Lebern/Bucheggberg

Generationenwechsel: Kreisförsterin ist 37 Jahre jünger als ihr Vorgänger

Den Wald schützen und nutzen. Diesen Leitsatz unterschreiben Ueli Stebler und seine Nachfolgerin, Kreisförsterin Daniela Gurtner.

Den Wald schützen und nutzen. Diesen Leitsatz unterschreiben Ueli Stebler und seine Nachfolgerin, Kreisförsterin Daniela Gurtner.

Daniela Gurtner ist seit wenigen Tagen im Amt. Sie ist die Nachfolgerin von Ueli Stebler. Der Kreisförster für Lebern und Bucheggberg ging Ende Jahr in Pension. Zwischen den beiden liegen 37 Jahre, doch vereint sie ihre Leidenschaft für den Wald.

37 Jahre liegen zwischen ihnen. Ende Jahr ging der Kreisförster für Lebern und Bucheggberg, Ueli Stebler, in Pension. Seine Nachfolgerin Daniela Gurtner ist seit wenigen Tagen im Amt. Die beiden vereint ihre Leidenschaft für den Wald.

Beide sind überzeugt, dass der Wald nicht nur genutzt, sondern auch geschützt werden muss. Damit hat sich der Anspruch an das komplexe Ökosystem markant geändert. Bis in die 1980er-Jahre galt der Wald fast ausschliesslich als Wirtschaftsfaktor, erzählt Ueli Stebler. «Als ich 1986 angefangen habe, damals wurde ich noch durch das Volk gewählt, mussten die Bäume vor allem Ertrag bringen».

Er ist auf einem Bauernhof in Lüterkofen aufgewachsen. Und für die Landwirte hatte der Umweltschutz nicht Priorität. Mit Motorsägen, Traktoren und teilweise Pferden gingen sie in den Wald, um Brenn- und Bauholz bereitzustellen.

Bis 1988 wurden die Stämme von Hand entrindet. «Damals waren viel mehr Leute im Wald tätig», erinnert sich Stebler. Er schätzt, dass heute noch ein Viertel der Arbeitskräfte von damals benötigt werden.

Dies dank der effizienteren Strukturen, der fachlichen Ausbildung und teilweise auch der Mechanisierung im Forstbetrieb. Auch selber sei er mit den Jahren immer weniger in den Wald gekommen. Zu Beginn sei er noch oft mit der Spraydose zum Auszeichnen im Wald gewesen.

In Steblers Amtszeit wurde dank dem Vollernter nicht nur die Technik professionalisiert. Auch die Betriebsstruktur änderte sich grundlegend. Inzwischen sind bis auf wenige Ausnahmen alle Gemeinden im Bucheggberg und im Leberberg in Forstbetrieben organisiert.

In seinem Bestreben für die Zusammenschlüsse habe er gegen starke Widerstände der Waldbesitzer ankämpfen müssen. «In den Gesprächen habe ich nicht selten Druck gemacht. Ich weiss, dabei war ich oft auch für einige ein nicht ganz angenehmer Kantonsvertreter.»

Inzwischen seien die Betriebsgemeinschaften aber breit akzeptiert. Auch weil sie wirtschaftlich sinnvoll seien. «Die Waldeigentümer haben den wirtschaftlichen Druck zunehmend selber erfahren und sich deshalb zu Bewirtschaftungseinheiten zusammengeschlossen.»

Fasziniert vom Jurawald

Dass mit dem Wald viele Emotionen verbunden sind, bestätigt Daniela Gurtner. Ob Hündeler, Spaziergänger, Pilzsucher, viele Menschen hätten einen Bezug zum Wald, der ausserdem auch als Kraftort gelte. «Man sieht es an den Reaktionen, wenn Bäume gefällt werden.»

Deshalb sei es wichtig, dass der Wald geschützt werde. «Auch dank den strengen Gesetzen geht es dem Wald heute nicht so schlecht», sagt sie. Trotz dem akuten Eschentriebsterben, das durch einen Pilz verursacht wird. Eine Herausforderung für die Zukunft sei zudem der Klimawandel, der in ungeahnter Weise Einfluss haben werde.

Gute Kontakte zu den Akteuren sind da von Vorteil. Die Revierförster hat Gurtner bereits kennen gelernt, mit den Privatwaldeigentümern macht sie sich allmählich bekannt. Aufgewachsen in Oberbuchsiten, studierte sie an der ETH Zürich Umweltnaturwissenschaften.

Dabei spezialisierte sie sich auf den Wald und das Landschaftsmanagement. Die Ausbildung sei vergleichbar mit jener des Forstingenieurs Ueli Steblers. Nach dem Studium organisierte sie Arbeitseinsätze von Freiwilligen in Schweizer Bergwäldern und beschäftigte sich in der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft mit Neophyten.

Schon als Kind sei sie viel im Wald «herumgestolpert», erzählt die 27-Jährige. «Dank all den Lebewesen spielt so viel zusammen. Flechten, Moose, Pilze, Tiere – das kann nur faszinieren.» Ihren liebsten Flecken verrät sie nicht, aber besonders gefallen ihr Jurawälder mit den kleinräumigen, trockenen Standorten. Obwohl keine Hochgebirgswälder, seinen diese bereits wild.

Neben dem Ökologiegedanken misst Gurtner dem kaufmännischen Aspekt einen grossen Stellenwert bei. Sie verfolgt die Entwicklung des Holzmarkts mit den sinkenden Preisen, den Grosssägereien und der Tatsache, dass Laub-Sägeholz teilweise sogar bis nach China exportiert wird. Der Wirtschaftsfaktor ist für die Förster grundlegend: Noch immer würde die Holzproduktion rund 70 bis 80 Prozent zu den Einnahmen eines Forstbetriebs beitragen.

Beliebte Waldschultage

Den Forstbetrieb umkrempeln wird Daniela Gurtner nicht. Wie Ueli Stebler ist auch sie eine Anhängerin des Dauerwaldes. «Dieser ist sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll», sind sich die beiden einig.

n diesen Wäldern mit vielen jungen Bäumen werden keine grossen Flächen abgeholzt. Auch würde dem Wind weniger Angriffsflächen geboten. Schäden wie nach dem Lothar-Sturm im Bucheggberg sollen so vermieden werden. Durch den Verzicht auf Monokulturen könne der Wald langfristiger genutzt werden. Auch die Bodenfruchtbarkeit werde erhöht.

Weiterführen möchte Daniela Gurtner auch Ueli Steblers intensive Öffentlichkeitsarbeit. Immer wieder brachte der Bucheggberger Interessierten und vor allem auch Schülern den Wald vor Ort nähe.

Oder er lud interessante Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft zu seinen gut besuchten Orientierungsversammlungen ein. «Es war eine schöne Zeit, ich habe viel gelernt und sicher auch einiges bewirkt», sagt Ueli Stebler. Unter anderem, dass zum Amt des Kreisförsters auch der Auftritt vor Leuten gehöre. «Denn das lernte man an der Hochschule nicht.»

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