Gerlafingen
Mit einem speziell entwickelten Container-Velo täglich auf «Ghüdertour»

Wegen eines Personalengpasses im Werkhof suchte man in Gerlafingen nach einer Möglichkeit das Personal zu entlasten. Die Lösung überzeugt, und so behält man nun das «Ghüdervelo» und seinen Fahrer weiterhin.

Rahel Meier
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Das Ghüder-Container-Velo: Sponsor Hans Neuenschwander (Geschäftsleiter AEK onyx Gruppe), Philipp Heri (Gemeindepräsident Gerlafingen) und Fahrer Brhane Debas.

Das Ghüder-Container-Velo: Sponsor Hans Neuenschwander (Geschäftsleiter AEK onyx Gruppe), Philipp Heri (Gemeindepräsident Gerlafingen) und Fahrer Brhane Debas.

Michel Lüthi

Im letzten August kam es in Gerlafingen im Werkhof vorübergehend zu einem personellen Engpass. «Wir mussten uns überlegen, wie wir die restlichen Mitarbeiter entlasten können und welche Arbeit am besten abzugeben ist», so Philipp Heri (Gemeindepräsident).

Schnell war klar: Das tägliche Leeren der Abfalleimer in der Gemeinde absorbiert jeden Morgen einen Mitarbeiter und diese Arbeit braucht keinerlei grosse Vorkenntnisse.

Deal mit der Regiomech

«Ich habe dann in der Regiomech angefragt, ob jemand bei ihnen betreut werde, der für diese Arbeit geeignet ist und bei uns vorübergehend aushelfen könnte.» So kam der Eritreer Brhane Debas, der in Biberist wohnt, nach Gerlafingen. Der Deal war: Am Morgen Arbeit im Werkhof, am Nachmittag Besuch eines Deutsch-Sprachkurses.

Eine Schwierigkeit ergab sich dadurch, dass Debas in der Schweiz nicht Auto fahren darf. Doch auch hier wurde eine Lösung gefunden. Im Fahradies in Luterbach stand zufällig ein Spezialvelo, das an einem Wochenende kurzum provisorisch zum «Ghüder-Container-Velo» umgebaut wurde.

Täglich werden 52 Abfalleimer geleert

Seither kurvt Brhane Debas jeden Morgen durch Gerlafingen. Rund zehn Kilometer legt er täglich zurück und leert dabei alle 52 Abfalleimer. Durchschnittlich sind das rund 600 Kilogramm Abfall, weiss Werkmeister Christian Epp.

«Am Montag sind die Eimer immer am Vollsten. Da dauert auch die Tour länger als an den anderen Tagen.»

Am meisten Müll gebe es in aller Regel im Oberfeldpark, im Bürgerwald und beim Kirchackerschulhaus. An der Emme stehen nur drei Abfalleimer auf Gerlafinger Boden.

Sponsoring durch die AEK

Die Anschaffung des Spezialvelos war nicht geplant und darum auch nicht budgetiert. «Das es sich um ein E-Bike handelt, haben wir die AEK angefragt, ob sie bereit wäre das Sponsoring zu übernehmen.»

Und die AEK sagte Ja. «In unseren Partnergemeinden investieren wir immer wieder Geld in Form von Sponsoring. Häufig sind es heutzutage Ladestationen für Elektroautos», erklärt Hans Neuenschwander (Geschäftsleiter AEK onyx Gruppe).

Seit dieser Woche ist der Container des Ghüder-Velos nun fix montiert und nicht mehr aus Holz, sondern aus Aluminium und auch mit dem Logo der Sponsoren und der Gemeinde versehen.

Ausleihen an Nachbargemeinden möglich

«Am Anfang mussten wir ausprobieren, wie gross der Behälter sein darf. Der Fahrer muss das Velo ja noch fahren und stossen können. Zu schwer darf die Last trotz elektrischer Unterstützung nicht werden.» Zudem müsse man im Verkehr den Überblick behalten können.

Das Velo habe sich bewährt. Man könne nahe an die Eimer heranfahren, das Velo sei einfach zu parkieren und auch das Auf- und Absteigen sei simpel. «Der Unterhalt ist ebenfalls günstig», so Heri. «Wir könnten uns auch gut vorstellen, dass unser Velo am Nachmittag in einer Nachbargemeinde zum Sammeln des Abfalls eingesetzt werden könnte.» Damit tue man auch etwas für die Umwelt, da kein CO2 freigesetzt werde.

Brhane Debas ist in der Zwischenzeit im Stundenlohn im Werkhof angestellt. Aber Deutsch lernen sei schwieriger als Abfall einzusammeln, meint er.