Im Zelgli, ausserhalb der Bauzone, plant ein Bauer in Biezwil den Bau eines Schweinemaststalls. Die zweite Publikation zum Bauvorhaben im Azeiger hat zu über 20 Einsprachen geführt, wie der Präsident der Baukommission Adrian Christen bestätigt. Er, das heisst die Baukommission von Biezwil wird aber letzten Endes das Bauvorhaben nicht entscheiden. Das wird, weil in der Landwirtschaftszone gebaut werden soll, der Kanton sein.
Der Widerstand gegen das Bauvorhaben in Biezwil ist gross. So gross, dass der Gemeinderat sich bemüssigt fühlte, eine Informationsveranstaltung zum Bauvorhaben durchzuführen. Der Gemeinderat habe den Informationsanlass aus zwei Gründen organisiert. «Wir wollen das Stimmungsbild einfangen, und wir wollen, dass die zwei Parteien sich austauschen können», sagt Gemeindepräsidentin Rita Mosimann. Sie wolle keine Grabenkämpfe im Dorf. Am Anlass soll zudem erklärt werden, was rechtens sei, und die Einsprecher sollen ihre Befürchtungen erklären. Moderieren wird den Anlass Thomas Blum, Geschäftsführer des Verbandes für Einwohnergemeinden. «Ich wollte einen prominenten Mediator, der sattelfest ist.» Dann erwähnt Rita Mosimann noch, dass im Gemeinderat die Meinungen zum Bauvorhaben auseinandergehen würden.

Geruch und Lärm

Was bemängeln die Einsprecher? Im Wesentlichen, dies wie andernorts auch immer wieder, geht es um den scharfen Schweinekotgeruch. Befürchtet wird, dass dieser sich rundherum ausbreite und auch weiter entfernte Liegenschaften erreichen könnte. Zitiert wird in einer Einsprache beispielsweise zum Thema «Einsprachebefugnis der Nachbarn» aus einem Verwaltungsgerichtsurteil: «Geruchsimmissionen werden bei lokalen Kaltluftabflüssen zum Teil noch im Zwei- bis Dreifachen des nach den Richtlinien berechneten Mindestabstands als deutlicher Geruch wahrgenommen.» Bemängelt wird weiter, dass der Lärm, welcher die Schweinemast verursache, zu hören sein werde. Sei dies durch die Abluftanlage, die Zu- und Wegfahrt der Lastwagen oder durch den Verlad der Schweine. Durch die Sichtweite gebe es keine Hindernisse für den Schall. Der Wind wehe ausserdem sehr häufig aus dieser Richtung.
Weiter werden diverse Punkte erwähnt wie Grundwasserschutz, Verkehrsaufkommen, dass das Dorfbild von Biezwil durch diesen riesigen Stall «extrem» verändert werde oder dass das «industrielle Grossprojekt» in keiner Weise dem kleinbäuerlichen Charakter des Dorfes entspreche.
«Sozialer Frieden»
Die Einsprecher bemängeln in einem Brief an die Gemeinde aber auch deren Haltung, die nicht dem entspreche, was im Räumlichen Leitbild festgeschrieben sei. So steht dort, dass Biezwil in Zukunft moderat wachsen und eine hohe Lebensqualität beibehalten soll. «Angestrebt wird der soziale Frieden. Ruhe, Natur und Frieden sind uns ein Anliegen.» Gut möglich, dass dieser Hinweis in einem Brief von Einsprechern am 1. Februar an die Gemeinde im Gemeinderat Wirkung hatte, und darauf die Idee eines Informationsanlasses reifte.

Weniger optimal verlief die Kommunikation des Anlasses. «Wir haben nicht gesagt, wer reden wird», so Gemeindepräsidentin Rita Mosimann. Das heizte bei den Einsprechern die Gerüchteküche an. So sickerte durch, dass als Redner unter anderem Bauernsekretär Peter Brügger vorgesehen war. «Ich komme nicht», erklärt dieser auf Nachfrage. Für ihn habe es noch zu viele offene Punkte offen. Die offenen Punkte betreffen aber nicht das Betriebskonzept. Denn dieses stammt eben aus der Hand des Solothurner Bauernverbandes. «Nach den geltenden Geruchsabstände könnte der Schweinemaststall gebaut werden. Es ist ein modernes Konzept, aber auch sehr teuer.» Dies weil es diverse technische Anlagen braucht. Hier gebe es für ihn offene Punkte, so Brügger.

«Wollen Gäste nicht vertreiben»

Nicole Reusser spricht von einem Dilemma, in dem sie als Landwirte stecken würden. «Da ist das Bedürfnis des Konsumenten nach Schweinefleisch und einer Tierhaltung, ausgerichtet auf die neusten Tierwohlvorschriften mit viel Auslauf, und andererseits die Befürchtungen wegen den Gerüchen.»Die Familie betreibe beispielsweise einen eigenen Gastrobetrieb auf dem Hof. «Wir wollen unsere Gäste auf der Terrasse nicht vertreiben. Daher ist es uns persönlich ein grosses Anliegen, dass der neue Schweinestall nicht störend riechen wird.» Dafür hätten sie entsprechende Massnahmen geplant.