Gerlafingen
Fünf Jahre später als geplant: Bauarbeiten für das dritte Kleinwasserkraftwerk an der Emme beginnen

Das Kraftwerk «Moosbrunnen 3» soll Strom für rund 360 Haushalte produzieren. Es hätte allerdings schon in 2016 in Betrieb genommen werden sollen.

Urs Byland
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Bereits gerodet: Am linken Ufer des Kanals wird das Kraftwerksgebäude gebaut.

Bereits gerodet: Am linken Ufer des Kanals wird das Kraftwerksgebäude gebaut.

zvg

In diesen Tagen beginnen die Bauarbeiten für ein drittes Kleinwasserkraftwerk an der Emme-Ausleitung Utzenstorf-Gerlafingen. Indem es vorhandenes Potenzial ausnutzt, wird das neue Werk der ADEV Wasserkraftwerk AG ab 2022 erneuerbaren Strom für rund 360 Haushalte produzieren.

Die 1910 erstellte, viereinhalb Kilometer lange Emme-Ausleitung zwischen Utzenstorf und Gerlafingen fliesst heute über einen Auslauf beim Gerlafinger Entenweiher zurück in die Emme. Die Emme strömt an dieser Stelle genau 2,75 Meter unter dem Niveau des Kanals dahin. Dieses Potenzial soll mit einem neuen, kleinen Wasserkraftwerk genutzt werden.

Fast der gesamte künstliche Gewässerlauf gehört der ADEV. Die Energiegenossenschaft mit Sitz in Liestal im Kanton Basel-Landschaft betreibt über ihre Tochtergesellschaft ADEV Wasserkraftwerk AG bereits die beiden kleinen Wasserkraftwerke oben am Kanal auf bernischem Boden im Moosbrunnen in Wiler.

Das auf die Produktion von erneuerbarer Energie spezialisierte Unternehmen baut nun am Auslauf das dritte Kraftwerk: «Moosbrunnen 3». In diesen Wochen fahren die ersten Baumaschinen auf.

ADEV Gruppe

116 Produktionsanlagen in Betrieb

Die ADEV Gruppe mit Sitz in Liestal baut seit über 30 Jahren an einer dezentralen erneuerbaren Strom- und Wärmeversorgung. Das Genossenschaftsunternehmen bietet über seine publikumsgeöffneten Tochtergesellschaften Beteiligungsmöglichkeiten in den Bereichen Wasser, Sonne, Wind und Wärme an.

Die ADEV Gruppe hat 116 Produktionsanlagen, die 2020 37 Mio. Kilowattstunden Strom und 17 Mio. Kilowattstunden Wärme produzierten. Die Aktien der ADEV-Gesellschaften werden als Nebenwerte an der BEKB (www.otc-x.ch) gehandelt. (uby)

Plötzlich war das Projekt gefährdet

Eigentlich war die Inbetriebnahme des 2014 angekündigten Neubaus eines Kraftwerkes schon auf 2016 geplant. Doch die Arbeiten verzögerten sich. 2016 erfolgte dann die Auflage der Kantonalen Nutzungsplanung, mit der der Bau des Kraftwerkes im September des gleichen Jahres bewilligt wurde.

Der Situationsplan zeigt den Standort des Kraftwerks.

Der Situationsplan zeigt den Standort des Kraftwerks.

zvg

2018 musste die ADEV einen Rückschlag hinnehmen. Die Genossenschaft wollte den Bau erst ausführen, wenn der Bund eine KEV-Zusage (kostendeckende Einspeisevergütung) erteilt. Diese stand auf der Kippe. Denn die neue Energieverordnung, basierend auf dem Energiegesetz zur Energiestrategie 2050, sieht vor, neue Kleinwasserkraftwerke mit einer Leistung unter 1000 Kilowatt nicht mehr zu fördern.

Das geplante Kleinkraftwerk Mossbrunnen 3 hat eine Leistung von 265 Kilowatt. Im neuen Gesetz wurde aber eine Ausnahmeregelung formuliert, von der die ADEV in Gerlafingen profitieren kann, wenn auch nicht im gewünschten Ausmass.

«Der Bund leistet eine Einspeisevergütung über 15 Jahre», erklärt ADEV-Projektleiter Bernhard Schmocker. Damit sich das Projekt dennoch rechnet, hat die ADEV Vorleistungen abschreiben müssen.

Abschreiber, damit das Projekt sich doch rechnet

«Als zentrales Element wird rund 20 Meter vor der Mündung des Kanals in die Emme das neue Maschinenhaus errichtet», erklärt Bernhard Schmocker. «Zudem sind einige bauliche Eingriffe auf den letzten 150 Metern des Kanals nötig.»

Fischgängigkeit

Feinrechen und Abstiegshilfe

Mit dem neuen Kleinkraftwerk in Gerlafingen wird der Kanal künftig von vier Kleinkraftwerken genutzt. An den Standorten der drei anderen Kleinkraftwerke wird schon seit über 100 Jahren Strom produziert.

Damit die Fischgängigkeit gewährleistet wird, erhält das neue Kleinkraftwerk einen Feinrechen mit Abständen kleiner als zwei Zentimeter zwischen den Stäben sowie eine Fischabstiegshilfe um die Turbine herum.

Der Fischaufstieg am Emmenwehr Landshut ist noch nicht optimal gelöst. «Das kommt noch», erklärt Bernhard Schmocker. (uby)

Die Mauern werden stabilisiert und auf das Niveau des Entenweihers erhöht. Damit gewinnt die Anlage fast einen Meter an Fallhöhe, was sich positiv auf die Stromproduktion auswirken wird.

Bernhard Schmocker rechnet damit, dass die ADEV-Gruppe das neue Kleinwasserkraftwerk Ende 2021 in Betrieb nehmen kann. Die gesamten Baukosten betragen rund 3.5 Mio. Franken.

Bei Normalbetrieb sollen dereinst insgesamt jede Sekunde 13 Kubikmeter Wasser – etwa 50 Badewannen voll – durch die Turbine rauschen. Die ökologische Anlage soll pro Jahr rund 1,6 Gigawattstunden elektrische Energie produzieren und ins Netz ­speisen. Dies entspricht dem Strombedarf von ungefähr 360 Haushalten.