.»

Da bleibt nur noch die Frage, warum es in Gerlafingen überhaupt ein Team in der Nationalliga B braucht. Nyffenegger: «Es ist einfach ein schöner Sport. Wir machen es, weil die jungen Volleyballerinnen in der Region sonst keine Chance hätten, auf diesem Niveau zu spielen.»