Gerlafingen
«Gerlafingen, I love you» - Was ihr Dorf den Schülern bedeutet

Was läuft gut im Dorf, was fehlt? Für einmal haben die Jugendlichen das Wort. «Eigentlich könnte sich bei uns jeder wohlfühlen», so das Fazit der Klasse 6a, die sich an einem Projekttag intensiv mit ihrer Gemeinde auseinandersetzt.

Gundi Klemm
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Schule Gerlafingen
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Schule Gerlafingen

Gundi Klemm

Wie spannend es sein kann, einmal mit offenen Augen durch den eigenen Wohnort zu gehen, erlebten Sechstklässler aus dem Oberfeld. Die kommunale Arbeitsgruppe «Gemeindezukunft» hatte ein Konzept für einen Tag entwickelt, um die Schuljugend der Klasse 6a selbst erfahren zu lassen, was alles zu einer funktionierenden Gemeinde gehört.

Der Tagesplan sah einen Postenlauf zu den für Heranwachsende wichtigen Einrichtungen wie Fussballplatz und Badi Eichholz vor. Danach folgte eine ausführliche Besichtigung im Stahlwerk Gerlafingen und ein anschliessender Rundgang durch die Gemeindeverwaltung. Hier wurden den Jugendlichen die vielfältigen Verwaltungsbereiche auf verständliche Weise erläutert. Danach sammelten sich alle im Gemeinderatssaal, um grosse Plakate zu kreieren. Die Aufgabenstellung dazu lautete: «Was gefällt mir in Gerlafingen», «Was würde ich gerne verändern», und «Was wünsche ich mir».

Wunsch: Schönere Schulzimmer

In drei Gruppen wurde fleissig gemalt und diskutiert. Gemeindepräsident Peter Jordi (SP) nahm die farbenfrohen Kunstwerke später in Augenschein und hörte vor allen Dingen bei den Wünschen der Kinder gut zu. Einige der Anregungen seien bekannt und längst in Planungsprozesse eingeflossen, konnte Jordi den Kindern mitteilen. So etwa ein sicherer Strassenübergang über die Obergerlafingenstrasse beim Schulhaus Oberfeld im Zusammenhang mit der kommenden Überbauung Mühlacker.

Ein wichtiges Thema im Rat sei ebenso der Schulraum, der im kinderreichen Gerlafingen knapp ist. Die Schülerinnen und Schüler aus dem Oberfeld wollen ihre betagten Container-Klassenzimmer gerne gegen schöne, neue Schulzimmer tauschen. Aber für ein Hallenbad mit Sauna, mehr Sportflächen und Erlebnisparks fehle in der bevölkerungsmässig zwölftgrössten Gemeinde im Kanton schlicht der Platz. Gerlafingen hat nur wenig freie Flächen.

Und für viele der Wünsche wie mehr Läden, Kino, Open-Air-Veranstaltungen für Junge, Skateranlage, «eine freie Wand zum Sprayen» oder beispielsweise einen Pausenkiosk sei die Gemeinde gar nicht zuständig. «Vieles wäre schön», meinte das Gemeindeoberhaupt mit Blick auf die angespannte öffentliche Finanzlage oder auch auf nötiges privates Engagement. Er versprach seinen jugendlichen Gästen aber, die Plakate dem Gemeinderat bei seiner nächsten Sitzung vorzustellen.

Tolle Mischung der Einwohner

Beslind, der seit seiner Geburt in Gerlafingen wohnt und in seiner Freizeit begeistert Fussball spielt, hat aufs Plakat geschrieben, dass es hier nette Leute gebe und ihm die tolle Mischung der Einwohner gefalle. «Jeder kann sich hier wohlfühlen», knüpfen seine Klassenkameradinnen Ermira und Andrea an. «Alle kennen sich, und man findet hier schnell Freunde», bestätigen sie und schmücken ihr Plakat mit einem gekrönten, rot unterlegten «Gerlafingen, I love you».

Primarschulleiter Pascal Hunziker bestätigt, dass das Dorf auch für ihn sehr reizvoll sei. Als externer Leiter eines Schulprojektes in Gerlafingen habe er etwas von dessen Dorfseele kennen gelernt und sich mit der Überzeugung, etwas bewirken zu können, für die freie Stelle beworben.

Pessimisten nerven

Die Idee zu diesem Projekttag entstand in der Arbeitsgruppe Gemeindezukunft, in der auch SP-Lokalpolitikerin Özlem Kellenberger mit Begeisterung mitwirkt. Warum sie sich engagiere, beantwortet Karin Frei-Bucheli mit dem wichtigen «Zuhause-Gefühl». «Ich will dazu beitragen, dass unsere Kinder eine stärkere Identifikation mit ihrem Wohnort entwickeln, und erkennen, was ihnen hier alles so selbstverständlich zur Verfügung steht.»

Christian Stoll macht mit, weil ihn das überall gehörte pessimistische Gerede über Gerlafingen «auf die Palme» bringt. Wer näher hinschaue, sehe sehr viel Positives.

Michèle Graf-Bürki, die beruflich als Messener Gemeindeschreiberin sehr gut weiss, wie eine Kommune funktioniert, bewundert die hier tagtäglich geleistete Integrationsarbeit. «Wir sind nun mal ein Industriedorf, das durch das Stahlwerk, seine Geschichte und sein Arbeitsangebot bis zur Gegenwart geprägt wird.» Entstanden sei aber ein lohnenswerter Lebensraum.